Conference-Finals: Westen im Soll, Osten überrascht

Von Dennis Schellenberg

Die beiden Conference-Finals könnten unterschiedlicher kaum sein. Im Westen treffen sich mit Chicago und San Jose die beiden besten Teams der Vorrunde. Im Osten konnten sich die siebt- und achtplatzierten Teams erneut durchsetzen und stehen sensationell im Conference-Final.

San Jose Sharks (1.) vs. Chicago Blackhawks (2.)

Protagonisten:
Es ist das realistische Western Conference Final. Die zwei besten Teams im Westen hatten in ihren beiden bisherigen Serien mehr oder weniger problemlos überstanden. Beide Teams spielen ähnlich und attraktiv. Diese Serie dürfte eine sehr knappe und hart umkämpfte sein, da beide einen ähnlichen Spielstil pflegen: Beide verfügen über zwei Skorerlinien und zwei Checking Lines.

Das spricht für San Jose:
San Jose fertigte Detroit mit 4:1 ab und gelang eindrücklich in diesen Final. Vor allem die Heimstärke ist beeindruckend. Kaum ein Team konnte im „Shark Tank“ bestehen. Da Chicago vor allem auswärts überzeugen konnte und zuhause nicht so sehr, ein klarer Vorteil für San Jose. Die Sharks verfügen über zwei Toplinien und zwei ausgezeichnete Checking Lines. Vor allem die sonst „playoff-untauglichen“ Thornton und Marleau konnten gegen Detroit an Fahrt gewinnen und überzeugten. Dazu kommt die zweite Reihe um Pavelski, Clowe und Setoguchi die ausgezeichnet drauf ist. Da vor allem die Hawks-Defensive untypische Schwächen aufzeigte, ein klarer Vorteil der Sharks.

Das spricht für Chicago:
Die Specialteams der Hawks sind stärker als die der Sharks. Auch im Toreschiessen tut sich Chicago leichter. Bei den Sharks schiessen vor allem die Stars zu wenig Tore. Zu vieles bleibt an Pavelski hängen. Da haben die Hawks mit Patrick Kane und Jonathan Toews zwei Topstümer, die momentan einen starken Lauf haben. Auch die Scoring-Qualitäten der sogenannten Checking Lines sind bei den Hawks klar stärker vertreten. Bei San Jose bringen sich die Verteidiger zu wenig ins Offensivspiel ein. Auch da haben die Hawks die Nase vorn.

Fazit:
Es werden kleine Dinge die Serie entscheiden. Die beiden Teams sind zu ausgeglichen und ähnlich, um gross Schwächen und Stärken zu finden. Für einmal stehen die Torhüter nicht im Fokus. Nabokov wie auch Niemi zeigten eine solide Leistung, doch wird keiner den entscheidenden Unterschied ausmachen. Viel mehr sind es Spieler wie der bullige Stürmer Dustin Byfuglien, der versuchen wird dem eher kleinen Nabokov bei jedem Schuss die Sicht zu nehmen und ihn in die Weissglut zu treiben. Oder auf Sharks-Seiten Scott Nichol, der mit seinem aufsässigen Spiel versuchen wird, den Aufbau der Hawks zu stören.

Prognose:
Dank der grösseren Playofferfahrung hat San Jose die Nase um Haaresbreite vorne. Die Sharks ziehen mit 4:3 ins Stanley Cup Final ein.


Philadelphia Flyers (7.) vs. Montreal Canadiens (8.)

Protagonisten:
Es ist fast schon unmenschlich, was die Montreal Canadiens derzeit in den Playoffs bieten. Nach Washington schaltete man auch noch Pittsburgh im siebten Spiel aus. Ebenso historisch war der 4:3-Sieg von Philadelphia über Boston. Nach einem 0:3-Rückstand konnte das Team von Peter Laviolette nochmals zurückkommen und ins Conference-Final gelangen. Nun treffen diese beiden Teams aufeinander und nur eine Mannschaft kann in den Stanley Cup Final einziehen.

Das spricht für Philadelphia
Die Flyers haben gegen Boston gezeigt, dass sie niemals aufgeben. Selbst im siebten Spiel lagen sie 0:3 hinten und konnten das Spiel bis zum Schluss noch drehen. Sie glaubten stets an ihre Chance und spielten geduldig und ohne Panik. Physisch sind sie den Habs eigentlich überlegen, und das „hitting-game“ der Flyers wird sich wieder ein bisschen verbessern. Die Verteidigung der Canadiens ist wegen den Ausfällen von Markov (kann ev. bald wieder eingreifen) und Mara etwas dünn besetzt. Die Abhängigkeit von Mike Cammalleri ist sehr gross.

Das spricht für Montreal:
Mit Mike Cammalleri verfügen die Montreal Canadiens über den „heissesten“ Stürmer und Jaroslav Halak ist derzeit klar der beste Torhüter der Playoffs. Diese beiden Spieler sind auch gegen die Flyers die Trümpfe der Kanadier. Ein weiterer Fakt ist, dass die Habs das mit abstand beste Team im Schuss blocken ist. Die Flyers müssen auf die immer wieder gefährlichen Konter der Habs achten. Zudem werden die grossgewachsenen Verteidiger Carle und Pronger mit den wendigen Cammalleri und Gionta Probleme bekunden. Zudem ist Michael Leighton klar schwächer als Halak.

Fazit:
Nur noch eines der beiden Überraschungsteams kann weiter überraschen. Beide Teams werden versuchen so weiterzuspielen wie sie es in den bisherigen Serien getan haben. Doch wie spielen die Habs, wenn sie nicht mehr unbedingt als Aussenseiter auftreten müssen? Jaroslav Halak wird wohl nicht mehr so viele Schüsse auf seinen Kasten bekommen und daher seine Riesenform nicht mehr so konsequent durchhalten können. Doch da Leighton den Unterschied nicht ausmachen kann, sind die Habs auch in dieser Serie auf der Torhüterposition klar besser besetzt. Philadelphia wird es mit dem physischen Element versuchen, während Montreal auf die quirligen Cammalleri und Gionta setzen. Beide Teams haben im Vorfeld auch gezeigt, dass sie enorm geduldig spielen können, daher muss es nicht heissen, dass der erste Eindruck gleich zählen wird.

Prognose:
Die konsequent harte Arbeit der Montreal Canadiens wird auch in dieser Serie belohnt und die Kanadier eliminieren die Philadelphia Flyers mit 4:3 und spielen um Lord Stanleys Cup.