WM: Es geht los

Von Urs Berger

Am Freitag eröffnet mit dem Spiel USA-Deutschland im Fussballstadion von Schalke die Eishockey-Weltmeisterschaft 2010 in Köln, Mannheim und Gelsenkirchen. Wir wagen einen kleinen Ausblick auf die vier Gruppen und die 16 Mannschaften.

Gruppe A: Russland gesetzt – Dahinter wird es eng

Die Frage in dieser Gruppe ist nicht, wer auf dem ersten Platz sein wird. Sondern wer in die Abstiegsrunde muss. Keiner der Gruppen ist nach hinten so offen wie die Gruppe A. Geht man nach der Weltrangliste, dann können Weissrussland und die Slowakei in die Zwischenrunde kommen. Doch wird Kasachstan dies zulassen?

Russland

Mit dem Teamleader Alexander Ovechkin und Alexander Semin soll der Finale erreicht werden. Die Schmach von Vancouver gerächt werden. Dies dürfte für das Team von Slava Bykov Ansporn genug sein, alles zu geben und den dritten Weltmeistertitel in Serie zu feiern. Denn das die Russen das Potenzial haben in das Finale zu stürmen ist nicht von der Hand zu weisen. Und der Widerstand in der Gruppe A dürfte als nicht so gross eingestuft werden. Mit Weissrussland, der Slowakei und Kasachstan stehen den Russen keine namhaften Gegner im Wege, welche eine sichere Qualifikation für die Zwischenrunde verunmöglichen sollten. In der Zwischenrunde wartet dann, wenn alles nach Papierform geht, mit Dänemark ein Team, das man einfach bezwingen kann. Engere Spieler wird es zwischen Finnland und den USA geben. Dennoch sollte sich Russland problemlos für das Viertelfinale qualifizieren können. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung und würde wohl dazu führen, das man den einen oder anderen Wechsel an der Bande vollziehen würde.

Slowakei

Kann die Slowakei an die Leistungen der olympischen Spiele anknüpfen? Kann ein Exploit wiederholt werden? Auf den ersten Blick scheint dies nicht möglich zu sein. Glen Hanlon muss mit zu vielen Absagen kämpfen. Der Kader scheint auf den ersten Blick an Qualität eingebüsst zu haben. Es sind keine grosse Namen in der Mannschaftsaufstellung zu finden. Einzige Ausnahme bildet der Torhüter der Colorado Avalanche, Peter Budaj. Budaj muss eine neue Stelle in der NHL oder in Europa suchen. Dass er in der nächsten Saison noch bei der Avalanche spielen wird, ist eher nicht zu vermuten. In der Verteidigung steht mit Richard Lintner ein alter Bekannter im Kader. Lintner, der auch über Erfahrung im Schweizer Eishockey verfügt, soll die Abwehr stabilisieren und nach vorne kreativ mit spielen. Im Sturm soll es mit Marek Zagrapan und Ivan Ciernik zwei erfahrene Spieler richten. Ob der letztere nach den Weltmeisterschaften noch einmal für die Slowakei auflaufen wird ist fraglich. Genau so fraglich, wie das abschliessen der Slowakei sein wird. Von der Abstiegsrunde bis zu einer Qualifikation für die Viertelfinale scheint mit dieser Mannschaft alles möglich zu sein.

Weissrussland

Weissrussland kann dieses Jahr zu einer erneuten Überraschung ansetzen. Mit Andrej Mezin, Sergei Kolozov und Mikhail Grabovski ist die Achse der Stabilität im Team der Weissrussen erneut aufgeboten. Dazu kommt, dass die meisten Spieler sich aus der eigenen Mannschaft von Dynamo Minsk sehr gut kennen. Die Mannschaft ist eingespielt und man kann auf die verschiedenen Situationen reagieren. Ergänzt werden die Weissrussen mit einigen weiteren Spieler aus dem Nachwuchsbereich und mit Spielern aus Übersee oder aus der KHL. Unterschätzen sollte man diese Mannschaft nicht. Und eine Überraschung gegen die Slowakei liegt im Bereich des Möglichen. Und wenn die Form stimmt, dann kann auch Russland mit einem schweren Spiel rechnen.

Kasachstan Mit Kasachstan kommt ein fast unbekannter Aufsteiger wieder unter die Top-16-Mannschaften der Welt. Die Frage ist nur, ob sich Kasachstan behaupten kann. Einfach wird es nicht werden. Doch mit einigem Glück kann die Mannschaft die Zwischenrunde erreichen. Denn mit der Slowakei und auch mit Weissrussland kann man, je nach Tagesform, das eine oder andere erreichen. Speziell motiviert wird man in den Spielen gegen Russland und Weissrussland sein. Die gemeinsame Geschichte der Vergangenheit hat ihre Spuren auch bei den Kasachen hinterlassen. Und eine sportliche Rache ist immer schön.

Gruppe B: Italien in der Absteigsrunde – Kanada Favorit

Klarer Favorit ist Kanada. Danach folgt auf gleicher Höhe Lettland und die Schweiz. Am Ende ist Italien. Klarer Fall in der Gruppe B. Oder doch nicht?

Kanada

Eines ist klar. Die Kanadier sind, neben Russland, einer der Favoriten für die Weltmeisterschaft. Im Team sind ist zwar nur ein Spieler dabei, der Olympiagold gewann mit Corey Perry. Dafür kehrt Capitain Canada Ryan Smythe in den Kader zurück. Der langjährige Spieler der Edmonton Oilers war in der Vergangenheit einer der wichtigsten Spieler der Kanadier. Kann er dies auch in diesem Jahr wieder sein? Der Kader der Kanadier besteht aus einer guten Mischung von jungen und hungrigen Spielern so wie aus Spielern, welche die eine oder andere Erfahrung auf internationalem Parkett haben. Zudem werden voraussichtlich keine weiteren Spieler aus den Playoffs zum Team stossen. So kann sich der Kader in den kommenden Tagen festigen und verbessern. Die Qualifikation für das Viertelfinale sollte problemlos erreicht werden können. Lettland

Nur 180 Punkte trennen die Schweiz von Lettland in der Weltrangliste. Und diesen Rückstand wollen die Letten in Deutschland wettmachen. Am liebsten mit einem Sieg über die Schweiz im ersten Spiel an den Weltmeisterschaften. Die Frage ist nur, ob die Letten die Lehren aus dem letzten Platz an den olympischen Spielen gezogen haben. Olegs Znaroks, der Trainer der Letten, wird diese wohl gezogen haben und die entsprechenden Anpassungen vorgenommen haben. Dass er dies kann, hat er als Trainer des KHL-Klubs MVD Balashikha, eine Mannschaft aus dem gleichnamigen Vorort von Moskau, mit dem Erreichen der Finals gezeigt. Ob aber Lettland das Spielermaterial hat, um an diesen Weltmeisterschaften zu bestehen und auch die Zwischenrunde zu überstehen ist nicht gesagt. Dabei wird auch wichtig sein, wie gut die Defensive arbeitet. Und ob Edgars Masalskis so gut spielen kann wie an den letzten Weltmeisterschaften. Wenn das gelingt, dann kann Lettland der Schweiz erneut gefährlich werden.

Italien

Italien kämpft von Beginn an gegen den Abstieg. Die Frage ist nicht, ob sie einen Punkt gegen eines der besseren Team erreichen kann. Sondern ob die Italiener in den entscheidenden Spielen um den Abstieg alles geben können und immer ein Tor mehr erzielen können als der Gegner. Das Team muss, um dies erreichen zu können, aus einer gesicherten Defensive spielen. Dies können sie vermutlich auch erreichen. Denn mit dem neuen Trainer Rick Cornacchia, der 2008 das Team übernahm, schaffte man denn auch den Aufstieg sofort. Und nach dem Wechsel von Michel Goulet zu Cornacchia wurde das Team neu aufgebaut und neu motiviert. Ist dies ein Vorteil? Man wird es sehen.

Schweiz

Siehe eigener Artikel am Freitag.

Gruppe C: Favoriten gesetzt – Kampf um Abstiegsrunde

Schweden und Tschechien sind die Favoriten für die Qualifikation der Zwischenrunde. Norwegen und Frankreich spielen um die Abstiegsrunde. Alles klar? Mitnichten!

Schweden

Nach der WM ist vor der nächsten WM. Und bei Schweden trifft dies in diesem Jahr besonders zu. Wie in der Schweizer Nationalmannschaft wird auch bei Schweden der Trainer ausgewechselt. Nur dass hier der Verband nicht in unnötigen Aktivismus verfallen ist und so dem neuen Nationalcoach die Möglichkeit gibt, sich richtig in das neue Arbeitsgebiet einzuarbeiten. Mit dem kommenden Wechsel an der Bande endet damit die über fünfjährige Amtszeit von Bengt-Ake Gustafsson. An dieser Weltmeisterschaft will der ehemalige Olympia- und Weltmeistertrainer noch einmal zuoberst auf dem Treppchen stehen. Erreicht er dies, setzt er sich mit dem Gewinn ein Denkmal. Die Frage ist nur, ob die Spieler ihm folgen. Dass dem nicht immer so ist, sah man an den Olympischen Spielen. Schweden schied bereits im Viertelfinale aus und scheiterte am Aussenseiter Slowakei. Droht den Schweden nun an der Weltmeisterschaft das gleiche Schicksal?

Tschechien

Kann Tschechien ohne den grossen Namen Dominik Hasek an den Weltmeisterschaften weit kommen? Ist die Mannschaft bereit, alles zu geben und sich nicht von Widerwärtigkeiten aus dem Tritt werfen zu lassen? Sicher ist nur, das Tschechien schon bessere Tage gesehen hat. Auch hat die Mannschaft an der kommenden Weltmeisterschaft ein anderes Gesicht als an den Olympischen Spielen. Auch bei den Tschechen sind die Absagen oder Nicht-Freigaben aus der NHL häufig. Nur kann Tschechien diese im Moment noch kompensieren. Die Frage ist nun für wie lange. In diesem Jahr erreichen die Tschechen die Zwischenrunde noch und danach ist vieles möglich.

Norwegen

Nach den guten Vorstellungen an den olympischen Spielen in Vancouver scheint Norwegen in Deutschland weniger stark besetzt zu sein. In den Spielen gegen die Schweiz sah man, dass es die eine oder andere Effort-Leistung eines einzelnen Spielers braucht, um gegen die bestandenen A-Nationen an einem Erfolg zu schnuppern. Und genau dies macht die Norweger unberechenbar. An einem guten Tag können sei alle Nationen fordern. An einem schlechten Tag aber auch ohne grosse Gegenwehr untergehen. Grosser Trumpf der Norweger ist dabei Patrick Thoresen. Der ehemalige Lugano-Stürmer kann immer noch den Unterschied aus machen. Und so Norwegen in die Zwischenrunde schiessen und dort vielleicht sogar ins Viertelfinale. Aber dies nur, wenn das gesamte Team einen guten Tag erwischt.

Frankreich

Erreicht Frankreich die Zwischenrunde? Oder ist nach der Vorrunde alles bereits entscheiden und die Abstiegsrunde ruft? Frankreich ist, wie man dies an den Weltmeisterschaften in Bern gesehen hat, jederzeit zu einer Überraschung fähig. So schickte man in Bern Deutschland in die Relegationsrunde. Dies könnten die Franzosen auch in diesem Jahr wieder machen. Die Frage ist jedoch, welches der drei Teams dem Nationalteam Frankreichs diesen Gefallen macht. Ansonsten droht den Franzosen die Relegationsrunde. Und diese wird nicht einfach werden.

Gruppe D: Deutschland gegen den Abstieg

Deutschland steht vor einer wegweisenden Weltmeisterschaft. Denn in der Gruppe mit Dänemark, den USA und Finnland wird es nicht einfach werden. Die Frage ist, ob Deutschland erkannt hat, dass man nur als Mannschaft Erfolg haben kann. Und mit Kampf.

Finnland

Kann der Silbermedaillengewinner von Vancouver wieder an die Leistungen der olympischen Spiele anknüpfen? Der Kader wurde verjüngt und mit routinierten Spielern ergänzt. Diese Mischung könnte durchaus dazu beitragen, dass Finnland zu einem wichtigen Medaillenanwärter werden kann. Das Erreichen der Viertelfinale ist machbar und von dort aus ist Finnland für die eine oder andere Überraschung immer ein Kandidat. Zwischen einem frühen Aus und dem Vorpreschen bis in den Finale ist alles möglich. Das einzige was nicht möglich ist, ein Abstieg.

Ein andere Kader, ein anderes Gesicht als an den olympischen Spielen in Vancouver. Dennoch zählt die USA zu einem Medaillenanwärter. Denn in die Zwischenrunde schaffen es die Amerikaner locker. Dass sie dabei im Eröffnungsspiel einen neuen Weltrekord aufstellen ist für das Team unwichtig, Man findet sich sowieso erst während dem Turnier zu einer Einheit. Und dann wird man das USA sehen, welches man an den Olympischen Spielen sah. Oder doch nicht? Dies USA kann an den Weltmeisterschaften nicht immer richtig eingeschätzt werden. So spielte man schon das eine oder andere Mal nicht in den Viertelfinals. Dieses Jahr sollte es aber reichen.

Deutschland

Sportlich ist Deutschland an der letzten WM abgestiegen. Nur dank der Heim-WM konnte man den Abstieg verhindern. Doch kann Deutschland den Abstieg an der eigenen WM verhindern? Wir sagen: Nein! Zu schwach ist der Kader, zu sehr lastet der Druck des Siegenmüssens auf den Schultern der Akteure. Dazu kommt, dass das erste Spiel in im ausverkauften Fussballstadion „Auf Schalke“ stattfindet. Kein einfacher Beginn in eine WM. Desweiteren ist Dänemark stärker einzuschätzen als Deutschland. Und, mit Verlaub, wer hört noch auf Uwe Krupp, bei dem der Glanz vergangener Tage abgebröckelt scheint. Und dieser Prozess begann vor zwei Jahren in Halifax. Gelingt aber den Deutschen der Ligaerhalt, dann ziehen wir den Hut. Doch das wird ein sehr schweres Unterfangen.

Dänemark

Eine weiter aufstrebende Nation. Dänemark kann sich in dieser Gruppe auf Kosen der Deutschen in der A-Gruppe halten. Sie müssen nur gegen Deutschland das wichtige Spiel gewinnen. Alles was danach kommt, ist eine Zugabe. Dänemark kann aus dem wenig guten Spielmaterial vieles heraus holen. Und ist, anders als Deutschland, nicht zum Siegen verdammt. Ein Pluspunkt in dieser Gruppe. Zudem will man in den kommenden Jahren in der obersten Liga spielen. Und schon allein dies ist Ansporn genug. Der Kader selber ist breit und gut ausbalanciert. Ein Platz unter den ersten zwölf fast sicher.