Foto: Sandro Stutz (auf Bild klicken für MMS)


Foto: Sandro Stutz (auf Bild klicken für MMS)



13 Jahre NLA – erster Titel

Von Urs Berger

Marc Reichert ist auf dem Eis einer, der auch einmal die Fäuste fliegen lässt. Oder zu einem kernigen Check ansetzt. Mit hockeyfans.ch sprach er über die Bedeutung seines ersten Meistertitels und seine Saison bei Bern.

Marc Reichert, es sind nun einige Tage vorbei. Die Feierlichkeiten sind durch. Hast du sich ausruhen können und bist du wieder fit?

Das Ausruhen beginnt erst jetzt. Die ersten Tage waren mit verschiedenen Aktivitäten ausgebucht. Zuerst feierten wir den Titel mit den Fans zusammen. Dann untereinander und am Ende haben wie noch mit den Sponsoren das eine oder andere gemacht. Es war eine lustige, intensive und schöne Zeit die wir zusammen hatten.

Wie war es für dich als Spieler, als du wusstest, dass nun der Titel Tatsache wird?

Für mich war es nach 13 Jahren NLA der erste Titel. Lange hat man versucht den Gedanken, dass man Meister werden kann, auszublenden. Doch man wusste dann, als es in das siebte Spiel ging, das ein Team Meister werden wird. So konnte man dies nicht ganz ausblenden. Dies gelang nicht immer. Als es aber dann so weit war, brachen alle Dämme.

Wie erlebtest du die letzten Minuten auf der Bank?

Als das 4:1 fiel, wussten wir langsam, dass es reichen könnte. Wir haben dann weiter versucht, den Ball flach zu halte und uns auf unser Arbeit zu konzentrieren. Doch als die letzten Minuten angebrochen waren, begannen wir uns auf der Bank abzuklatschen und wussten, dass wir es geschafft haben. Als die Sirene ertönte, stürmten wir dann alle auf das Eis. Danach begann man im Freudentaumel irgendwie zu schweben. Vieles wurde wahrgenommen, vieles kam einem wie in einer Wolke vor. So hat man das eine oder andere auch über sich ergehen lassen. Das war sicher ganz speziell. Man realisiert es noch gar nicht, was da geschehen ist.

Realisierst du es erst jetzt, dass du etwas erreicht hast, das viele in ihrer Karriere nicht erreichen werden?

Richtig zu realisieren begann ich es erst so gegen Mittwoch oder Donnerstag nach dem letzten Spiel. Vorher war einfach nur das Feiern angesagt. Man kam irgendwie gar nie richtig zur Ruhe, um diesen Titel zu verarbeiten oder für sich zu geniessen. Am Donnerstag, als ich das erste Mal ein, zwei Stunden abschalten konnte, und die verschiedenen Fotos und auch die Videos auf der Webseite anschauen konnte, da machte es klick bei mir. Da wurde es mir so richtig Bewusst, was wir mit der ganzen Mannschaft in dieser Saison alles erreicht haben.

Du sprachst vorher das Spiel sieben an. Du wusstest, dass eine der beiden Mannschaften als Schweizer Meister vom Eis gehen würde. Konntest du überhaupt schlafen von Freitag auf Samstag? Oder warst du zu nervöse dazu?

Schlafen war bei mir eigentlich nie ein Problem. Auch die Anspannung vor dem siebten Spiel war weniger extrem als vor dem fünften Spiel, als wir bereits den ersten Matchpuck hatten.

Was war der Unterschied für Sie von Spiel fünf zu Spiel sieben?

In Spiel fünf war alles neu für uns und man wusste nicht was geschehen würde. In Spiel sieben wussten wir, was kommen wird und wir konnten uns deshalb auch besser auf dieses Spiel vorbereiten. In Spiel fünf kochte die Halle. Alles war vorbereitet für einen Sieg von uns. Und wir haben dann nicht reüssieren können. Im Rückblick war dies für uns dann in Spiel sieben ein Vorteil. Wir wussten, wie es in dieser Halle hier abgehen kann und was wir besser machen müssen. Genf-Servette seinerseits musst in den Spielen fünf und sechs um das „Überleben“ in der Saison kämpfen und kam dann zurück. Dann in Spiel sieben wussten sie auf einmal auch: „Mit einem Sieg können wir Meister werden.“ Wir hatten dies in Spiel fünf schon erlebt. Und konnten davon profitieren.

In diesen Playoffs hat man viel über die Mentaltrainer gesprochen. War dies etwas Entscheidendes für dich?

Es ist für mich nichts Spezielles. Ich arbeite schon lange mit Wetzel zusammen. Es wurde aber auch etwas sehr viel geschrieben in den Medien. Von wegen der SC Bern hat ein Viertelfinaltrauma und muss dies mit den beiden Sportpsychologen verarbeiten. Ich persönlich arbeite nun seit vier Jahren mit Jörg Wetzel zusammen. Aber auch andere Spieler arbeiten mit ihm. Für uns war es sicher nicht etwas Neues.

Als Aussenstehender hatte man in diesem Jahr das Gefühl, als würde auf der Bank zwischen den Spielern und dem Trainer, aber auch unter den Spielern, mehr kommuniziert. Stimmt dieser Eindruck?

Ich denke, dass dieser Eindruck täuscht. Es kommt auch auf den Spielertyp an. Auch letztes Jahr haben wir kommuniziert und sprachen uns ab. So gesehen sehe ich keinen grossen Unterschied zu den letzten Jahren.

Kann man die Meistermannschaft von diesem Jahr mit dem Team von letztem Jahr vergleichen?

Das kann man fast nicht. Es gibt immer wieder Wechsel im Team. Die einen kommen die anderen gehen. In dieser Saison kamen Caryl Neuenschwander, Olivier Gigon und Dominic Meier um nur einige zu nennen. Während der Saison kamen mit Brett McLean, Lee Goren, Roland Gerber oder dem jungen Spieler Tristan Scherwey neue Gesichter in das Team. Andere wurden ersetzt. So zum Beispiel Lubos Bartecko oder sie spielten teilweise bei einem anderen Team und kamen dann wieder zurück wie zum Beispiel Alex Chatelain oder Daniel Meier. So ändert sich das Kader denn auch ständig.

Die neue Saison beginnt mit dem Sommertraining wieder. Was machen du und deine Kollegen, nun um euch auf die nächste Saison vorzubereiten?

Ein grosser Teil ist das Krafttraining. Darin sind verschiedene Elemente enthalten, welche für die Spritzigkeit geeignet sind. Wir machen dies mit verschiedenen Sprungübungen, Finnenbahn, 400-Meter-Läufen und noch andere Übungen. Aber auch das Polysportive und der Teamgedanke werden dabei sicher nicht zu kurz kommen. Anfangs August haben wir dann wieder die Tests um zu sehen wo jeder steht. Danach geht es wieder auf das Eis. Dieses Jahr ist das Sommertraining relative kurz...

...was einem Eishockeyspieler sicher lieber ist?

Dem ist so. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir wieder auf das Eis können. Aber das Sommertraining gehört für eine gute Saison auch dazu.