Die neue Minsk-Arena, welche für die WM 2014 gebaut wurde. Foto: Beat Jau (auf Bild klicken für MMS)


IIHF-Mitarbeiter Rob van Rijswijk vor der Eishalle in Bobrujsk. Foto: Beat Jau (auf Bild klicken für MMS)



Weltmeisterschaft mit Hintergedanken?

Von Reto Wiedmer

Das Jahr 2014 wird ein osteuropäisches Eishockeyjahr. Zuerst findet in Russland das Olympische Eishockeyturnier statt, und rund zwei Monate später schaut die Welt schon wieder in den Osten, wenn die Eishockey-Weltmeisterschaft in Weissrussland ausgetragen wird.

See you in Minsk 2014

Das Land Weissrussland, wurde in den letzten zwei Wochen durch den Eishockeysport regiert. Wo man seit dem 14. Juli bis zum letzten Freitag auch hin sah, stachen einem grosse Plakate und Werbungen ins Auge welche mit Eishockey verbunden waren. Ein Werbeslogan war aber mit Abstand am meisten publiziert, es war der Schriftzug: „See you in Minsk 2014.“

In der Bobrujsk-Arena, wo die U18-Nationalmannschaft ihre Gruppenphase absolvierte, war an jeder Ecke und an den Banden des Spielfeldes dieser Werbespruch zu lesen. Man konnte in den letzten beiden Wochen fast das Gefühl erhalten, dass alles rund um die U18-WM nur für die WM der Grossen in vier Jahren gemacht wurde.

Details ja, Hauptprobe nein

Auch dem gebürtigen Niederländer, Rob van Rijswijk, der in Bobrujsk den Internationalen Eishockeyverband (IIHF) vertrat, ist das riesige Eishockeyinteresse in Weissrussland aufgefallen. Die U18-WM sah er aber nicht als Hauptprobe für die A-WM. „Klar konnten während der U18-WM viele Erfahrungen gemacht werden, welche für 2014 hilfreich sein könnten, aber eine Hauptprobe konnte dieses Turnier noch nicht sein“, sagte van Rijswijk. „Man weiss zum Beispiel noch nicht, ob in Minsk, wo voraussichtlich alle Spiele durchgeführt werden, ein zusätzliches Stadion gebaut wird oder ein älteres komplett renoviert wird. Aber klar ist, wir haben den Organisatoren gesagt, dass in den Büros und auf wichtigen Positionen erste Leute, die in vier Jahr auch dabei sind, rekrutiert und hervorragend eingearbeitet werden sollen.“

Mit Bobrujsk zufrieden

In der Provinzstadt Bobrujsk wäre eine Austragung der A-WM im momentanen Zustand unmöglich. Mindestens fünf weitere Hotels müssten gebaut werden und auch die sonstige Infrastruktur der Stadt müsste auf einen Standard des Jahres 2010 gebracht werden, was aber auch mit sehr hohen Kosten verbunden wäre. Nichts desto trotz ist Van Rijswijk mit dem U18-Spielort Bobrujsk zufrieden. „Am wichtigsten ist, dass die Spieler sich hier wohl fühlten, und das taten sie auch. Ich weiss von allen Mannschaften der Gruppe B, welche in Bobrujsk spielten, dass sie mit den Hotels, dem Essen und der Betreuung sehr zufrieden waren. Aber es gibt auch andere positive Punkte. Die Eisqualität im Stadion und die medizinische Abteilung, sowie die Betreuung der Gäste und der Medienschaffende waren auf einem sehr hohen Level. Alle wussten genau, was ihre Aufgabe ist und das wirktt professionell“, sagte der IIHF-Mitarbeiter.

Sprache als Hauptproblem

Ein grosses Turnier bedingt auch die Mithilfe vieler freiwilligen Helfer und Partner. Die Grundbildung in Weissrussland entspricht bei weitem nicht dem Standard in der Schweiz, so war es ein Glücksfall, wenn man auf eine Person traf, die auch nur ein wenig die englische Sprache beherrscht. Doch auch diese Tatsache verunsichert Rob van Rijswijk keineswegs: „Ich bin überzeugt, dass in vier Jahren genügend Leute perfekt Englisch sprechen werden. Das Land und das Organisationskomitee sind sich bewusst, dass für die verschiedenen Aufgaben, welche auf die Leute hier zukommen werden, die Weltsprache zu beherrschen ein Muss ist. Alle wollen dieses Weltmeisterschaftsturnier und sind auch bereit dafür zu lernen.“ Man kann in Weissrussland wirklich viele gute Ansätze erkennen. Schon die U18-Nationalmannschaften wurden von weissrussischen Studenten begleitet, die für eine perfekte Kommunikation zwischen den Teams und dem weissrussischen Verband sorgten.

Olympiajahr als Chance für kleinere Länder

In vielen Schweizer Hallen und Stammtischen wird das Thema Weltmeisterschaft im Olympiajahr oft diskutiert. Die meisten Nationen nominieren für die Weltmeisterschaft, welche nach den Olympischen Spielen stattfindet, eher neue Gesichter als altbekannte Stars. Sprich: Die WM nach den Olympischen Winterspiele findet bei vielen Spielern wenig Anklang. Daher stellt sich die Frage, wie viel Sinn eine Weltmeisterschaft im Olympiajahr macht. Diese Frage hat man sich auch schon bei der IIHF gestellt: „Wir diskutierten auch über dieses Thema und haben uns entschlossen, auch in Zukunft eine WM im Olympiajahr durchzuführen. Die Sponsoren sagten, dass sie die WM jedes Jahr wollen daher dieser Entscheid.“

Er sieht nicht nur die Sicht der Sponsoren, sondern auch etwas was vielen „kleineren“ Länder etwas bringen kann: „Im Jahr in dem die Winterspiele sind, reissen sich die grossen Eishockeynationen nicht um die Weltmeisterschaft, genau das ist die Chance für kleinere Eishockeynationen wie Weissrussland. Für diese Länder und ihre Bewohner macht das keinen Unterschied, ob in diesem Jahr schon Olympische Spiele stattgefunden haben, die Begeisterung ist daher in diesen Ländern riesig“, weiss Rob van Rijswijk.

Schon vor vier Jahren gab es mit Lettland schliesslich einen Neuling als Gastgeber, der eine WM mit viel Begeisterung über die Bühne brachte.