Der SC Bern war im Spiel 5 zerfahren. Kann er im Spiel 6 in Genf Meister werden? Foto: Beat Jau (auf Bild klicken für MMS)

Berner Bär gereizt

Von Urs Berger

Der SC Bern verlor am Dienstag das Heimspiel gegen Genf nicht nur wegen den Nerven. Sondern wegen einem Foul, das dümmer nicht hätte sein können. Der „Sündenbock“: Travis Roche. Dennoch hat Bern die nächste Chance den Titel zu gewinnen. Doch reicht es?

Der SC Bern erlitt am Dienstag eine bittere Schlappe gegen den Adler aus Genf. Eine Analyse zeigt, dass die Niederlage nicht zwingend war. Und vor allem auf zwei Szenen gegen Ende des letzten Drittels und in der Verlängerung zu suchen sind.

Die Erste Szene ist das Foul von Tony Salmelainen, als dieser unnötig Etienne Froidevaux mit einem üblen Check gegen den Kopf in die Bande befördert. Danach hätte der SC Bern eigentlich alles klar machen sollen und müssen. Doch keiner der Leistungsträger der Berner vermochte in dem fünfminütigen Powerplay auch nur einen Akzent zu setzen. Wo blieben in diesen wohl wichtigsten fünf Minuten des Spieles die bisher gelobten Führungsspieler? Wo die Einheit?

Keiner der zahlreichen Vorstösse führte zu einem Erfolg. Zu verspielt war man, zu egoistisch oder zu nervös agierten vereinzelte Spieler. Dies war nicht nur während dieser Strafe offensichtlich, sondern auch während dem gesamten Spiel zog sich diese Nervosität wie ein roter Faden durch das Spiel der Gastgeber. Anders kann man sich den Aussetzer von Travis Roche in der Verlängerung nicht erklären. Nach einem schnellen Vorstoss der Genfer hielt er seinen Gegenspieler zurück. Logische Folge war eine Strafe gegen den Bernern Verteidigungsminister. Zuerst schienen die Berner aber davon profitieren zu können. Ivo Rüthemann konnte einen schnellen Vorstoss nicht ausnützen und die Genfer konnten die Scheibe in der eigenen Zone übernehmen und nach vorne preschen. Rüthemann verlor dadurch seine Position und lief dem Spiel hinterher. Er versuchte das Tempo zu erhöhen, konnte aber das Zuspiel von Chris Rivera auf Goran Bezina nicht unterbinden. Bezina konnte Bührer mit einem schönen Schuss unter des rechte Lattenkreuz zum 3:2-Sieg über Bern bezwingen. Der Fehler indes ist nicht alleine Rüthemann zuzuschreiben. Gleich zwei Verteidiger beschäftigten sich mit Rivera und gaben dadurch erst den Raum für den Querpass auf Bezina preis. Diese beiden Fehler kosteten dadurch den Bernern den ersten Titelgewinn in eigener Stätte seit Einführung der Playoffs. Aber kann sich der SC Bern in Genf den Meistertitel nun sichern? Die Zeichen dazu stehen recht gut, schaut man auf die Probleme bei den Adlern.

Wiederholt sich die Geschichte im Finale?

Bei den Spielern unter Chris McSorley macht sich nun der enorme Kraftverschleiss in den Playoffs langsam bemerkbar. Denn die Genfer mussten bisher über 18 Spiele in der Saisonentscheidung bestreiten. Die Berner deren fünf weniger. Der Kräfteverschleiss wird mit jedem Spiel grösser und die Belastung nimmt zu. Bereits in der Saison 2007/08 war dies einer der Faktoren für das Scheitern an den ZSC Lions. Die Genfer führten in der Serie 2:0 und verloren danach vier Spiele in Folge gegen die Löwen. Noch heute ist man sich nicht sicher, ob dies nur eine Folge des Kräfteverschleisses ist. Denn die Zürcher hatten zu diesem Zeitpunkt in den Playoffs ein Spiel mehr in den Beinen. Oder war es der Druck des Gewinnenmüssens, den die Adler in dieser Serie lähmten? Ähnliches könnte ihnen durchaus auch am heutigen Donnerstagabend wiederfahren. Denn Servette muss gewinnen um das Saisonende um das letzte Finale Spiel zu verlängern. Einfach wird es aber nicht werden.

Nur mit drei Ausländern

Entscheidend wird auch sein, mit wie vielen Ausländern Genf-Servette agieren kann. Nach dem unfairen Check gegen den Kopf von Etienne Froidevaux ist Tony Salmelainen für das kommende Spiel automatisch gesperrt. Dazu kommt, dass Jeff Toms weiterhin fraglich ist. Damit verbleiben Chris McSorley nur die zwei Ausländer Marek Malik und Juraj Kolnik. Als Ersatz soll mit einer B-Lizenz noch ein Trumpf kommen: Der in Lausanne überzählige Frank Banham.

Ebenfalls in die Lücke springen sollen die beiden Schweizer Goran Bezina und Thomas Déruns. Dass sie dies können, haben sie in Spiel fünf in Bern eindrücklich beweisen. Beide erzielten je ein Tor und spielten sehr dominant auf. Dies Frage ist jedoch auch bei ihnen: Reichen die Kräfte aus, um gegen den angeschossenen Bären zu reüssieren und ein siebtes Spiel zu erzwingen? Denn dass sich der SC Bern noch einmal so nervös und zerfahren präsentieren wird wie am Dienstag, davon ist kaum auszugehen. Und wenn ja, dann würde eine Finalissima in Bern die Entscheidung bringen. Und dass dies ein Spiel mit offenem Ausgang sein wird, ist nicht von der Hand zu weisen.