| Final Countdown in Lausanne |
Fällt morgen Donnerstagabend in der „Patinoire de Malley“ bereits die Entscheidung über den Abstieg der Bieler aus der National League A? Wer die drei letzten Partien gesehen und vor allem aus der Sicht eines Fans betrachtet hat, muss unweigerlich zur Erkenntnis gekommen sein, dass nach nur zwei Jahren Zugehörigkeit in der höchsten Liga des Schweizer Eishockeys, die Relegation in die NLB die letzte Konsequenz ist resp. sein muss. Im Gegensatz dazu hat B-Meister Lausanne den Matchpuck zum Aufstieg vor ausverkauftem Haus auf den eigenen Stöcken!
Der Start in die Liga-Qualifikation gestaltete die Mannschaft von Temporärtrainer und Hoffnungsträger Kevin Schläpfer optimal. Der Baselbieter verstand es, die Tränen aus der Play-Out-Finalserie gegen die SCL Tigers zu trocknen. Mit gutem, diszipliniertem Eishockey zeigten die oberklassigen Seeländern auf, dass sie zu Recht in die National League A gehören. Vor allem der zweite, indiskutable Sieg in Lausanne gab berechtigte Hoffnungen, dass die „best-of-seven“ Serie ein schnelles Ende finden würde. Doch die Bieler machten die Rechnung ohne den Wirt. Mit der Niederlage am letzten Donnerstag im eigenen Stadion begann der schleichende Niedergang. Die Demütigung folgte nur zwei Tage später in der Waadtländer Metropole. Ungemach kam durch das Fehlen von Bordeleau, Steinegger und Nüssli auf. In der komplett ausverkauften Lausanner Arena kassierten die Seeländer eine zu Null Niederlage ein. Das Schläpfer-Team stand nach der krassen Ohrfeige wie begossene Pudel auf des Gegners Eis. Man hoffte, dass die zweite Niederlage in Serie und die Rückkehr von Top Scorer Bordeleau und Verteidiger Steinegger gestern Dienstag die nötige Stabilität in der Defensive sorgen und in der Offensive für die nötigen Akzente setzen werden. Schon nach nicht einmal zwei Minuten brachen alle Vorsätze mit dem frühen Rückstand wie ein Kartenhaus zusammen. Die Seeländer reagierten und Lausanne agierte und fuhr den dritten Sieg, welcher völlig verdient war, ein. Wo sind die Gründe für das dreifache Scheitern zu suchen?
Erstens: Wenn die Bieler einmal in Rückstand geraten, sind diese nicht mehr in der Lage, wieder ins Spiel zurück zu finden, ergo: reine Kopfsache! Zweitens: Motivator Schläpfer hat es nur in den beiden ersten Partien verstanden, seine Jungs nach vorne zu treiben, d.h. seit dieser Zeit hat dieser den Draht zu seinem Team nicht mehr richtig gefunden. Drittens: Auch die etatmässigen Routiniers blieben seit dem letzten Donnerstag weit hinter ihren Möglichkeiten zurück und vermochten die von ihnen verlangten, nötigen Impulse nicht mehr zu setzen resp. die jungen Spieler nicht mehr mitzureissen. Viertens: Es war deshalb nicht verwunderlich, dass viele mit erfolglosen Einzelaktionen zu glänzen versuchten. Fünftens: Wie schon in der Meisterschaft trat die altbekannte Schwäche der Bieler auf: Chancenauswertung! Bestes Beispiel dazu: gestern Abend feuerten die Seeländer nicht weniger als 46 (!) Schüsse aufs Tor von Lausanne Goalie Mona ab und lediglich einer davon fand den Weg ins Netz, demgegenüber benötigten die Waadtländer nur 19 Schüsse um die 4 Tore (das letzte ins leere Tor) zu erzielen. Fazit daraus: Nur wenn es den Bernern gelingt, wieder zu ihren alten Tugenden – Scheibe und Gegner laufen zu lassen, einfaches, gradliniges Eishockey zu spielen, den Gegner mit physischer, fairer Härte zu beschäftigen und die Chancenauswertung zu optimieren, keine unnötigen Strafen zu kassieren – zu zeigen, kann sich das Schläpfer-Team in das 7. Spiel am kommenden Samstag im eigenen Stadion hinüber retten!
Lausanne tritt als A-Team auf
Lediglich zwei Spiele benötigte die Mannschaft von Coach John van Boxmeer, um die Fehler in der Mannschaft der Bieler herauszufinden und diese für sie Gewinnbringend umzusetzen. Den Schalter legten die Waadtländer nach der klaren Heimpleite in Spiel zwei der Serie um. Jeremy Kamerzin, Alain Miéville, Alexandre Tremblay und Ralph Stalder, alles ehemalige Bieler, konnten ihr Wissen bei den Stärken und Schwächen der Seeländer ihrem Trainer weitergeben. Nicht nur die vier vorerwähnten Cracks, sondern der übrige Rest der Mannschaft nahm die jeweilige zugedachte Aufgabe wahr und setzte diese um. Vor allem der stark in die Kritik geratene Torhüter Gianluca Mona wuchs über sich hinaus und mutierte zur Festung in der Lausanner Abwehr. Den Grundstein legten die Romands bei ihren drei Siegen jeweils im ersten Drittel. Beinahe gnadenlos nutzten diese die kleinsten Möglichkeiten, d.h. Strafen und Fehlpässe, zu Toren aus. Das beste Beispiel dazu aus dem gestrigen Spiel fünf: Nach nur 8 (!) Sekunden schwächte Biel-Verteidiger Trunz das Team, knapp eine Minute später verwertete Randegger ein Zuspiel von Roy eiskalt. Die aufkeimenden Hoffnungen beim einzigen Gegentreffer zerstörte Roy kurz vor Drittelsende. Danach verwalteten die Lausanner den Vorsprung sicher, konnten sich immer auf Goalie Mona verlassen und siegten letztlich hochverdient.
Sensationelle Lausanner Fans
Die Ende Saison 2004/05 aus der Nationalliga A abgestiegenen Lausanner durften sich stets auf ihre Fans verlassen. Wer es noch nicht weiss, verfügen die Waadtländer hinter dem SC Bern und den ZSC Lions über den drittgrössten Eishockeytempel der Schweiz! Mit 9'000 Fans war die Arena zu Malley am letzten Samstag restlos ausverkauft! Hier liegt ein Grund für die erfolgreiche Rückkehr in die Serie. Die Fans, obschon einige am letzten Donnerstag bereits früh die Halle verliessen, feuerten ihre Lieblinge frenetisch an. Dies wird auch morgen der Fall sein. Mit dem Wissen, den Sack zu machen zu können, wird Trainer van Boxmeer die gleiche Taktik wie gestern verfolgen. Erstens: Never change a winning team! Zweitens: Den Respekt den Bielern gegenüber zwar zollen, aber offensives, erfolgreiches Eishockey spielen. Drittens: Jeder einzelne Spieler schlüpft wieder in die ihm zugedachte Rolle. Viertens: Goalie Mona muss die gleiche Leistung wie in den vorangegangenen drei Partien abrufen. Fünftens: Früh in Führung gehen, d.h. mit dosiertem Risiko sofort offensives Eishockey spielen. Fazit daraus: Die Vorteile, dass Lausanne nach 5 Jahren wieder in die A-Klasse zurückkehren kann, liegen auf der Hand. Obschon Manager Gérard Scheidegger jetwelche Vorbereitungen für eine Aufstiegsfeier dementiert, ist jedem einzelnen Spieler und Fan klar, was ab ca. 21:45 Uhr passieren könnte: die Malley mutiert zusammen mit der Stadt, eine Freinacht wurde bereits bewilligt, zu einer riesengrossen Festhütte!