Seinen letzten Meistertitel feierte der SC Bern 2004 auswärts in Lugano. Foto: Melanie Beyli (auf Bild klicken für MMS)

Bern vor Meistertitel?

Von Urs Berger

Wird der SC Bern am Dienstag das erste Mal seit 1978 wieder zu Hause Meister oder muss der SC Bern die Feier vertagen? Oder kann Genf die Serie noch wenden und Meister werden?

Die Statistik spricht eine klare Sprache. Der SC Bern kann morgen Dienstag den Meistertitel feiern. Aus bisher 28 Begegnungen zwischen Larry Huras und Chris McSorley ging Huras mit 19 Siegen von dannen. Ein Unentschieden und acht Niederlagen stehen dem gegenüber. Blickt man aber nur auf die Statistik der laufenden Saison sieht diese schon etwas anders aus. Aus den bisherigen zehn Begegnungen resultierten zu Hause drei Niederlagen und auswärts deren zwei. Damit ist man mit den Auftritten in der Vernets-Halle mit drei Siegen aus fünf Begegnungen besser gestellt als zu Hause. Zieht man jedoch die diesjährigen Play-off-Heimspiele des SC Bern zu rate, dann wurde der SC Bern in diesen Play-off noch nie zu Hause bezwungen. Ein gutes Omen könnte man meinen. Doch halten auch die Nerven der Spieler?

„Die Spieler sollen die Medien ignorieren“

Sven Leuenberger, der 1991 und 1992 mit dem SC Bern zu Hause hätte Meister werden können, erklärte denn auch gegenüber der Zeitung „Der Bund“, dass dies nicht einfach ist. „Damals war Glas in der Allmend erlaubt. Überall sah man beim Einspielen die eine oder andere Champagnerfalsche unter den Sitzen der Zuschauer aufblitzen. Dies konnten wir nicht aus dem Kopf verdrängen und konnten das Spiel jeweils nicht für uns entscheiden. Zu sehr wussten wird, dass wir gewinnen mussten“, führt der heutige Sportchef aus. Selbiges soll den aktuellen Spielern nicht geschehen. „Ich empfehle den Spielern, sich nicht mit den Medien zu beschäftigen, das Radio und den Fernseher auszuschalten und gar keine Zeitungen zu lesen“, führt Leuenberger weiter aus. Ob dies den Bernern hilft, den in den letzten Jahren so sehr gewünschten und geforderten Titel in die Hauptstadt zu holen?

Welches Gesicht zeigt die Genfer Mannschaft?

Eine weitere Unbekannte dürfte der Genfer Bandengeneral Chris McSorley sein. Der kleine Kanadier mit dem Feuer in den Augen und dem unbändigen Willen zum Siegen wird vermutlich alles daran setzen, den Bernern die Meisterfeier im eigenen Stadion zu vermiesen und so ein weiteres Spiel in die Vernets-Halle zu holen. Und so den Druck auf die Berner zu erhöhen. Denn nun muss Bern gewinnen um sich den Titel zu sichern. Und McSorley kann alles auf eine Karte setzen. Wird er das defensive Spiel verordnen und auf Fehler der Berner warten? Wird er das offensive Spiel suchen und die Berner zu Fehlern zwingen oder wird er die kanadische Variante des Eishockeys auspacken und die physische Komponente anwenden? Damit der SC Bern nicht sein schnelles Pass- und Laufspiel aufziehen kann? Oder wird er auf Einschüchterung umstellen und so wieder eine Strafenflut heraufbeschwören? All diese Varianten gehören zum Repertoire der Genfer Mannschaft. Welche wird McSorley anwenden?

Huras mit Vorteil

Auf der anderen Seite steht Larry Huras an der Bande. Der Berner Hedacoach weiss, wie man Meisterschaften gewinnt. Mit Lugano und den ZSC Lions war er jeweils im Finale erfolgreich. Mit dem HC Ambrì-Piotta scheiterte er in der Saison 1998/99 knapp an Jim Koleffs Lugano. Im damaligen Tessiner Derby wurde er von Koleff in allen Belangen ausgecoacht und zog dabei seine Lehren. Dazu kommt, dass Huras auch die Erfahrung aus dem internationalen Eishockey aufweisen konnte. Mit den Leventinern gewann Huras den Continentalcup 1998/1999 und 1999/2000 und wurde zudem Sieger des Europäischen Supercups 1999. Dies alles soll nun den Bernern helfen, das erste Mal seit 1978 wieder im eigenen Stadion Meister zu werden. Einfach wird es aber nicht werden. Denn wenn die Nerven nicht mitspielen, dann nützen allen Vorbereitungen nichts. Und es wird zu einem sechsten Spiel kommen. Und dann werden die Karten neu gemischt.