Chris McSorley in seinem Element hinter der Bande. Foto: Thomas Oswald (auf Bild klicken für MMS)



Der tobende Gentleman

Von Martin Merk

Genf-Servette mag in der Schweiz ausserhalb der Romandie nicht derjenige Club sein, den die Fans in der grössten Tiefe kennen, doch ans Gesicht des Trainers, Sportdirektors und Mitbesitzers Chris McSorley kommt in der Schweiz niemand herum. Hinter dem Eis der gut gekleidete Gentleman und Familienvater, kennt man ihn während den Spielen als gewieften Taktiker und lautstarken Tober. hockeyfans.ch sprach nach dem ersten Spiel mit dem Mann, der Servette an die Spitze geführt hat.

Sie stehen zum zweiten Mal im Finale, wie fühlen Sie sich abgesehen von der Startniederlage?

Es ist grossartig, hier zu sein. Wir haben es verdient, wir waren das zweitbeste Team der Liga, deswegen sind wir hier. Wir glauben, dass unsere Mannschaft stark genug ist, die Meisterschaft zu gewinnen. Es ist ein seltener Moment, wenn man dem Titel so nahe steht und ich möchte, dass meine Spieler das Momentum nutzen.

Als Sie nach Genf kamen, waren Sie Trainer der London Knights und der britischen Nationalmannschaft. Das muss ja schon eine gewaltige Umstellung sein zur Position als Trainer und Sportdirektor eines NLA-Teams.

Im Prinzip war ich ja nur Nationaltrainer, weil sie kein Geld hatten und ich gratis für sie arbeitete. Ich wollte helfen, und danach kam ich nach Genf, weil ich Genf-Servette helfen wollte, sich zu entwickeln, das war eine riesige Verantwortung. Ich bin glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben und hoffe, mit einer guten Situation weitermachen zu können.

Es war auch ein langer Weg vom NLB-Spitzenteam bis zum Finalisten in der NLA.

Es war vor allem ein langer Prozess um die Leaderqualitäten der Mannschaft zu entwickeln mit einem guten harten Kern an Spielern. Dies macht auch die eigene Arbeit leichter. Man muss da raus gehen und kämpfen und ich bin sehr glücklich, wie sich diese Organisation entwickelt hat.

Dabei sind Sie auch Mitbesitzer geworden.

Ich bin bloss Teil eines Teams und wir versuchen einen der meistrespektierten Clubs der Schweiz aufzubauen. Mit zwei Finalteilnahmen gehen wir offenbar in die richtige Richtung. Nun müssen wir die Stadt und den Kanton dazu bringen, uns bei der Realisierung einer neuen Halle zu helfen. Mit einer neuen und grösseren Anlagen können wir einen Schritt weiter in Richtung eines SC Bern gehen.

Neben dem Eis wirken Sie wie ein Gentleman und Familienvater, während den Spielen eher weniger. Sind Sie eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde?

In meinem Job muss man das sein. Sobald der Schlüssel in Türe des Arbeitsplatzes geht, muss man seinen Job machen und wenn man ihn gut machen will, braucht man ein gewisses „game face“. Ich bin während 60 Minuten wirklich sehr fordernd, aber sobald das Spiel fertig ist, ist es fertig. Ich lass die Spieler gehen und ihr Privatleben leben, ich verfolge nicht, was sie tun und bin dann für sie unsichtbar. Wenn sie aber zur Eishalle kommen, sind sie unter meinem Kommando, und wenn sie wieder gehen, stehen sie in ihrer eigenen Verantwortung.

Seit Sie in Genf sind, spricht man in der Romandie vom „système McSorley“. Wie beschreiben Sie ihr System?

Wir spielen den Puck in Gegenden des Eises, wo der Gegner nicht hin möchte. Wir spielen entlang der Banden, in die Ecken, hinter dem Tor. Die Gegner müssen hart arbeiten gegen uns. Bern spielt genau gleich und wenn man sich taktisch neutralisiert, gibt es ausgeglichene Spiele.

Was kann der Schlüssel in einer solchen Situation sein?

Unsere Spieler müssen schnell lernen mit der Situation umzugehen. Wir haben eine erfahrene Mannschaft mit vier Blöcken an Spielern, die in jeder Situation eingesetzt werden können. Wir müssen ihre Intelligenz ausspielen und das Glück auf unsere Seite zwingen.

Sie glauben an den Meistertitel. Was denken Sie, wie viele Spiele es benötigen wird?

Hoffentlich können wir in fünf Spielen gewinnen. (lacht)