Liga-Qualifikation: Vorteil Lausanne

Von Roland Jungi

Wer aus den letzten 17 Partien nicht weniger als 12 Mal als Sieger das Eis verlassen hat und hochverdienter Meister der National League B wurde, darf sich berechtigte Hoffnungen machen, im zweiten Anlauf den Aufstieg in die National League A zu machen. Die Rede ist von Lausanne HC. Im Gegensatz dazu durchlebte der EHC Biel in den letzten Wochen einen richtigen Talboden an Gefühlen. Die Seeländer verbuchten in den Play-Out-Spielen lediglich 3 (!) Siege aus 11 Partien, was einem Supergau gleichkommt und die Entlassung von Coach Kent Ruhnke zur Folge hatte.

Werden die Fans beider Lager ab übermorgen Samstag wiederum die gleichen Hochs und Tiefs durchleben, wie sie dies vor einem Jahr machen mussten? Bekanntlich setzten sich die Bieler in ihrer ersten Saison in der National League A erst im 7. Spiel der Liga-Qualifikation durch. In die „best-of-seven“-Serie stiegen die Seeländer mit 2 Niederlagen ein, bogen schon in die Zielgerade ein, ehe der Underdog ausgleichen konnte und die Bieler in einem wahren Kraftakt sich doch noch durchsetzten. Auch vor einem Jahr wurde Heinz Ehlers, heutiger Trainer des SC Langenthal, vorzeitig in die Wüste geschickt und Sportchef Kevin Schläpfer mutierte zum Retter in allerletzter Minute. Wird es dem sympathischen Basler auch dieses Mal gelingen, dem Team die nötigen Impulse zu geben? Daran müssen nach den kläglichen Vorstellungen gegen den HC Ambri-Piotta und zuletzt gegen die SCL Tigers starke Zweifel angebracht werden. Die Moral und das Selbstvertrauen liegen am Boden. Keiner der Leistungsträger vermochte zur Normalform aufzulaufen, geschweige die nötigen, richtungweisenden Akzente zu setzen. Dazu kommt noch, dass Schläpfer am Samstag nur noch zwei Ausländer einsetzen kann. Wer die Legionäre genau verfolgt hat, wird zur Kenntnis gekommen sein, dass die Bieler im offensiven Bereich für Furore sorgen werden, d.h. auf Kosten von Verteidiger Richard Jackman werden zwei Spieler vom Trio Sébastien Bordeleau, Rico Fata und Eric Himelfarb für die Musik sorgen müssen. Zudem muss Schläpfer genau ausloten, wer er ins Tor stellen wird. Reto Berra und Pascal Caminada haben gezeigt, dass sie zurzeit ein sehr labiles Nervenkostüm haben, d.h. dies durch einige haltbare Tore bewiesen haben. Mit Marc Eichmann hat der neue Bieler Coach einen heissen Kandidaten, den beiden anderen gehörig Dampf zu machen. Es wäre falsch, wenn die Bieler die Schuld an den vielen Misserfolgen bei den verletzten Akteuren suchen würden, da die anderen Teams zum jetzigen Zeitpunkt der Meisterschaft sich mit den gleichen Sorgen herumschlagen müssen. Nicht zu unterschätzen bei den Bielern ist die überaus magere Effizienz im Power-Play, an dieser gilt es hart zu arbeiten. Im Gegensatz dazu spielen die Seeländer ein gutes Boxplay. Nur wenn es Schläpfer gelingt, seine Mannschaft zu motivieren und ihr die lebenswichtigen Impulse einimpfen kann, werden die Bieler eine weitere Saison in der höchsten Liga spielen dürfen!

B-Meister Lausanne hat nichts zu verlieren

Der Schachzug von Manager Gérard Scheidegger zu Beginn der Play-Offs in der NLB, La Chaux-de-Fonds zu Gunsten von Ajoie aus dem Weg zu gehen, dürfte die Initialzündung gewesen zu sein. Das Team um Trainer John van Boxmeer, dem ehemaligen SC Bern-Coach, durchlief in einem kaum zu stoppenden Steigerungslauf den Halbfinal, in welchem die Waadtländer den EHC Olten aus dem Weg räumten. Das Meisterstück lieferten die Lausanner im Play-Off Final gegen Qualisieger Visp ab. Einen Grossteil an diesem Erfolg hatten die Oldies. Vorab lief Igor Fedulov zu einer beneidenswerten Hochform auf und zum anderen zeigte Zarley Zalapsky auf, das er endlich auf Schweizer Eis das zeigt, was er eigentlich kann. Jonathan Roy vermochte die Fans nur teilweise zu überzeugen, gleiches gilt für Frank Banham. Dafür schlüpfte Alain Miéville, der ehemalige Bieler, in die Rolle der Leaderfigur. Gianluca Mona, die absolute Lebensversicherung im Tor der Waadtländer, hatte einen massgeblichen Anteil am Titel, obschon dieser phasenweise in der Quali als auch im einen oder anderen Spiel der Play-Offs schwächelte. Um den 31-jährigen Keeper noch heisser zu machen, wurde ihm Benjamin Conz, von den SCL Tigers resp. Genève-Servette HC, als Backup-Goalie zur Seite gestellt. Das grösste Plus besitzen die Lausanner bei ihren Fans. Die mit 9506 Zuschauern drittgrösste Arena in Schweizer Eishockey, nur die PostFinance-Arena und das Zürcher Hallenstadion sind grösser, ist den Bielern aus der letzten Saison bestens in Erinnerung. Wer die Fans kennt, weiss genau, dass sie alles unternehmen werden, ihre Lieblinge nach vorn zu schreien. Es lohnt sich auch, wie schon bei Seeländern auf die Power- und Box-Plays zu schauen. Zwar sind die Lausanner nicht gerade die effektivsten, doch in der letzten Effizienz die bessere Mannschaft. Im Unterzahlspiel halten sich die beiden Teams die Waage.

Letztlich wird sich im Startspiel im Bieler „Eisstadion“ am Samstag, Beginn ist um 19:45 Uhr, zeigen, welche Trümpfe auf beiden Seiten besser stechen werden. Obschon die oberklassigen Seeländer zuhause starten dürfen, liegen die moralischen Vorteile auf der Seite der Gäste. Eine Prognose über die Dauer der Serie abzugeben, käme jedoch einem Himmelfahrtskommando gleich!