Andy Murray gewann 2007 mit Kanada den Weltmeistertitel. Foto: Thomas Oswald (auf Bild klicken für MMS)



Murray: „Keine Nebenberufe mehr“

Von Urs Berger

Die Nationalmannschaft startet in eine neue Ära. Mit an Bord der Schweizer Auswahl ist Andy Murray. Der Erfahrene NHL-Coach und ehemalige Trainer von Lugano, dem ZSC und den Kloten Flyers sprach mit hockeyfans.ch über sein Engagement und seine Arbeit in der Nationalmannschaft.

Es ist kalt an diesem Dienstagnachmittag im Kleinholz in Olten. Die Spieler von Sean Simpson schwitzen auf dem Eis, während eine Handvoll Journalisten auf das Ende des Trainings warten. Auf der Tribüne verfolgt derweil Andy Murray das Geschehen auf dem Eis. Er schaut dem Treiben zu und macht sich hie und da eine Notiz. Der ehemalige Trainer der St. Louis Blues hilft Sean Simpson in der nicht gerade einfachen Situation als neuer Headcoach der Schweizer Nationalmannschaft. Doch auf das Eis darf der 59-jähirge Kanadier wegen vertraglichen Verpflichtungen mit den Blues nicht. So gibt er seine Informationen und sein Feedback nach den Trainings an Sean Simpson weiter oder macht eigene Vorschläge.

Andy Murray, was ist ihre Aufgabe als Berater der Schweizer Nationalmannschaft? Was kann man darunter verstehen?

Als ein Berater bin ich hier, um dem Team zu helfen. Dazu kommt meine Unterstützung für den neuen Headcoach Sean Simpson. Ich wurde über die Jahre zu einer Art Mentor von Sean und seiner Trainerlaufbahn. Den neuen Trainer kenne ich schon lange, hat er doch in Zürich für mich gespielt als ich dort Coach war. Nun bin ich hier, um seine Ideen zu unterstützen vielleicht auch eigene neue Ideen einzubringen und das eine oder andere zu korrigieren und auch mal zu kritisieren. Dazu kann ich das Team und die Spieler beim Training beobachten. Danach kann ich meinen Input an Sean weitergeben und so der Schweizernationalmannschaft helfen. Je länger die Vorbereitungen gehen, umso besser lerne ich die Spieler kennen. Dann kann ich auch ihnen Feedback geben.

Also ist die Arbeit mehr auf das analysieren der Spieler und des Teams ausgelegt?

Ja, das kann man durchaus so sehen. Ich helfe Sean mit Entscheidungen bei der Auswahl der Spieler, helfe ihm bei taktischen Fragen und gebe ihm auch meine Ansichten. Ich denke, ich bin für ihn ein Ratgeber und Diskussionspartner in einem.

Geben Sie ihm nur aufbauendes Feedback oder auch Negatives?

Ich gebe ihm beides. Wenn ich glaube, dass er oder der Spieler etwas gut macht, dann sage ich ihm dies. Auch wenn er etwas nicht so gut macht oder wenn man etwas verbessern kann sage ich ihm das. Ich teile Sean meine Meinung mit und er kann dann seine Entscheidungen auf Grund meiner Einschätzungen machen. Am Ende ist er derjenige der diese Entscheidungen fällt. Ich kann ihm nur meine Meinung sagen und er kann darauf sein weiteres Vorgehen aufbauen.

Sie haben sehr viel Erfahrung im Eishockey. Unter anderem sind sie ehemaliger NHL-Coach.

(lacht) Ich habe immer noch einen Vertrag in der NHL...

...und nun arbeiten Sie als Berater bei der Schweizer Nationalmannschaft mit. Waren sie vom Niveau des Trainings überrascht, welches sie die letzten Tage verfolgen konnten?

Nein, das war ich nicht. Ich wusste was mich hier erwarten würde. Ich verfolge das Schweizer Eishockey sehr nahe und war daher nicht überrascht. Das Niveau ist sehr hoch und auch das Training war sehr gut. Die Spieler arbeiten sehr hart und sind nun, anders als zu meiner Zeit, von Beruf Eishockeyspieler. Und nicht noch Metzger, Schreiner oder Bäcker im Hauptberuf. Da hat sich einiges bewegt in der Vergangenheit. Sie kommen nun immer wie näher an die NHL-Profis heran. Was ich bis jetzt gesehen habe, das habe ich auch erwartet zu sehen.

Als die Anfrage von Sean Simpson und dem Schweizer Verband kam, die Nationalmannschaft zu unterstützen, mussten Sie darüber nachdenken oder haben sie gleich zu gesagt?

Ich musste nicht überlegen und habe sofort zugesagt. Keine Minute habe ich darüber nachgedacht. Ich kenne Sean und Peter Lüthi sehr gut (Anm. d. Red. jetziger Geschäftsführer des Verbandes). Dazu kommt, dass Peter Lüthi in Kloten mein Assistenztrainer war. Des Weiteren werden zwei von meinen drei Kindern das nächste Jahr in der Schweiz spielen (Brady mit dem HC Lugano und Sarah mit dem Frauen-Team der ZSC Lions). Dazu kam auch, dass ich acht sehr gute Jahre in der Schweiz erleben durfte. Und für diese Arbeit wollte ich auch keinen Lohn, sondern mache es, um dem Schweizer Eishockey etwas zurückzugeben, was es mir gegeben hat.

Hatten Sie den keine anderen Anfragen aus der NHL oder anderen Ligen?

Doch die gab es. Es kamen Anfragen aus der NHL, der KHL und auch aus anderen Ligen. Aber ich wollte keines der Angebote annehmen und helfe dafür lieber meinem Freund Sean Simpson.

Was hat sich, seit sie zum letzten Mal ein Schweizer Team gecoacht haben, geändert?

Da kommt mir nur ein Wort in den Sinn: Professionalismus. Seit meinem letzten Engagement wurde das Schweizer Hockey immer professioneller. Einhergehend damit wurde auch die Nationalmannschaft immer besser. Die Spieler arbeiten dadurch auch neben dem Eis besser. Das Krafttraining wurde verbessert, die Arbeit mit den Spielern wurde immer besser. All das zahlt sich nun aus und man spürt, dass das Schweizer Eishockey sehr professionell wurde.

Kam der Wechsel zum Profistatus mit dem Wechsel zu den Playoffs?

Das kann ich nicht abschliessend beantworten. Ich weiss nicht, wann das System gewechselt hat. Aber ich denke, dass hier auch die einzelnen Trainer die Spieler selber viel dazu beigetragen haben. Heute arbeitet man zu 100% als Spieler für den Klub. Man beginnt neben dem Eis im Sommer mit dem Krafttraining, arbeitet dann auf dem Eis zusammen und geht auch neben dem Eis wieder in den Kraftraum. Die Spieler können sich so voll auf den Beruf konzentrieren. Und sind nun, wie ich schon einmal erwähnt habe, nicht noch in einem anderen Beruf angestellt.