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Show-Time im Big Apple |
„Oh, say can you see, by the dawn's early light" schallt es durch das weite Rund des Nassau Memorial Coloseum. Dargeboten wurde die Amerikanische Nationalhymne von einem Schülerchor. Die 17’900 Zuschauer beginnen zu klatschen und grölen, als die letzten Takte anklingen. Die NHL, die beste Eishockey-Liga der Welt hautnah erlebt.
Blicken wir kurz zurück: Am Freitag, den 12 März um 10 Uhr trafen sich sechs Eishockeyfans am Zürcher Flughafen, um sich auf den langen Weg ins ca. 6000 km entfernte New York zu machen. Nach einer ruhigen Reise erreichten wir nach achtstündigem Flug um 15 Uhr Ortszeit unser Ziel: Die Ostküste Amerikas mit der pulsierenden Stadt New York oder der Big Apple, wie die Einheimischen liebevoll sagen. Doch bei der Ankunft werden wir mit garstigem Wetter empfangen. Der Zweck unserer Reise war in einer Woche das Mammutprogramm von vier NHL-Spielen in drei verschiedenen Hallen, sowie die touristische Erkundung der Stadt New York durchzuziehen. Der Beginn der Playoffs oder Playouts unserer Lieblingsmannschaften in der Schweiz hin oder her. Bereits am Abend nach dem Einchecken im Hotel in Manhatten wurde trotz überkommender Müdigkeit und miserablem Wetter die Gelegenheit genutzt, erste Eindrücke der Weltstadt New York zu sammeln. Gemeinsam gingen wir Richtung Times Square, denn nach Hereinbrechen der Dunkelheit gibt es wahrlich kaum ein besseres Schauspiel, als die durch zahlreiche Lichtreklamen taghell erleuchtete Kreuzung zwischen Broadway und siebter Avenue. Nach einem Schlummertrunk in einer Sports-Bar begann die 'Vorbereitung' auf den nächsten Tag. Das schlechte Wetter legte sich im Laufe des Sonntags und erste Sonnenstrahlen zeigten sich, als die Stadt mit einem Doppeldecker-Bus erkundet wurde. Einkaufszentren wie das riesige Macys wurden ebenso angesteuert, wie die Touristenläden rund um den Times Square, dem Anziehungspunkt von New York schlechthin, da diese neben allerlei Touristenkitsch, jede Menge NHL-Artikel in einer unbeschreiblichen Vielfalt bieten. Ähnlich auch der Reebok NHL Shop in der Avenue of the Americas. T-Shirts, Trikots und Merchandiseartikel fast aller NHL-Teams zum Abwinken.
Treffen mit Mark Streit
Die Halle der New York Islanders, welches von aussen einen sehr bescheidenen Eindruck machte, überraschte innen dann doch einige von uns. Fast alle bekommen bei der obligaten Nationalhymne, welche bei allen US-Sportveranstaltungen zelebriert wird, erstmals Hühnerhaut. Wir bekommen eindrücklich und hautnah mit was es heisst Nationalstolz zu zeigen. Faszinierte Blicke derjenigen, die zum ersten Mal ein NHL-Spiel live erleben, begleiten die Show und das anschließende Derby-Spiel der New York Islanders gegen die Devils aus dem benachbarten New Jersey. Die Stimmung unter den nur knapp 18’000 Zuschauern war teilweise nicht ohne und weitaus besser als in mancher ausverkauften Spielstätte. Auf drei Etagen war es möglich hinter den Tribünen im Inneren einmal rundum zu laufen. In diesem Rundgang gab es Verpflegungs- und weitere Merchandise Stände. Die Auswahl an Essen und Trinken war genauso phantastisch, wie die an Fan-Artikeln. Tacos, Nachos, Popcorn, Pizza, Burgers, Muffins, Donuts, Kaffee, Cola, Bier usw., Fernsehschirme an allen Ecken zeigten Liveübertragungen aus anderen Stadien, bzw. das aktuelle Geschehen im Inneren. Es wurde also nichts verpasst, wenn man während des Spieles seinen Platz verliess, um sich zu stärken. Selbst auf der Toilette wurde man mit einer Radioreportage versorgt! Man wähnt sich eher in einem Vergnügungspark, als bei einer Sportveranstaltung. Erreicht haben wir das Nassau Veterans Coloseum nach einer einstündigen Autofahrt im dichten Feierabendverkehr der Riesenmetropole New York.
Im Stadioninneren war die oberste Etage für die besseren Kreise eingerichtet, die Tribünen waren auf zwei Ebenen überlagert, zwischen diesen befanden sich Logen. Kostenpunkt einer Loge rund 6000 Dollar pro Spiel. Alles inklusive versteht sich. Unten die teueren Plätze (natürlich mit Becher- bzw. Dosenhalter), die zu einer grossen Anzahl an Sponsoren und Firmen im Jahresabo verkauft wurden und oben die "billigeren", dort wo die "wahren" Fans sitzen, wie uns ein Islanders-Fan sagte. Selbstverständlich waren auch dort alle Plätze mit gepolsterten Stühlen ausgestattet, denn schliesslich ist Hockey, dies zeigten ebenso die Verkaufsstände in den Gängen, für die Nordamerikaner Unterhaltung wie Kino, daher müssen die Sitze bequem und die Hallentemperatur angenehm sein. Die Tribünen waren steil angeordnet, so dass von jedem Platz, selbst von ganz oben, eine gute Sicht gewährleistet war. In der Mitte über der Eisfläche ragte das riesige achtseitige Gebilde mit vier Videoleinwänden und vier elektronischen Anzeigetafeln. Auf der Videoleinwand lief bereits vor dem Spiel zur Unterhaltung Live-Übertragungen aus anderen Stadien der NHL. An der Brüstung der oberen Etage waren mehrere kleine Anzeigetafeln befestigt, die ständig aktuelle Zwischen- oder Endstände aus der NHL anzeigten. Gigantismus pur!
Als die Spieler zum Warmmachen auf das Eis kamen, waren einige doch von uns erstaunt, dass etliche Spieler keine Helme trugen. Für die Spieler in der NHL anscheinend ein lästiges Übel. Im Spiel später hatten dann aber alle, wie es sein muss, ihre Helme auf. Gespannt waren wir natürlich auf unseren Mark Streit. Zudem wir nach dem Spiel eine Audienz erhalten hatten und gespannt darauf waren, ob auch alles klappen würde. Der Beginn des Spieles wurde mit lautstarker Musik angekündigt und von den Mannschaften die Spieler, die beim ersten Bully auf dem Eis sind bekannt gegeben. Das Licht wurde verdunkelt und der Einlauf der Teams mit klasse Videosequenzen und lautstarker Musik angekündigt. Der Jubel und die Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen, als die Mannschaften auf das Eis kamen und sich sogleich an den blauen Linien aufstellten. Wen wundert es, denn zu diesem Zeitpunkt befanden sich immer erst gut 60 Prozent der Zuschauer auf ihren Plätzen. Es folgte wie eingangs erwähnt die US-amerikanische Nationalhymne. Erst jetzt sollte sich das Rund nach und nach zügig füllen. Ähnlich war es auch in den beiden anderen Arenen im Madison Square Garden und im Prudential Center in Newark.
Show und Eishockeysport wird perfekt kombiniert
Die Überraschung gleich im ersten Spiel. Die New Jersey Devils, als haushoher Favorit haben bei den New York Islanders durch eine 2:4-Niederlage erlitten. Die Devils spielten zwar ein kämpferisches drittes Drittel, doch zu mehr als den Anschlusstreffer durch Ilya Kovalchuk reichte es nach dem 1:3-Rückstand nicht mehr. Unser Schweizer Verteidiger Mark Streit konnte im Powerplay sein zehntes Saisontor erzielen. Stimmung kam aber trotz des guten Spiels der Islanders kaum auf. Schon nach drei Minuten leuchtete am Tisch der Zeitnahme ein rotes Licht auf, welches einen so genannten "Commercial Break" anzeigte. Bei der Fernsehübertragung wurde nun für eine Minute Werbung gezeigt und damit die Fernsehzuschauer nichts verpassen würden, liefen die Spieler zur Bande, erholten sich und bekamen neue taktische Anweisungen. Vier Mal in einem Drittel war dies der Fall und damit den Zuschauern im Stadion nicht langweilig wurde, wurde ihnen die Zeit mit den Islanders Ice Girls vertrieben. Sie säuberten das Eis jedoch nur vor dem Tor des Heimteams. Bis auf Anfeuerungsrufe einzelner "fanatischer" Fans, ein gelegentliches Aufraunen bei Chancen, das Ausbuhen des Referees bei vermeintlichen Fehlentscheidungen oder dem frenetischen Torjubel herrschte während des Spiels gediegene Ruhe im weiten Rund. So wurde versucht in Spielpausen die Stimmung anzuheizen. Wenn man aber Schweizer Verhältnisse gewöhnt ist, bei der Anfeuerung einer Mannschaft, dann musste man zum Schluss kommen, dass auch diese Massnahmen nur zur Unterhaltung des Publikums dienten. Das bekannte Spielen der Orgel war nur eines davon. Dazu wurden alle über die Leinwand aufgefordert rhythmisch zu klatschen. Dies kam stimmungsmässig ganz gut rüber, wenn alle mitmachten. Ab und zu wurde auf der Videowand der Geräuschpegel im Stadion gemessen und die Fans aufgefordert Lärm zu machen. Alles aber nur auf Kommando. 20 Minuten nach Spielschluss gab sich dann Mark Streit die Ehre. Nach dem unsere Gruppe einige Sicherheitschecks bestanden hatten, lauerten wir in einer Art Wartsaal auf „unseren“ Mark Streit. Gross waren der Applaus und die Freude dass Mark Streit plötzlich und in Natura vor uns stand. Der beste Schweizer NHL-Spieler genoss sichtlich den Besuch aus der Heimat und die Gelegenheit wieder einmal „Schwiizerdütsch“ zu sprechen. Am nächsten Abend konnten wir dann der Begegnung New York Islanders gegen die Toronto Maple Leafs im Nassau Veterans Memorial Coliseum beizuwohnen. Die Islanders konnten das kampfbetonte Spiel sehr zur Freude ihrer Fans mit 4:1 für sich entscheiden. Fast zwei Monate war es her, dass die New York Islanders zwei Partien in Folge für sich entscheiden konnten. Mit dem 4:1-Triumph über die Toronto Maple Leafs gelang ihnen dieses kleine Kunststück wieder einmal, dies trotz vieler verletzter Spieler. Bei den meisten Zuschauern war aber nur wenig Identifikation und das bedingungslose Zittern mit der Mannschaft zu spüren. Dies bemerkte man vor allem, wenn man einmal das Verhalten des Publikums beobachtete. Häufig wurde selbst während des Spieles der Stadionkessel verlassen, um sich in den bereits beschriebenen Gängen mit Cola oder Pop Corn zu versorgen. Selbst in heissen Spielphasen liess sich der Zuschauer nicht davon abbringen, seinen Hunger und Durst zu stillen. Bei dieser Beobachtung war das Stadion aber auch in zwei Hälften zu teilen. Dieses Verhalten legten besonders die Zuschauer der unteren, teueren Plätze an den Tag. Sie waren es auch, die bereits fünf Minuten vor Schluss das Stadion verliessen, ganz egal, wie es stand. Das Nachspiel war nicht minder interessant. Im Fernsehen liefen den ganzen Abend die Tore aus den NHL Begegnungen und im Radio wurde über die Lage der Teams diskutiert.
Drei NHL Teams in New York
Nur gerade vom Hotel über den Fussgängerstreifen: Der weltbekannte Madison Square Garden. Auch als The Garden bekannt oder mit MSG abgekürzt, ist eine Mehrzweckarena in New York City. Die Halle hat ihren eigenen Fernsehsender und bezeichnet sich selbst als „The World's Most Famous Arena“ („Die berühmteste Arena der Welt“). Der Garden ist aber etwas ins Alter gekommen und eine Sanierung würde dem Riesenkomplex nicht schlecht anstehen. Die Mehrzweckarena in Manhattan wird vor allem für Sportveranstaltungen (Boxen, Basketball, Eishockey) und Konzerte benutzt. Im MSG tragen sowohl die Rangers wie auch das Basketballteam der New York Knicks ihre Heimspiele aus. Viele bekannte Musiker traten hier bereits auf und etliche Live-Alben wurde aufgenommen. Die New York Rangers sind nebst den Boston Bruins, Chicago Blackhawks, Toronto Maple Leafs, Montreal Canadiens und den Detroit Red Wings eines der sechs NHL-Teams welche seit Beginn dabei sind. Bereits in den ersten 14 Jahren der Ligazugehörigkeit gewann New York dreimal den prestigeträchtigen Stanley Cup. Erst 1994 – 54 Jahre nach dem letzten Titelgewinn – konnten sie zum vierten Mal die Trophäe erringen. Im Spiel der beiden Original-Six Teams New York Rangers und Montreal Canadiens setzte es für die Rangers im proppenvollen Madison Square Garden eine 1:3-Niederlage ab. Die Kanadier waren dabei ihren Gegnern jederzeit überlegen. Kurz vor Ende lieferten Sean Avery und Scott Gomez eine heftige Keilerei, nachdem sich der New Yorker einen sehr unfairen Stockschlag geleistet hatte. Avery erhielt 17 Strafminuten, Gomez kam mit zwei Minuten wegen übertriebener Härte davon. Die Rangers kann man in etwa mit einem gewissen Team aus der Südschweiz vergleichen. Viel Kohle, überdurchschnittliche Spieler aber nur wenig sportlicher Erfolg.
Der beste Match, im besten Stadion mit den besten Fans
Die New Jersey Devils tragen ihre Heimspiele im Prudential Center aus, das von Manhatten aus bequem in 25 Minuten mit einem Vorortszug zu erreichen ist. Seit Oktober 2007 residieren die Devils im Prudential Center, eine 17’615 Zuschauer fassende Multifunktionsarena. Die Namensrechte an der Arena hält die Prudential Financial seit Eröffnung der Halle. Das Unternehmen zahlt für die gesamte Dauer von 20 Jahren 105,3 Millionen US-Dollar. Anders als in den beiden andern New Yorker Stadien ist bei den Devils alles vom Feinsten, das beste Stadion in der Region. Seit Beginn der 1990er Jahre gehört das Team zu den erfolgreichsten der Liga und verpasste seit 1988 nur in zwei Spieljahren die Playoffs. Zudem gewann die Mannschaft seit 1995 bei vier Finalteilnahmen dreimal den prestigeträchtigen Stanley Cup. Zu Gast bei den roten Teufeln war der amtierende Stanley Cup Sieger, die Pittsburgh Penguins. Der Spitzenkampf verlief ob der Brisanz um die Divisionsspitze sehr fair. Die Devils gewannen mit 5:2 und schoben sich damit den Penguins, vorbei an die Spitze der Atlantic Division. Doch was die fast 20’000 Fans aufführten, kommt annähernd an ein Tessiner Derby heran. Gnadenlos ausgepfiffen wurde der kanadische Olympiaheld Sidney Crosby. Die Devils-Fans werden es dem Penguins Superstar wohl nie verzeihen, dass er die Amerikaner mit seinem Tor um Olympiagold gebracht hat.
Stars and Stripes
Unsere kleine, aber feine Reisegruppe hatte einen schönen und sehr lustigen Aufenthalt erlebt. Bei einer Stadtrundfahrt, der St. Patricks Parade und Shopping konnten wir das pulsierende Leben in New York voll miterleben. Geniessen konnten wir grosse Spielernamen wie Mark Streit, Sidney Crosby, Martin Brodeur, Zach Parise, Glen Metropolit, Patrick Elias, Phil Kessel und viele andere. Wir haben 22 Tore, verbissene Zweikämpfe, viele krachende Checks und etliche Strafen gesehen. Eine erlebnisreiche NHL-Lesereise neigte sich so dem Ende entgegen, denn am nächsten Morgen ging es bereits wieder auf den Rückweg nach Europa. Lob gebührt den Reiseorganisatoren und die beiden „Guides“ Alfons und Andrew, welche alles hervorragend organisiert haben.