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Integer, Intelligent, Intuitiv, Impulsiv |
Der Ex-Internationale Benoit Pont blieb trotz seinem Karriereende als Spieler weiter im Geschäft. Als Sportchef seinen Heimatvereins HC Siders-Anniviers. Doch jetzt arbeitet er im Hintergrund, gibt Interviews nur wenn es sein muss und auch in der Garderobe steht er selten in der Mitte. Ein Portrait des Mannes, der dem HC Siders neue Flügel verliehen hat.
„Das Eishockey ist ein so unglaublich begeisternder Sport, dass Du eigentlich niemals aufhören möchtest, diesen auszuüben. Nachdem ich als Spieler aufhören musste, teile ich jetzt diese Begeisterung mit jungen Spielern, die ich ausbilde, denen ich meine Begeisterung weitergeben möchte. Inzwischen lebe ich das Hockey aus einer etwas anderen Position heraus, nicht mehr als Spieler, sondern in einer viel komplexeren Rolle. Das Adrenalin spüre ich noch immer. Nicht mehr auf dem Eis, aber dennoch kannst Du die Resultate des Teams beeinflussen, indem Du richtige Entscheidungen triffst und Deine Arbeit gewissenhaft und engagiert erledigst.“ Wenn man mit Benoit Pont, dem Sportchef des HC Siders spricht, haben diese Worte nochmal eine ganz andere Aussagekraft. Die unbändige Leidenschaft für den Sport mit der schwarzen Hartgummischeibe ist förmlich mit Händen zu greifen – und ein Blick in die Augen bekräftigt diese noch zusätzlich.
Der 34-jährige Pont, investiert neben seinem Job als Sportchef auch noch sehr viel Zeit in die Juniorenabteilung, die er ausbaut, umstrukturiert und ganz nahe an die Profimannschaft heranbringt. Und immer wiederlässt er es sich auch nicht nehmen, die Schlittschuhe anzuziehen und selbst mit den Kindern der Moskitos zu trainieren. Doch so sehr er wirbelt und alle Dinge rund um den Club in die Hand nimmt, um sie zu verbessern, so ruhig und sachlich tut er dies. Er bleibt gerne im Hintergrund, macht sich ein Bild von der Situation, bevor er eine Entscheidung trifft.
Sich mit Pont über Eishockey zu unterhalten, könnte Stunden in Anspruch nehmen und die Themen gehen ihm nie aus. Er hat als Spieler fast alles erlebt. Er spielte jung in der ersten Mannschaft von Siders, stieg dann mit La-Chaux-de-Fonds in die NLA auf und wurde im Alter von 22 Jahren bereits Captain des Teams. Er kämpfte mit Langnau um den Ligaerhalt, er wurde zu einem Schlüsselspieler in den Playoffs bei Genf Servette und im Dress von Ambri wurde er zum Nationalspieler. Neben seiner Hockey-Karriere studierte der Flügelstürmer erfolgreich Biologie und Sport. Privat ist Pont verheiratet und hat drei Kinder. Also quasi ein studierter Profisportler mit Sozialkompetenz. In seiner Heimat Siders hat Benoit Pont nun eine neue Herausforderung angetreten.
Über Jahrzehnte hinweg war der HC Siders-Anniviers das Aushängeschild des Walliser Eishockeysports, doch seither hat sich rund um die Grabenhalle so gut wie nichts geändert. Der Niedergang war schleichend und immer wieder gab es Lebenszeichen: Nach dem letztmaligen Abstieg aus der NLA im Jahre 1991 und sechs Jahren in der 1. Liga verpassten die Sonnenstädter zuletzt 2006 gegen den EHC Biel den Meistertitel. Seither zerrissen die Walliser keine Stricke mehr und mussten sich oft gar bis zum Himmel strecken, um überhaupt in den Playoffs mitspielen zu dürfen. Schrittweise wurde das Budget von knapp 3 Millionen auf derzeit 2,4 Millionen heruntergefahren. Mehr liegt derzeit nicht drin.
In diesem Umfeld gelang es Pont jedoch, mit einem neuen Trainer und einem Kader, das er nicht selbst zusammengestellt hat, erstmals seit vier Jahren wieder das Playoff-Halbfinal zu erreichen. „Es ist wie überall im Leben: Auch im Hockey braucht es einen kleinen Anteil an Talent, einen grossen Anteil an Arbeit und zu guter Letzt auch ein wenig Glück!“ sagt er in seiner bescheidenen Art, doch unabhängig von der Arbeit des Trainers gelang es ihm, während der Saison drei Spieler abzugeben, mit Jamie Wright einen starken DEL-Ausländer als Jinman-Ersatz zu verpflichten, einige clevere B-Lizenzen zu lösen, wie beispielsweise jene von Goalie Marco Streit und kurzfristig einen dritten Ausländer zu holen, der nun in die Bresche springen konnte. Ebenso war er als Erster zur Stelle, als sich die Gelegenheiten ergaben, Spieler wie Sigrist oder Krebs von Neuenburg zu holen. Zudem gab er vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs eine Chance bei den Profis und holte andere junge Spieler mit einer B-Lizenz während der Saison nach Siders, um sie im Spiel zu sehen und gleichzeitig auch, um auszuloten, ob ein späterer Transfer sinnvoll wäre. „In den vielen Gesprächen spürst Du recht schnell, wer Dir da gegenüber sitzt. Aber wenn Du anschliessend intensiver arbeitest, um weitere Informationen einzuholen, fällt es Dir dann leichter, auch eine Entscheidung zu treffen.“
Das beste Beispiel hierfür ist derzeit jenes von Ersatzausländer Greg Classen. „In Basel war man nicht zufrieden und in Rapperswil konnte er sich ebenfalls nicht behaupten, aber als ich hörte, dass er möglicherweise auf den Markt kommt, wurde ich aktiv. Der Junge ist ein Spieler, der seine Zweikämpfe gewinnt, der Dir beim Bully die Scheibe holt, der in der Defensive seine Job erledigt und Dir vor allem die anderen Spieler, die Du schon hast, wertvoller macht.“ Pont kennt das Spiel und erkennt, was auf dem Eis passiert. Jemand, der nur auf die Statistik schaut und auf externe Berater hört, steht hingegen auf verlorenem Posten. „Es gelang es uns recht schnell, auch den Spieler zu überzeugen und eine Vereinbarung mit allen Beteiligten zu finden – zum Glück, denn anschliessend stand plötzlich der SC Bern auf der Matte und bat uns um die B-Lizenz für diesen Spieler.“ Auch in dieser Situation spricht Pont immer von „uns“, nie von sich selbst.
Natürlich ist es für den 34-jährigen Walliser ein Vorteil, wenn er überall Leute kennt, die ihn auch kennen und auf deren Urteil er vertraut. Und wenn diese neuen oder ausgeliehenen Spieler dann zum Team kommen, hat Pont im Hintergrund bereits alle Weichen gestellt. Er sprach im Vorfeld nämlich nicht nur mit den Neuzugängen, sondern immer auch mit den Spielern des aktuellen Teams. Er spricht deren Sprache und weiss, was ein Profi denkt, was er fühlt. Das Siders nun im Jahr Eins von Pont in den Halbfinals steht, ist also alles andere als Zufall. Pont selbst, versucht diese Form der Analyse des Erfolges abzuschwächen: „Es hätte ja auch nicht aufgehen können“, und fragt dann selbst: „Was wäre, wenn wir ausgeschieden wären?“ Kurze Zeit später gibt er die Antwort selbst, ohne es bewusst zu merken: „Ich bin jung und unerfahren in diesen Job gekommen. Ich weiss nicht im Detail, wie andere Vereine organisiert sind und wie es dort abläuft. Ich mache es einfach so, wie ich es für richtig halte, wie ich es auch als Spieler geschätzt hätte, dass jemand anderer den Job eben so macht.“ Es ist der Mensch, der hinter allem steht. Die Mannschaft vertraut ihm, die neuen Spieler spüren, was diesen Mann antreibt und der Vorstand muss anschliessend auch noch am gleichen Strick ziehen, denn letztendlich müssen sie wieder das Geld locker machen, dass sie zuvor mühsam hereingeholt haben oder am Saisonende aus der eigenen Tasche bezahlen.
Und genau hier beginnt ein wenig auch das Dilemma: „Ich muss auch Fehler machen, um daraus lernen zu können“, insistiert Pont. „Es gibt so viele Dinge, die man beachten muss. Wir können schlicht keine fünf Linien mit grossen Gehältern ausstatten, wie vielleicht Lausanne. Bei uns ist jeder Spielertransfer immer ein Abwägen. Gerade bei den wichtigen Spielern, die finanziell gröber ins Gewicht fallen, sollte man sich aber besser nicht irren. Pont geht den Weg mit den B-Lizenzen: „Zunächst einmal müssen Spieler und Verein ja einverstanden sein. Und wenn sie dann zu uns kommen sehen wir sie, aber sie sehen auch uns. Sie lernen den Trainer kennen, die Mitspieler, den ganzen Verein. Und selbst, wenn es nur kurz ist oder wir den Spieler nicht verpflichten wollen oder können, wird er in seinem Verein hoffentlich nur Gutes von uns berichten können.
Alles, was Benoit Pont macht, hat einen Sinn. Ob es zum Erfolg führt, ist deswegen dennoch nicht garantiert. In dieser Saison ist es bislang aufgegangen und Ponts Einstieg in eine neue Hockeywelt ist gelungen. Jetzt wartet auf den Siders-Sportchef jedoch die nächste Aufgabe. Die kommende Saison wird seine Reifeprüfung werden. Ein Team aufzubauen, das stärker ist, das mehr erreichen kann als in diesem Jahr, aber nicht viel mehr kosten darf. Jeder Sieg jetzt, legt die Latte für Benoit Pont in der nächsten Saison höher.