Taktik und Wille entscheiden

Von Urs Berger

In den beiden Halbfinal-Serien treffen unterschiedliche Philosophien und Taktiken aufeinander. Wer wird bei Bern-Kloten und bei Servette-Zug das bessere Ende für sich erwischen? Wir wagen eine Vorschau.

Zwei Philosophien treffen ab Donnerstag in Bern und Kloten aufeinander. Schwedische Taktik gegen kanadische Härte. Eine der Philosophien wird als Verlierer dastehen, aber dem Schweizer Eishockey eine unterhaltsame Serie garantieren.

Wenn der SC Bern nach über einer Woche Pause wieder in die Playoffs einsteigen wird, wird es für die Hauptstädter wichtig sein, so schnell wie Möglich wieder den Tritt zu und in den Rhythmus der Spiele zu finden. Die Kloten Flyers ihrerseits könnten nach sechs Spielen den ehemaligen Meister HC Davos aus der Entscheidung um den Titel kippen. Und bezogen dafür einen spielfreien Tag. Beide Teams können so frisch in das Rennen um den Einzug in das Finale spielen. Das sind bereits alle Gleichungen. Zu unterschiedlich spielen die beiden Teams. Entscheidend werden die kleinen Details der beiden Mannschaften sein. Kann die Verteidigung der Klotener bestehen? Kann der SC Bern seine schlechte Quote im Powerplay verbessern? Und kann Kloten die Offensive der Berner mit Ivo Rüthemann unter Kontrolle bringen? Fragen, welche sich während der Serie beantworten lassen werden.

Eine weitere Interessante Situation wird auf dem Torhüterposten sein. Wer wird das bessere Ende für sich beanspruchen können? Marco Bührer, der in den Play-offs zu alter Stärke gefunden hat und der in den Spielen gegen Lugano mehrheitlich zu überzeugen wusste? Oder wird Ronnie Rüeger sich profilieren können? Beide Torhüter spielen zurzeit auf Augenhöhe und liegen im Gegentorschnitt nur wenig auseinander. In dieser Kategorie führt Bührer mit 0.2 Toren weniger die Rangliste vor Rüeger an. Anders sieht es aus, wenn man die geschossenen Penaltys mit der Abwehrquote derer vergleicht. Dort ist Bern`s Marco Bührer mit 61% klar schlechter als Ronnie Rüeger mit 75%. Oder würde in dieser Situation Larry Huras auf den Ersatztorhüter zurückgreifen und diesen einsetzen? Dies wäre eine taktische Variante, welche sehr selten zur Anwendung kommt. Doch zuzutrauen wäre es Hurras durchaus. Denn mit 80% der gehaltenen Versuche ist Gigon der beste Penaltykiller der Saison.

Die Frage die sich nun stellt ist: Wer wird die Serie für sich entscheiden können? Das Klotener Ballett oder die Berner Härte? Wer wird am Ende jubeln? Der Berner Ivo Rüthemann (28 Treffer) oder der Klotener Tommi Santala (21 Treffer)? Wer wird in das Finale einziehen? Von den bisher gezeigten Leistungen sehen wir eine Enge Serie auf Spieler und Zuschauer zu kommen. Wir gehen davon aus, dass der SC Bern sich durchzusetzen vermag.

Im zweiten Halbfinale wird der Wille und die Taktik entscheidend sein. Dazu kommen die beiden Torhüter und das Duell der Heisssporne Kolnik und Holden. Wer wird siegen?

Entscheidend wird sein, wer seine Nerven an der Bande besser im Griff hat und wer die Ausländer und die Torhüter besser unterstützen kann. In der Serie der Genfer gegen Fribourg war auch der Torhüter ein Faktor. In den entscheidenden Spielen wuchs Tobias Stephan über sich hinaus und vermochte so das frühzeitige Aus mit drei Siegen in Serie zu verhindern. Weniger gute verkaufte sich Jussi Markkanen. Mit einem Gegentorschnitt von 3.8 erhaltenen Treffern sackte er von seinen Werten in der Qualifikation (2.5) stark ab. Auch Tobias Stephan hat nicht die besten Werte, konnte sich aber in den letzten drei Spielen stark verbessern. Welcher Torhüter wird am Ende die besseren Nerven und die besseren Vorderleute haben?

Ein weiterer Faktor werden die beiden Ausländer Josh Holden und Juraj Kolnik in der Serie spielen. Wer verliert die Nerven im Trashtalk schneller? Kolnik oder Holden? Holden liegt, wie Kolnik, in der internen Strafenrangliste weit vorne. Holden hat, inklusive Playoffs bis jetzt 58 Strafminuten gesammelt. Kolnik deren 85. Beide sind dabei nicht die am meisten bestraften Spieler in ihrem Team. Diese Liste wird bei Genf von Daniel Rubin (99 Minuten) und beim EV Zug von Wesley Snell (128 Minuten) angeführt. Für viel Temperament und harte Zweikämpfe ist in dieser Sparte auch gesorgt.

Temperamentvoll könnte es an der Bande ebenfalls zu und hergehen. Beide Trainer sind nicht für ihre leisen Töne bekannt. Beide sagen, was sie denken und riskieren so das eine oder andere Mal einen möglichen Ausschluss. Legendär ist zum Beispiel die Begebenheit von Chris McSorley in einem Halbfinalspiel in Bern, als er die Bandentüre nach einem Entscheid der Schiedsrichter immer und immer wieder auf und zu schlug. Seine lapidare Antwort auf eine entsprechende Frage: “Ich wollte der Mannschaft ein Zeichen setzen und sie neu anspornen. Da muss man manchmal solche unkonventionellen Mittel anwenden.“ Doch der Coach schied damals gegen den SC Bern mit 2:4-Niederlagen aus. Obwohl auch Doug Shedden sehr laut und fordernd an der Bande sein kann, so ist er dennoch einer, der sich etwas besser im Griff hat. Ob in dieser Sparte die Entscheidung fallen wird?

Wie bei der Paarung des ersten Halbfinales kann diese Serie ebenfalls lange offen und ausgeglichen sein. Entscheidend wird sein, wer die sieben Spiele besser verdaut hat und wer mehr Benzin in seinen Motoren hat. Hier sehen wir die Spieler aus der Calvinstadt im Vorteil. Anders als Shedden forciert McSorley seine besten Spieler nicht zu sehr und teilt die Eiszeit geschickt ein. Dies könnte die Entscheidung in diesem Semi-Finale sein. Aus diesem Grunde sehen wir auch Servette im Finale.