Neue Teams, neue Hoffnung?

Von Dennis Schellenberg

Nur wenige Tage nach dem Endspiel an der Olympiade steht die National Hockey League wieder im Mittelpunkt der Eishockeywelt. Und die General Managers der 30 Vereine müssen nach dem Olympiabreak noch einmal voll in die Bresche springen und sind voll gefordert.

Die Telefonleitungen glühen, General Managers versuchen verzweifelt einen letzten Transfercoup zu leisten und Spieler bangen um ihre Zukunft. So in etwa sehen die letzten Stunden vor der Trade Deadline in der NHL aus, welche am Mittwoch um 21:00 Uhr Schweizer Zeit ablief. Für alle Beteiligten ist diese Zeit vor den Playoffs noch einmal nervenaufreibend. Hockeyfans.ch hat die wichtigsten Transfers in einer Analyse genau unter die Lupe genommen.

Pittsburgh Penguins erhalten: Toronto Maple Leafs erhalten:
Alex Ponikarovsky Martin Skoula und Luca Caputi
Analyse:

Alex Ponikarovsky wurde bereits mehrmals als möglicher Abgänger auf die Deadline hin gehandelt. Weil der gebürtige Ukrainer im Sommer ein Free Agent wird und mit einer Lohnerhöhung rechnen darf, wollten ihn die Maple Leafs loswerden. Mit den Pittsburgh Penguins kann Ponikarovsy vom Stanley Cup träumen, etwas, dass "Poni" noch am Montag definitiv nicht behaupten konnte. Klar war, dass Toronto GM Burke Skoula nicht lange behalten würde. Nur wenige Stunden später schickte er den Verteidiger nach New Jersey und erhielt dafür einen 5-Runden Draftpick. Caputi, 21-jährig und mit viel Potenzial ausgestattet, ist ein Versprechen für die Zukunft. Dennoch bleibt das Gefühl, dass die Leafs für Ponikarovsky mehr hätten bekommen können. Für Pittsburgh bringt dieser Deal einen torgefährlichen Stürmer, der dem Team für die Titelverteidigung helfen soll. Auch die Verluste sind für die Pens nicht all zu gross.
 
 
Phoenix Coyotes erhalten: Colorado Avalanche erhalten:
Wojtek Wolski Peter Mueller und Kevin Porter
Analyse:

Peter Mueller erhält den Neuanfang, den er wahrscheinlich so unbedingt gebraucht hat. Seit seiner Rookiesaison stagnierte seine Entwicklung stetig und dies machte sich auch in der Punkteausbeute bemerkbar. Nun in Colorado findet er sich mit vielen jungen, erfolgshungrigen Spielern in der gleichen Mannschaft wieder. Die Colorado Avalanche sind eines der Überraschungsteams der Liga und Mueller könnte hier zu „alten“ Leistungen zurückfinden. Mit ihm wechselt auch noch Kevin Porter zu den Avs. Doch Colorado muss einen schmerzhaften Abgang bekunden. Nämlich den des zweitbesten internen Skorer, Wojtek Wolski. Der 24-jährige Pole befindet sich in seiner produktivsten Saison und wird dem Team in Zukunft fehlen. Mueller kann diese Lücke vorerst nicht schliessen. Doch falls Mueller sein Tief überwindet, könnte sich der Deal für die Avs lohnen, sonst gehen die Coyotes, die ebenfalls eine starke Saison spielen, als Sieger aus diesem Tauschgeschäft.
 
 
Phoenix Coyotes erhalten: Toronto Maple Leafs erhalten:
Lee Stempniak 4.-Runden- und 7.-Runden-Pick
Analyse:

Mit Lee Stempniak konnten die Phoenix Coyotes die Offensive weiter verstärken. Stempniak zeigte seit seiner Rookie-Saison konstant gute Leistungen in der NHL. Doch weil die Leafs diese Saison abschreiben können, musste der Stürmer gehen. Stempniak wird im Sommer unrestricted Free Agent und ist somit ein weiterer Leaf, der sich aus diesem Grund aus Toronto verabschieden muss. Mit einem 4-Runden und 7-Rundenpick stellt sich aber auch wie beim Ponikarovsky-Deal die Frage, ob da mehr für die Leafs dring gewesen wäre. Zumindest hat GM Burke nun seine angestrebten Picks transferieren können.
 
 
Edmonton Oilers erhalten: Anaheim Ducks erhalten:
Ryan Whitney, 6.-Runden-Pick Lubomir Visnovsky
Analyse:

Die Anaheim Ducks verstärken durch diesen Trade weiter ihre Defensive. Zwar geht mit Ryan Whitney ein talentierter Verteidiger in Richtung Edmonton, doch der Amerikaner konnte in Kalifornien überhaupt nicht überzeugen und benötigte dringend einen Tapetenwechsel. Visnovsky ist vor allem für das bereits schon starke Ducks Powerplay eine Bereicherung. Der Slowake ist ein exzellenter Überzahlspieler, der zudem über einen sehr starken ersten Pass verfügt. Einziger Wehmutstropfen dürfte der Altersunterschied zwischen den beiden Verteidigern sein. Während Visnovsky 33-jährig ist, kommt Whitney erst auf 27 Jahren. Für beide Parteien kann der Deal als Erfolg angesehen werden. Anaheim hat einen erfahrenen Routinier erhalten, während Whitney der Wechsel nach Edmonton gut tun wird.
 
 
Carolina Hurricanes erhalten: Washington Capitals erhalten:
Brian Pothier, Oskar Osala u. 2-Rundpick 2011 Joe Corvo
Analyse:

Bereits letzte Saison konnten die Caps im Rennen um den Cup ein kleines Wörtchen mitreden. Danach versagten aber vor allem in der Defensive die Nerven. Dass will man diese Saison in der Hauptstadt verhindern. Darum hat sich Washington in der Verteidigung verstärkt. Der grosse Name bei den Zuzügen ist Joe Corvo von Carolina. Der Verteidiger, der diese Saison lange verletzungsbedingt fehlte, gilt als offensiv starker Defender. Dennoch war man bereit, sehr viel für Corvo zu opfern. Pothier wird kommender Free Agent, Osala hat Potenzial und der 2-Rundenpick ist auch weg. Und auch die auf den ersten Blick scheinende Verstärkung in der Verteidigung könnte sich als eine optische Täuschung herauskristallisieren. Denn die Verteidigung wurde zwar verstärkt, aber nicht unbedingt mit soliden Defensivkünstlern sondern mit Offensivverteidigern.

Einen ganz grossen „Blockbuster-Trade“ zur Trading Deadline gab es diese Saison nicht. Dennoch zeigen sich einige Teams extrem aktiv. Vor allem die Phoenix Coyotes konnten mit Wolski und Stempniak zwei interessante Stürmer angeln und der Abgang von Peter Mueller wird auch beiden Parteien zu Gute kommen. Zudem hat man Verteidiger Derek Morris zurück in die Wüste geholt.

Die Washington Capitals machen ein klares Zeichen, dass sie diese Saison um den Stanley Cup mitspielen wollen. Walker, Jurcina, Corvo und Belanger sind die neuen Namen in der amerikanischen Hauptstadt. Auf die entscheidende Phase hin, haben auch die Ducks nochmals alles versucht, um ein positives Zeichen zu setzen. Whitney wurde durch Visnovsky ersetzt und Routinier Aaron Ward gibt der Verteidigung zusätzliche Stabilität. Die Toronto Maple Leafs konnten die von GM Burke angestrebten Picks verpflichten. Jedoch auf Kosten einer weiteren Schmälerung des Sturmes.

Es wird sehr interessant sein, wer sich mit einem der genannten Transfers noch verstärken konnte. Dies definitiv beurteilen zu können benötigt aber noch ein wenig Zeit und wird sich erst mit dem Fortfahren der Saison und der Playoffs zeigen.