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Achtung vor den Weissrussen

Von Urs Berger

Es kann nur ein Ziel für die Nationalmannschaft geben. Den Sieg über Weissrussland und den Einzug in das Viertelfinale. Wir haben beide Teams analysiert und sagen, wie die Schweizer Nationalmannschaft gewinnen kann.

Die Schweizer Nationalmannschaft muss zu ihren Tugenden aus den ersten beiden Spielen zurückfinden. Hart auf den Mann spielen und das Forechecking intensivieren. Jeder Spieler muss mehr als 100% geben, um Weissrussland in die Schranken zu weissen. Es reichen nicht, wie gegen Norwegen, nur 90%. Wir haben die Stärken und die Schwächen der beiden Teams analysiert und wagen eine Prognose.

Chancenauswertung

Die Schweizer Nationalmannschaft muss noch mehr auf das Tor schiessen und muss konsequenter vor dem Tor arbeiten. Bisher belegen die Schweizer Rang 5 der Schusseffektivität. Mit 76 Schüssen auf das gegnerische Tor und daraus 8 Toren resultierend gibt dies eine Erfolgsquote von 10.53%. Zuwenig für eine Mannschaft mit den Namen von Hnat Domenichelli, Ivo Rüthemann, Martin Plüss, Julien Sprunger oder Roman Wick. Da muss mehr kommen. Dass es mit vermeintlich weniger talentierten Spielern auch geht, beweisen die Weissrussen eindrücklich. Mit 8 Treffern aus 48 Chancen führt man die Rangliste mit guten 16.67% der Schüsse in verwandelte Tore vor den USA an. Interessant dabei ist, dass die drei Spieler Alexei Kalyuzhny, Sergei Kostitsyn und Dmitri Meleshko mit je zwei Treffern am erfolgreichsten sind.

Verteidigung

Gegenüber Weissrussland haben wir eine sehr bewegliche, kraftbetonte und schnelle Defensive. Mit Mark Streit verfügen wir über einen der besten Verteidiger in der NHL. Doch in der Nationalmannschaft ist er nur Mittelmass. Wieso setzt Ralph Krueger nicht von Beginn an auf das von den ZSC Lions her gewohnte Verteidigungspaar Mathias Seger und Mark Streit im Wechsel mit Severin Blindenbacher? Streit und Blindebacher in Situationen in denen es gilt nach vorne zu spielen und Streit/Seger in Situation in denen es defensive Arbeit zu verrichten gilt oder einen Vorsprung über die Distanz zu bringen? Gegen die Top Linie kann man dann mit Philippe Furrer, Luca Sbisa und Patrick von Gunten sowohl mobile und schnelle Verteidiger, wie auch harte Bandenhobler einsetzen. Als Ergänzung kann man Rafael Diaz als Joker einsetzen. Yannick Weber sollte Ralph Krueger wie schon im Spiel gegen Norwegen nicht in das Aufgebot nehmen. Weissrussland wird versuchen, die Stürmer der Schweizer Nationalmannschat sehr früh in der eigenen Zone anzugreifen und so die ganze Mannschaft unter Druck zu setzen. Dabei werden Nikola Strasenko und Ruslan Salei entscheidende Rollen spielen. Auch Alexander Ryadinski kann gefährlich werden. Wichtig wird aber sein, dass die Schweizer Stürmer die Verteidiger Weissrusslands mit hartem Spiel auf den Körper aus der Balance bringen und dann davon profitieren können.

Spezialteams

Die Schweizer Nationalmannschaft muss sich in den Box- und Powerplay nicht verstecken. Im Powerplay sind die Schweizer vor Finnland und dem heutigen Gegner auf dem ersten Platz. Aus fünf Versuchen trafen sie 2 Mal was eine Auswertung von 40% ergibt. Weissrussland hatte deren 7 und verwertet ebenfalls 2 Mal. Im Penalty Killing liegen die Schweizer auf dem siebten Platz. Dort mussten sie aus 13 versuchen „nur“ 3 Treffer zulassen. Weissrussland hatte ebenfalls 13 Mal die Gelegenheit sich im Boxplay zu verteidigen, mussten aber einen Treffer mehr hinnehmen. Ob dies für die Schweizer einen Vorteil sein wird, wird sich zeigen. Aber sollten die Schweizer in Überzahl spielen können, dann heisst es, sofort den Abschluss suchen und den Torhüter unter Druck bringen.

Torhüter

In der Partie gegen Weissrussland kommt den beiden Torhütern eine Schlüsselposition zu. Spielt Jonas Hiller erneut so schwach wie gegen Norwegen, dann hat die Schweiz ein Problem. Denn gegenüber Hiller wird vermutlich Andrej Mezin im Tor stehen. Das Mezin in entscheidenden Spielen über sich hinauswächst, weiss die Schweizer Nationalmannschaft nicht erst seit diesem Turnier. Schon 2002 in Salt Lake City war Mezin einer der Gründe für den überraschenden vierten Rang. Soll die Schweiz weiter kommen, müssen die richtigen Schlüsse aus den letzten Spielen gezogen werden. Und Jonas Hiller muss bereit sein, erneut über sich herauszuwachsen. Und seine Mitspieler bereit, ihn zu unterstützen.

Fazit

Jeder Fehler zu viel kann der Schweizer Nationalmannschaft den Einzug in das Viertelfinale vermiesen. Das bedeutet für die Mannschaft von Ralph Krueger, die Fehlerquote zu minimieren und nach hinten aus einem Guss zu arbeiten. Verlieren die Schweizer die Scheibe, heisst dies, dass derjenige der die Scheibe verloren hat, sofort wieder auf den neuen Scheibenführenden geht und diesen unter Druck bringt. Damit wird der Gegner zu einem Fehler verleitet und die Schweizer können den Angriff erneut aufbauen. Ansonsten heisst es, sofort wieder auf Defensive schalten, alle Spieler in die Verteidigung und auf den Mann spielen. Den Vorteil, den die Schweizer im Spiel auf den Körper haben, darf nicht unter schätzt werden. Denn mit dem Einsatz des Körpers haben die Weissrussen Mühe. Ebenfalls ein interessanter Faktor wird es sein, ob die Schweizer ihre Stärke im Powerplay ausnützen können. Und ob die designierten Teamstützen das Tor treffen. Und am Ende reicht es der Schweizer Nationalmannschaft, wenn man mit nur ein Tore mehr erzielt als der Gegner.