Fotos von Thomas Oswald













Schweiz: Olympia-Auswahl wie die U20?

Von Urs Berger

Im letzten Turnier unter Ralph Krueger wollen die Schweizer endlich mal zeigen dass sie das Zeug dazu haben, unter den besten vier Nationen der Welt zu gehören. Mit einer geschlossenen Teamleistung und mit viel Wille kann das Ziel erreicht werden. Danach ist vieles offen.

Wenn am Dienstagabend um 21 Uhr Schweizer Zeit die Herren-Nationalmannschaft ihr erstes Spiel gegen die USA bestreiten wird, wird man sehen, wie sich die Vorbereitung ausbezahlt hat. Kann sich die jahrelange Systemtreue nun endlich auszahlen? Kann Ralph Krueger zum ersten Mal seinen Kritikern den Mund stopfen und ihnen zeigen, dass er das bestmögliche Team zusammengestellt hat? Sicher, man kann ihm Fehler vorwerfen und auch in einigen Situationen einen sturen Kopf vorhalten. Doch meistens konnte er in den vergangenen Jahren das erreichen, was man erwarten konnte. Ausser an der letzten Weltmeisterschaft in der Schweiz in denen er sicher den einen oder anderen Fehler gemacht hat. Einige würden sagen den berühmten Fehler zu viel. Und genau dies möchte er nun korrigieren. Krueger wird das letzte Mal an der Bande der Schweizer Nationalmannschaft stehen, bevor er dann den Stab an Sean Simpson weiter reichen wird. Kann er dies mit einem Erfolgserlebnis machen, wird man von einem guten Abschluss machen, dann wird er als einer der Trainer in die Geschichte des Schweizer Eishockeys eingehen, welcher das Spiel weiterbrachte. Und dies sollte er hier in Vancouver machen können.

Vom Torhüter...

Einer der Punkte, wieso es diesmal zu mehr als nur einem Viertefinale reichen könnte ist auf der Position des Torhüters zu finden. Noch nie hatte die Schweizer Nationalmannschaft in der jüngeren Geschichte eine klare Nummer eins im Tor, welcher auch in der NHL die klare und unbestrittene Nummer eins im Club ist. Mit Jonas Hiller von den Anaheim Ducks ist die nun zum ersten Mal der Fall. Dies wird ein kleiner Vorteil sein gegenüber den Teams, welche keine so guten Schlussmänner haben werden. Auch die zweite Position ist sehr gut besetzt. Dort kann Krueger auf Tobias Stephan wie auch auf Ronnie Rüeger zurück greifen. Alle beide sind erfahren und könnten bei einer Verletzung von Jonas Hiller durchaus ein valabler Ersatz sein.

Über die Verteidigung...

Ein weiterer Punkt, wieso die Schweizer erfolg haben können besteht aus der Verteidigung. Marc Streit, Yannick Weber und Luca Sbisa verfügen alle über Erfahrung in der NHL. Alle drei sind sich gewohnt viel Verantwortung zu übernehmen und kennen zudem die Verhältnisse in Nordamerika sehr gut. Dazu gesellen sich mit Severin Blindenbacher und Mathias Seger zwei Routinieres, welche sich im Team immer unterordnen und für die eine oder andere Überraschung im Schweizer Spiel sorgen können. Dazu kommen mit Raphael Diaz, Patrick von Gunten und Philippe Furrer nicht nur Ergänzugsspieler, sondern Spieler, welche das eine oder andere zu beweisen haben. Vor allem Furrer dürfte mit Kanada noch eine Rechnung offen haben.

Weiter mit dem Sturm...

Im Sturm hat die Schweiz genügend gute Spieler, um die eine oder andere Überraschung zu erreichen. Denkt man an den Blitzschnellen Flügel Ivo Rüthemann, an den guten Center Martin Plüss oder an Julien Sprunger und Hnat Domenichelli, welche beide auf einem hohen Niveau spielen können, dann kann man sich durchaus ausmalen, wie es kommen könnte. Und dennoch setzen wir ein Fragezeichen hinter den Sturm. Wer soll mit den grossen Spielern der Kanadier, Russen, Schweden oder den Amerikanern körperlich mithalten können? Dort ist das grösste Problem. Denn keiner der Spieler im Schweizer Team entspricht den Anforderungen der NHL. Auch Andres Ambühl konnte seinen Traum noch nicht verwirklichen und kämpft in der AHL um einen Platz im Team. Doch genau dies könnte Ambühl noch stärker, noch zäher gemacht haben. Und dies könnte ein weiterer Vorteil sein. Denn Ambühl möchte sich an diesem Turnier nicht nur den New York Rangers präsentieren, sondern der gesamten NHL. Dies gilt auch für Roman Wick, der durchaus sein Ziel, die NHL noch nicht abgeschrieben hat. Und was wäre besser, als sich hier allen Vertretern der NHL zu zeigen, was man auf dem Kasten hat?

Und am Ende der Coaching-Staff

Aber ohne funktionierende Betreuung geht an den Spielen nichts. So gesehen sind die Mitarbeiter um Ralph Krueger besonders gefordert. Der Spielvorbereitung und dem Spielplan wird sehr viel Beachtung geschenkt werden müssen. Jeder Spieler muss seine Rolle ausgezeichnet ausfüllen und es darf keinen Spieler geben, der nur ein Mitläufer ist. Damit dies nicht geschieht ist Köbi Kölliker der richtige Mann. Er hat beweisen, dass er ein Team richtig einstellen kann und will diesen Erfolg noch einmal mit der Nationalmannschaft erleben. Wieso sollte es ihm und Ralph Krueger nicht gelingen, den Geist der U20 auch in der A-Nationalmannschaft aufleben zu lassen? Zu verlieren hat niemand etwas. Denn das einzige was Ralph Kruiegers Team noch fehlt ist eine Überraschung. Und dazu ist es nun Zeit.