Das Mittelfeld an den Olympischen Spielen

Von Urs Berger

In den kommenden Tagen dreht sich in Vancouver alles um die besten Spieler der Welt. Doch welche Nationen können im Mittelfeld für eine Überraschung sorgen? Wir haben die Teams aus der Slowakei, Tschechien und Finnland analysiert.

Slowakei – Das letzte Hurra?

Vor vier Jahren erreichte die Slowakei den fünften Platz in Turin. Auch dieses Jahr kann, mit ein wenig Glück, der gleiche Platz erreicht werden. Oder werden die Slowaken mit dem überalterten Kader überhaupt soweit kommen?

Ein Spieler ist jünger als 25 Jahre, deren 12 Spieler sind älter als 30. Dies sind nicht die besten Voraussetzungen um an den kommenden Olympischen Spielen nach vorne zu stürmen. Und dennoch kann die Slowakei auf einige gute Spieler zählen. In der Verteidigung spielt Zdeno Chara eine entscheidende Rolle. Er soll im Power- und Boxplay die Verantwortung tragen, in der Offensive seine Akzente setzen und nach Möglichkeit die angreiffenden Stürmer neutralisieren. Etwas gar viel Arbeit für den mittlerweile 33-jährigen Chara. Und dennoch ist er in der Lage diese Last zu tragen. Denn in der NHL bei den Boston Bruins ist genau dies seine Aufgabe. Und diese Aufgabe erfüllt der grossgewachsene Slowake ausgezeichent. Zur Zeit ist er der beste Verteidiger des Teams aus Massachusetts. Unterstützt wird Zdeno Chara von Lubomir Visnovsky. Der um ein Jahr ältere Visnovsky spielt mit den Edmonton Oilers um den Einzug in die Play-offs. Genauso wie Chara führt er sein Team in der internen Rangliste der Verteidiger an. Mit momentan 30 Punkten aus 51 Spielen stellt er seine Gefährlichkeit unter Beweis. Danach wird es aber dünn in der Verteidigung der Slowakei. Keiner der kommenden Verteidiger scheint die Güte und die Qualität der beiden Vorgenannten zu haben.

Tore schiessen ein Muss – Nur wer?

Auf der Torhüterposition kann es zu einem interessanten Duell zwischen Jaroslav Halak und Peter Budaj kommen. Während Budaj seit dem Abgang von David Aebischer sich nicht steigern konnte bei den Colorado Avalanche, geht es bei Jaroslav Halak stetig aufwärts. Im Moment ist der Schlussmann der Montreal Canadiens, bei den gehaltenen Schüssen auf dem dritten Platz in der NHL. Anders sieht es bei Budaj aus. Er konnte sich nicht unter den besten 50 Torhütern einrehen und kam bisher nur auf 11 Spiele im Dress der Avalanche. Ob er also viel spielen wird, wird sich zeigen. Aber ein zuverlässiger zweiter Torhüter wird Budaj sicher sein. Wie sieht es in der Abteilung Toreproduktion aus? Dort stehen mit Marian Gaborik und Marian Hossa die toreffektivsten Spieler der Slowakei auf dem Eis. Dabei war Gaborik mit 34 Treffern der erfolgreichste Schütze der Slowaken. Hossa folgt mit deren 16 auf dem zweiten Platz gefolgt von Michal Handzus mit 13 Toren. Danach klafft eine grosse Lücke. Wer diese füllen soll, steht in den Sternen. Dies wird wohl eine der schwersten Aufgaben sein, die Trainer Jan Filc in seiner Karriere haben wird. Wenn er aus der Mannschaft eine geschlosene Einheit formen kann und wenn er die besten Kräfte gut einsetzen kann und keine Verletzen dazu kommen werden, dann kann der fünfte Platz erreicht werden. Dann wäre dies das vermutlich letzte grosse Hurra der Slowakei für eine lange Zeit.

Tschechien - Jagr soll es noch mal richten

Kann das Nationalteam aus Tschechien an den Erfolg der letzen Olympiade anknüpfen? Mit der Bronzemedaille konnten die Spieler um Teamleader Jaromir Jagr nach Hause fahren. Dieses Jahr wird es nicht eindach werden. Ein Platz unter den ersten sechs liegt aber im Bereich des Möglichen.

Die Tschechen vertrauen aber nicht nur auf die Routiniers. Mit Ondrej Pavelec und Jakub Stepanek vertraut man einem jungen Torhüter-Duo. Diese beiden jungen Torhüter sollen für die Zukunft aufgebaut werden. Im Tor dürfte dafür Tomas Vokoun gesetzt sein. Der Routinier soll vor einer soliden und guten Defensive die Scheiben stoppen. Dass er nicht viel Arbeit bekommt, dafür sollen seine Kollegen um Marek Zidlicky und Tomas Kaberle sorgen. Beide sind immer wieder für gute Schüsse ab der blauen Linie gut und können so das eine oder andere Tor erzielen. Sollte der Sturm also nicht treffsicher sein, die Verteidigung kann durchaus der Patsche helfen. Im Sturm läuft vieles über Jaromir Jagr. Kann er dem Druck, der auf ihm lastet, erfolgreich entgegen wirken? Falls nicht, ist mit Patrik Elias ein weiterer Topstürmer im Team. Mit seiner grossen internationalen Erfahrung soll der Stürmer der New Jersy Devils den Druck von den Schultern Jaromir Jagrs nehmen. Doch ansonsten sieht es im Angriff nicht gerade rosig aus. Ob sie an diesen Spielen noch einmal alles abrufen können und so die Tschechen in das Halbfinale bringen können?

Der Glanz verblasst

Die Tschechische Nationalmannschaft muss einiges beweisen. In den letzten Jahren stieg man in der Weltrangliste langsam ab. Nun liegt man in dieser auf Rang sechs. Die Schweiz liegt mit nur 170 Punkten Rückstand auf dem siebten Platz. Je besser die Tschechen abschneiden, desto grösser können sie den Abstand auf die Konkurrenz vergrössern und nach oben schauen. Einfach wird dies jedoch nicht werden. Die spielbestimmenden Spieler sterben bei den Tschechen, wie auch bei den Slowaken, aus. Jaromir Jagr, Tomas Vokoun, Philipp Kuba, Pavel Kubina oder Patrick Elias sind nur einige wenige, welche in die Jahre gekommen sind.

Finnland – Abschied der Legenden?

Werden diese Olympischen Spiele die letzten der alten finnischen Garde sein? Vieles deutet darauf hin das Sakku Koivu, Kimmo Timonen, Teemu Selänne und Ville Peltonen das letzte Mal an einem Grossanlass teilnehmen werden. Was können diese Stars in Vancouver noch erreichen?

In den letzten Jahren konnten die Finnen an den internationalen Veranstaltungen immer wieder überzeugen. Vor vier Jahren wurde man zuletzt erst im Finale von Erzrivale Schweden bezwungen. Man versucht vom finnischen Verband noch einmal alles, um dies zu erreichen. Mit Mikka Kirpusoff und Niklas Backstrom sind die beiden ersten Positionen im Tor überdurchschnittlich gut besetzt. Sollte einer der beiden sich verletzen steht mit Antero Niitimäki ein weiterer ausgezeichneter Schlussmann im Team. Ob die Schlussmänner jedoch viel Arbeit bekommen werden? Dies ist nicht anzunehmen, wenn man auf die Liste der aufgebotenen Verteidiger blickt. Angeführt von Kimmo Timonen, Toni Lydman und Sami Salo stehen erfahrene und harte Abräumer im Team. Daran wird wohl kaum ein Angreifer problemlos vorbei kommen. Und falls doch, dann sind ja noch die starken Torhüter da.

Stürmer sind verletzungsanfällig

Auch nicht zu verachten sind die Stürmer - angeführt von Teemu Selänne, Sakku Koivu und Olli Jokkinen verfügen die Finnen über eine so grosse Feuerkraft im Sturm, dass sie das eine oder andere Tor mehr als der Gegner erzielen können. Die Frage ist nur, kann der Sturm von Verletzungen verschont bleiben? Denn anders als in Turin, können keine Ersatz-Spieler nachnominiert werden. Und die langen Absenzen von Sakku Koivu und Valtteri Filppula haben nicht gerade für deren Spielpraxis gesorgt. Können aber andere Stürmer einspringen, wenn sich andere verletzen? Dies wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Denn nur mit gesunden Spielern können die Finnen dieses Jahr wieder zu einem Höhenflug ansetzen.