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Die Favoriten – Und wer wem ein Bein stellen kann |
Im dritten Teil schauen wir uns die Favoriten an: Kanada, USA; Russland und Schweden. Wer kann den Kanadiern die Party versauen? Sind es die USA, der ewige Rivale Russland oder die kühlen Schweden aus dem hohen Norden?
Können die Schweden in diesem Jahr den Titel verteidigen? Es wird sicher kein einfaches Unternehmen sein, dies zu machen. Denn die Gegner haben aufgerüstet und senden nicht mehr ein Team an die Spiele, welches aus alten Stars besteht (Kanada), haben einen neuen Coach mit neuen Ideen an der Bande (Russland) oder greifen auf eine junge und hungrige Truppe zurück (USA). Was kann Schweden gegen diese Konkurrenz ausrichten? Ist man ehrlich, ist dies ein in die Jahre gekommener Kader, das von Peter Forsberg angeführt wird. Forsberg, der an der Eröffnungszeremonie die Fahne Schwedens trug, ist derjenige Spieler auf dem die grössten Hoffnungen ruhen. So muss er denn die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern tragen. Oder helfen ihm seine Landsleute dennoch aus dem Dilemma? Ein weiterer Blick auf die Kaderliste gibt einem das Gefühl, dass die Mischung von Verteidigern und Angriff gut ausgewählt wurde. Auch auf der Torhüter-Position wurde mit Jonas Gustavsson, Stefan Liv und Henrik Lundqvist ein Trio gewählt, welcher jeder einzelne der drei Spiele entscheiden kann. Jeder konnte in der Vergangenheit beweisen, dass er das Zeug dazu hat, eine gute Nummer eins zu sein. So kann Bengt-Åke Gustafsson bei einer allfälligen Verletzung immer noch auf einen guten dritten Torhüter zurückgreifen. Wer das sein wird, kann nicht gesagt werden.
Routinierte Verteidigung – Viel Feuerkraft im SturmDie Verteidigung wird durch routinierte und junge Cracks gebildet. Tobias Enström wird mit Henrik Tallinder im Team spielen und so wichtige Erfahrungen sammeln können. Erfahrung, welche in den kommenden Jahren wichtig sein werden. Gleiches kann man von den anderen Spielern nicht behaupten. Entweder hatten sie schon Erfahrung an den Olympischen Spielen oder konnten diese an den Weltmeisterschaften sammeln. Keine weiteren Erfahrungen sammeln muss der Sturm. Dort stehen mit Peter Forsberg, Daniel Alfredsson, Henrik Zetterberg und den Sedin-Zwillingen viel Feuerkraft auf dem Eis. Diese sollte reichen, um wenigstens in das Halbfinale vorzudringen. Doch ob danach auch das Finale erreicht werden kann und dabei der Titel aus Turin erfolgreich in Schweden gehalten werden kann, wird sich zeigen. Ein schöneres Abschlussgeschenk könnte es für Gustafsson nicht geben.
Spricht und schreibt man von den Favoriten darf man die USA nicht vergessen. Denn das Team USA kann die Party zusammen mit Russland oder Schweden den Kanadiern versauen. Und was gäbe es besseres als ein Sieg des Unerwarteten?
Sollte die USA die Olympischen Spiele gewinnen, dann würde es für die NHL keinen Grund mehr geben, die Meisterschaft für Sotschi nicht ruhen zu lassen. Zu sehr wäre Kanada gekränkt. Man würde sich eine Niederlage gegen die Nachbarn nicht gönnen wollen. So oder so setzen die USA alles daran, den Titel in ihr Land zu holen. Und General Manager Brian Burke konnte ein gutes und schlagkräftiges Team zusammenstellen. Im Tor vertraut der 55-jährige Brian Burke auf Ryan Miller und auf die beiden etwas gleich starken Jonathan Quick und Tim Thomas. Beide werden in etwa zu gleich vielen Einsätzen kommen. In der Verteidigung baut Trainer Ron Wilson auf Brian Rafalski als Leithammel. Dabei wird er unterstützt von Erik Johnson, welcher, nach einem Jahr Pause, wieder zurück in die NHL arbeiten konnte und nun mit den St. Lous Blues an seine alten Leistungen anknüpfen konnte. Ebenfalls im Team wird sein Namensvetter Jack Johnson sein. Beide sind aber nicht verwandt. Doch Erik Johnson wird in Vancouver kein einfaches Leben haben. Vor vier Jahren checkte er an der U20-Weltmeisterschaft Steve Downie in den Kopf. Dies haben ihm die Kanadier bis heute nicht verziehen.
Im Sturm die jungen WildenDie erste Linie der Amerikaner wird mit dem Duo Zach Parise und Patrick Kane gestaltet sein. Wer dabei diese beiden ergänzen wird ist noch nicht entschieden. Kane und Parise verfügen beide über Fertigkeiten, welche bei einem Spieler gerne gesehen sind. Vor allem deren Geschwindigkeit und deren Kontrolle der Scheibe sind zwei der besten Eigenschaften, die sie haben. Wer übernimmt aber hinter den beiden die Verantwortung? Dort ist sicher eine Lücke zu finden. Die Amerikaner hoffen aber auf die Fähigkeiten ihrer Veteranen Jamie Langenbrunner und Chris Drury. Dazu gesellen sich noch die beiden Neulinge auf olympischem Niveau Phil Kessel und Ryan Suter. Gerade der letztere wird in engen Spielen mit seiner internationalen Erfahrung durchaus Akzente setzen können. Nicht umsonst gewann er 2004 mit der Juniorennationalmannschaft die Goldmedaille. Ist dies das Omen, welches die Amerikaner brauche, um den Kanadiern die Party zu versauen?
Kann das russische Team in diesem Jahr Schweden ablösen oder scheitern sie an einer Defensive, welche nicht besonders stark eingestuft wird? Welche Rolle kann Ovechkin in diesem Team einnehmen? Wird Routinier Kovalev in die Bresche springen und das Team führen? Viele offene Fragen, welche in den kommenden Tagen beantwortet werden.
Russland kann an diesem Turnier zusammen mit Kanada zu den beiden Top-Favoriten gezählt werden. Es scheint jedoch, dass das Kader der Russen weniger tief besetzt ist, als dies bei den Kanadiern der Fall ist. Vor allem in der Defensive sind die Russen nicht mit Stars bespickt. Und die Sololäufe von Verteidigungsmuffel Alexander Ovechkin können dem Team den nötigen Vorsprung verschaffen. Was geschieht aber, wenn die Russen einem Rückstand nachrennen müssen? In diesen Situationen ist die Verteidigung umso mehr gefordert, da dann die offensive nach vorne orientiert sein wird und kaum nach hinten arbeiten wird. So kann der Gegner dann die Führung ausbauen. Sollten die Russen mit zwei und mehr Toren in Rückstand sein, kann der Gegner meistens sicher sein, das Spiel für sich entschieden zu haben. Ausser Ovechkin hat erneut einen Energieanfall und dreht das Spiel im Alleingang. Dies wurde in den letzten Jahren zu einer seiner Spezialitäten.
Torhüter und Verteidiger sind entscheidendEinen wichtigen Teil zu einer möglichen Goldmedaille wird dem Torhüter zugeschrieben werden. Wird Ilja Bryzgalov oder Evgeni Nabokov zwischen den Pfosten stehen? Dies wird keine einfache Entscheidung sein für den Trainer. Denn beide verfügen über ein gutes Palmares. In engen Spielen könnte dabei die Unerfahrenheit von Bryzgalov an olympischen Spielen den Unterschied ausmachen. Oder wird er daran wachsen und Routinier Nabokov verdrängen? Eine weitere Frage, welche sich erst während den Spielen entscheiden wird, ist, ob die Verteidigung gut genug ist oder nicht. Sicher ist, dass diese gegen Teams wie die USA oder Kanada einen schweren Stand haben wird. Denn einzige Sergej Gonchar und Andrej Markov sind Spieler, welche die Scheibe in der eigenen Zone laufen lassen können. Dazu sind sie auch in der Lage den einen oder anderen harten Check auszuteilen. Doch reicht ein paar überdurchschnittliche Verteidiger aus, um die Tore des Gegners zu vermeiden? Hier muss Slava Bykov noch das eine oder andere nachbessern. Erreicht er dies, kann auch Russland zu einer der grösseren Überraschungen werden.
Für den Gastgeber zählt nur eines: Gold! Alles andere wird als Niederlage eingestuft. Durchaus ist es möglich, dass ein ganzes Land in kollektive Hysterie ausbrechen wird, wenn die Kanadier nicht erfolgreich sein sollten. Was durchaus im Bereich des Möglichen ist.
Eigentlich sollte bei den Kanadiern nichts anbrennen. Der Champagner kann kühl gestellt werden, die Party vorbereitet. Oder doch nicht? Durch diese hohe Erwartungshaltung im eigenen Land und der letzten Enttäuschung an den olympischen Spielen in Turin, wollen die Kanadier alles daran setzen um diese vergessen zu machen. Genau hier liegt eigentlich der Knackpunkt der ganzen Spiele. Kann das Team von Trainer Mike Babcock mit diesem Druck umgehen? Kann Sydney Crosby, Ryan Getzlaf oder Jonathan Toews mit den Erfahrungen ihrer ersten Teilnahme an Olympia umgehen? Diese Frage kann man wohl erst am Ende der Spiele definitiv beantworten. Sicher ist aber dass die Kanadier mit Spielern wie Dany Heatley, Joe Thornton oder Rick Nash erfahrene Spieler haben, welche in den entscheidenden Spielen durchaus das Zünglein an der Waage spielen können. Sollte es vorne mit dem Tore schiessen nicht klappen oder ein enges Spiel werden, steht hinten eine gute Verteidigung bereit, den Gegner zu neutralisieren.
Auch in Sotschi dabei?Angeführt von Scott Niedermayer und Chris Pronger sollten die Verteidiger jedem Sturm gewachsen sein. Alleine die Erfahrung von Niedermayer ist so gross, dass er in entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffen kann. Aber auch an Drew Dougthy oder an Shea Weber werden sich die Gegner die Zähne ausbeissen. Im Tor haben die Kanadier die Qual der Wahl. Jeder der drei nominierten Schlussmänner kann an guten Abenden den Unterschied ausmachen. Mit welchen Coach Mike Babcock das erste Spiel bestreiten wird, ist noch nicht ganz sicher. Es scheint aber im Moment, das dies Martin Brodeur sein wird. Der 38-jährige Routinier scheint so heiss auf die Spiele zu sein, wie kein anderer seiner beiden Kollegen. Im ersten Spiel könnte Roberto Luongo die Rolle als Backup zugesprochen bekommen. Marc-André Fleury wird vor allem teilnehmen können, um in der Zukunft an den olympischen Spielen der Torhüter erster Wahl zu sein. Vorausgesetzt, die NHL wird die Pause für Sotschi zu gestehen. Doch dies ist ein anderes Kapitel. Zuerst soll Kanada Gold holen. Danach will man auch bei der NHL über die Bücher gehen. Ob dabei der mögliche Titel eher ein Hindernis sein wird oder nicht wird sich zeigen.