Fotos von Thomas Oswald









Furrer: „Ich habe geschlafen“

Von Urs Berger

Überraschend kommt an den olympischen Spielen Philippe Furrer und nicht Goran Bezina zum Einsatz. Bezina musste nach einer weiteren Verletzung Forfait erklären. Wir haben mit Furrer über seine Freuden und Leiden gesprochen.

Philippe Furrer, wie haben sie erfahren, dass Sie nun doch im Kader sind?

Ich habe geschlafen, als mein Handy klingelte. Als ich abnahm war Sarah (Haslebacher, Mitarbeiterin des SIHA, Anm. der Red.) am Telefon. Sie sagte mir dann, das ich und nicht Gogo (Goran Bezina, Anm. der Red.) im Team sein. Bezina habe sich eine andere Verletzung zugezogen und könne aus diesem Grund nicht am Turnier teilnehmen. Ich solle so schnell wie möglich zum Team stossen.

Was war das für ein Gefühl?

Zuerst dachte ich, dass dies nicht wahr sein könne. Innerlich hatte ich mit dem Turnier bereits abgeschlossen. Und so war es für mich eine Riesenüberraschung den Sprung in das Team dennoch geschafft habe. Mir fehlen noch fast etwas die Worte.

Können Sie nachvollziehen, wie sich Goran Bezina fühlt?

Ja, das kann ich gut. In den letzten Tagen war es nicht einfach für mich. Ich war beim Team und doch nicht beim Team. Ich wusste, dass ich nur bei einer Verletzung von Goran Bezina dabei sein würde. Dass dies nun eingetroffen ist etwas Spezielles. Ich habe mit kaum 5% gerechnet. Und nun bin ich dabei und muss nicht abreisen. Aber um die Frage zu beantworten. Ja, ich kann nach vollziehen, dass es Goran Bezina schmerzt. Er war einer der gesetzten und muss nun wegen einer Verletzung Forfait erklären. Das ist sehr bitter. Zumal die Spiele hier in Kanada wohl einmalig sein werden.

Sie waren ja bereits an der Pforte des olympischen Dorfes, haben dessen Luft geschnuppert und konnten doch nicht rein. Wie haben sie sich in diesem Moment gefühlt?

Wir haben zu dem Zeitpunkt, als wir uns entscheiden mussten, wer hinein darf und wer nicht, bereits vier Stunden in der Akkreditierungszone verbracht. Dann kam aus, dass nur noch einer mit in das Dorf kann. Patrick von Gunten und ich waren uns daher sicher, dass es einen von uns beiden treffen würden. Wir wussten ja von Anfang an, dass es darum geht, wer von uns beiden das Team erreichen kann. Als die Trainer sich dann gegen mich entscheiden haben, war es mir klar, dass ich nach Hause reisen musste. Ich war enttäuscht. Am Abend war dann die Eröffnungszeremonie. Diese habe ich nicht einmal geschaut. So sehr war ich am Boden, dass ich mir das nicht antun wollte. Stattdessen habe ich mir eine Massage gegönnt und bin früh ins Bett gegangen.

Sie waren frustriert und enttäuscht so nahe am Ziel zu sein und doch nicht dabei sein zu können. Nun kehren sie in das Team zurück. Können sie sich überhaupt auf die neue Aufgabe konzentrieren?

Ja, das kann ich. Ich weiss, dass ich nun an den wohl bedeutendsten Spiele für dass Eishockeys teilhaben kann. Dadurch bin ich genug motiviert. Dazu noch die ganze Geschichte mit der Fast-Abreise. Das spornt mich noch zusätzlich an und gibt mir noch einmal einen speziellen Kick.

Konnten sie ihre Angehörigen schon informieren?

Ich habe versucht, meine Freundin zu erreichen. Doch sie hatte das Natel abgeschaltet und einen Festnetzanschluss haben wir nicht. Also musste ich über die Gebrüder Laciga ihr mitteilen, dass ich im Team bin. Ich habe ihnen dann gesagt, sie sollen es ihr schonend Beibringen. Nicht das sie noch einen Herzinfarkt hat (lacht).