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Höhenflug auf Hillers Karrierenleiter

Von Martin Merk

Jonas Hiller sorgt in Nordamerika für Schlagzeilen. Er erhielt einen Vierjahresvertrag über 18 Millionen Dollar und ist damit nun hochoffiziell die klare Nummer eins im Tor. Das Vertrauen zahlt er mit starken Leistungen zurück, die Anaheim doch noch in die Playoffs bringen könnten. Doch auch mit der Schweizer Nationalmannschaft möchte er an der Olympiade einen Effort leisten. hockeyfans.ch sprach nach dem 3:1-Sieg über die Detroit Red Wings mit dem Appenzeller.

Jonas Hiller, Gratulation zu deiner guten Zeit. Es scheint ja in allen Belangen gut zu laufen.

Ja, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Es läuft gut für mich auf dem Eis und ich bin froh, dass ich die Vertragsunterzeichnung rechtfertigen kann. Auch die ganze Mannschaft spielt besser als noch anfangs Jahr. Es sieht auch wieder gut aus mit den Playoffs. Wir haben wichtige Spiele, wo jeder seine Bestleistung abrufen muss und ich hoffe, dass wir noch vor der Olympiapause auf einen Playoff-Platz kommen.

Auch dir scheint es besser zu laufen, seitdem du die klare Nummer 1 bist.

Der mentale Aspekt und wie man sich fühlt ist bei einem Torhüter schon wichtig. Klar gibt es Sicherheit, wenn man merkt, dass der Trainer und das Team hinter dir stehen, auch wenn es mal einen Abend nicht gut läuft. Das gibt ein gewisses Selbstvertrauen.

Eine Serie von 155 Minuten ohne Gegentreffer ist zu Ende gegangen. Realisiert man das überhaupt?

Ja, das merkt man schon, man versucht möglichst wenig Tore zu erhalten und möglichst lange keine zu erhalten. Ich merke, dass es gut läuft und auch die Teamkollegen mich unterstützen. Es macht Spass hier zu spielen.

Wie sehr liegen für Anaheim die Playoffs noch drin?

Nach diesem Spiel sind es noch drei Punkte auf Detroit, wir spielen noch zweimal gegen Los Angeles, die knapp vor uns sind und gegen Calgary, die leicht vor uns sind. Am Ende wird es knapp, aber wir haben es in den eigenen Händen von dem her. Momentan ist jedes Spiel ein Playoff-Spiel. Denn wenn man mal drei Spiele verliert, ist man schon wieder weg.

Wie weit könnten die Anaheim Ducks dieses Jahr kommen? Denkt man an den Stanley Cup?

Der Stanley Cup ist noch weit weg. Zuerst müssen wir mal in die Playoffs kommen, aber wir haben gezeigt, dass wir eines der besten Teams sein können und die Playoffs verdient hätten. Jetzt sind mal die Playoffs das erste Ziel und dort ist alles möglich.

Bei Anaheim gehörst du zu den Lieblingen der Fans. Wie geht man mit den Fans und kreischenden Mädels um in Kalifornien?

Das hält sich in Grenzen, in Davos haben mehr Leute ausgeharrt nach dem Spiel, aber ich spüre natürlich den Rückhalt von den Fans nach den zweieinhalb Jahren die ich hier gespielt habe. Aber wir haben super Fans hier, auch wenn Kalifornien nicht als eine Eishockey-Hochburg gilt. Es sind immer viele Leute da und ich freue mich auf die nächsten vier Jahre hier.

Du bist in Anaheim auch beliebt für deine Bescheidenheit. Kann man da von Appenzeller Bodenständigkeit sprechen?

Am Schluss bin ich hier angekommen, weil ich nicht zufrieden war. Es war schon immer in mir drin, dass ich immer besser werden möchte und nicht zufrieden sein möchte, mit dem was ich bin und wo ich bin. Dass es immer noch besser geht. Ich weiss nicht, ob dieser Perfektionismus aus dem Appenzellerland mitkommt oder von meinen Eltern geerbt sind, aber nicht abheben und irgendwodurch realistisch bleiben, dass man nicht zuoberst auf der Leiter ist, sondern es immer noch einen Schritt weitergeht, ist schon etwas, was wichtig ist, wenn man Erfolg haben möchte über längere Zeit.

Wie kann man sich den Ablauf von so einer Vertragsverlängerung vorstellen wie bei dir?

Zum Glück hab ich einen Agenten, der das machte, so dass ich mich aufs Spielen konzentrieren kann. Er kam dann zwischendurch zu mir und besprach alles, und dann ging es zum Team zurück mit Vorschlägen für Anpassungen. So ging das paar Mal hin und her, bis es dann klappte.

Bist du dir richtig bewusst, dass du nun 18 Millionen Dollar in den nächsten vier Jahren erhältst?

Nein, das sind Zahlen, von denen ich vor ein paar Jahren nur davon geträumt habe. Es ist für mich noch nicht so richtig real. Geld ist ein Teil vom Geschäft, aber ich bin hier her gekommen um Hockey zu spielen gegen die besten Spieler der Welt. Hier in Anaheim habe ich nun eine gute Chance erhalten, die Nummer eins zu sein, aber ich weiss auch, was das für Verantwortung bedeutet.

Steigt für dich nicht auch der Druck, jetzt wo du so einen dicken Vertrag in der Tasche hast?

Klar, man kann schon nicht einfach sagen ich verdiene nun soviel und sich zurücklehnen, aber mache mir den meisten Druck ohnehin selber und will so oder so jeden Abend rausgehen und gut spielen, besser zu spielen als am Abend davor.

Hast du dir überhaupt schon Gedanken gemacht, was du mit so viel Geld machen möchtest?

Es hört sich für mich immer noch unrealistisch an. Ich habe schon immer gesagt, dass ich hoffe mit dem Hockey so viel Geld zu verdienen, dass ich nicht jeden Morgen früh aufstehen muss ins Büro oder auf den Bau. Von dem her bin ich diesem Ziel einen Schritt näher gekommen. Da ich nun vier Jahre da sein werde, denke ich auch über ein eigenes Haus hier nach, vielleicht schon für nächste Saison, aber auch dass ich mich in der Schweiz umschauen werde, wo ich mich nach dem Hockey leben will. Daher will ich bisschen investieren und freue mich auf solche Projekte.

Hast du schon Gegenden in Sicht?

Ich denke hier wird es schon wieder in Newport am Meer sein, wo ich meine Wohnung habe, aber es ist auch dementsprechend teuer. Mal schauen, was drinliegt. Momentan ist es ja kein schlechter Moment etwas zu kaufen, wenn der Markt so tief ist. Ob ich in meine spätere Zukunft im Bündnerland sehe, weiss ich noch nicht, auch wenn ich jeden Sommer gerne in Davos bin. Mir gefallen auch das Wasser und die Seen, von dem her könnte es auch im Unterland sein, aber mal schauen.

Du bist ab nächster Saison der bestverdienende Schweizer Sportler nach Roger Federer und vor Mark Streit. Wie fühlst du dich bei all dieser Wertschätzung?

Es hört sich irreal an, denn an Roger werde ich nie rankommen. Er ist irgendwie ein Idol für mich. Er hat eine unglaubliche Konstanz und ich bewundere ihn sehr. Es ist natürlich ein schönes Gefühl, irgendwo da oben zu sein. Mark Streit verdient ja ähnlich und es ist schön dass Schweizer zeigen können, dass sie eine wichtige Rolle im Team übernehmen können und nicht bloss Statisten sind. Wir können so ein Vorbild sein für jüngere Spieler, damit so motiviert sein, diesen Weg zu gehen und rüberzukommen. In anderen Sportarten ist es schwieriger Geld zu verdienen, da haben wir es im Hockey sicher einfacher. Aber ich freue mich vor allem, die nächsten vier Jahre in Anaheim zu bleiben und das Vertrauen vom Vorstand und Management zu spüren.

Vermisst du denn die Schweiz, so weit weg an der US-Westküste?

Ja, Familie und Freunde sehe ich halt während der Saison selten und Weihnachten ohne Schnee ist für mich immer noch ein bisschen merkwürdig. Aber ich habe mich gut eingelebt in Kalifornien, freue mich aber auch, wenn ich jeweils im Sommer in der Schweiz bin, um mich auf die Saison vorzubereiten.

Was kannst du zu den Schweizer Fans sagen, die dich etwas weniger oft sehen?

Ich freue mich sehr auf Vancouver und das wird eine gute Möglichkeit sein, mich im Schweizer Fernsehen etwas öfters zu sehen und in der Schweiz ist die Vorfreude sicher auch gross.

Bald geht es ja los in Vancouver.

Ich freue mich natürlich, mit der Schweizer Nationalmannschaft dabei zu sein, auch wenn wir nun noch wichtige Spiele mit Anaheim haben vor der Olympiapause. Die Olympiade in Vancouver ist etwas Spezielles fürs Hockey. Ich hoffe, dass wir zeigen können, dass das Schweizer Eishockey in den letzten Jahren Fortschritte gemacht hat. Und dass man auch gegen einen Grossen gewinnt, und vielleicht auch mal im Viertelfinale statt in der Vorrunde.

Wie sehr freust du dich, jetzt wieder mal im Nationalteam zu spielen?

Es ist eine riesige Vorfreude, auch wenn es noch etwas weit weg schein. Ich freue mich, dass ich wieder einmal gemeinsam mit den Schweizern spielen kann. Und ich freue mich auch hiesig, die Teamkollegen wiederzusehen. Die Olympiade war natürlich schon immer ein Traum und nun ist sie in Vancouver, wo Eishockey die Attraktion ist.

In Vancouver bekommt ihr es mit Kanada und den USA in voller NHL-Besetzung zu tun. Wie siehst du da die Chance für die Schweizer?

Es wird auch riesig, auch gegen die besten Spieler der Welt zu spielen. Das ist eine grosse Herausforderung. Man hat an der letzten Olympiade oder auch an der U20-WM gesehen, dass man auch gegen grosse Nationen gewinnen kann mit ein bisschen Glück und einem perfekten Spiel. Es muss alles zusammenstimmen, auch wenn das natürlich nicht jedes mal gelingt. Man muss Spiel für Spiel nehmen, und hoffen dass es dann auch im Viertelfinale und Halbfinale zu einer Überraschung klappen könnte. Das Eröffnungsspiel spielen, gegen Kanada spielen, das sind unglaubliche Spiele. Wir müssen da an uns glauben und wenn alles stimmt, können wir es schaffen.

In Turin sah man, dass bei solchen Wundern auch der Torhüter extrem gefragt sein wird.

Der Torhüter ist natürlich in einer Position, wo er viel Einfluss aufs Spiel nehmen kann. Wenn ein Torhüter und die Defensive gut spielen, kann man selbst Spiele gewinnen ohne viele Tore zu schiessen. Von dem her weiss ich schon, dass da ein Druck auf mir lastet. Ich freue mich aber auch auf diese neue Herausforderung gegen die besten Spieler der Welt zu spielen.

Wie hast du den Rücktritt von Ralph Krueger nach der Olympiade empfunden?

Er hat mir angerufen und seinen Entscheid mitgeteilt. Ich weiss nicht genau, was da für Überlegungen eine Rolle spielen, aber er ist trotzdem noch Trainer und jeder freut sich auf die Olympischen Spiele.

Wo denkst du, könnte die Schweiz in Vancouver vom Platz her landen?

Wenn wir nicht daran glauben würden, dass wir jeden Abend aufs Eis gehen können und gewinnen können, müssen wir gar nicht gehen. Ob das realistisch ist, ist eine andere Frage. Von mir aus ist es aber schon das Ziel, nicht nur in der Vorrunde, sondern auch mal im Viertelfinale einen Effort zu machen und dafür hat es in der Mannschaft genug erfahrene und zielstrebige Spieler.