Fotos von Thomas Oswald, Yves Maurer

   
   Gegenwind für den Nationaltrainer Ralph Krueger. (Klick für MMS)

   
   Eine von Kruegers letzten Handlungen an der WM 2009: Ein Time-out gegen die USA. (Klick für MMS)



Der erwartete Entscheid

Von Urs Berger

Schon lange hat man darauf gewartet. Heute gab Nationaltrainer Ralph Krueger seinen Rücktritt nach Vancouver bekannt. Und geht damit seinen Weg konsequent zu Ende.

Ralph Krueger ist einer der besten Nationaltrainer den es je gab. Ihm hat das Schweizer Eishockey mehr zu verdanken als jedem anderen Trainer zu vor. Unter ihm stiess das Schweizer Eishockey unter die besten sieben Nationen der Welt vor. Dank ihm wurde das Schweizer Eishockey auch in der Welt des Eishockeys wieder salonfähig. Nationen wie Russland und Schweden haben auf einmal einen neuen Sparringpartner gefunden. Und spielen gerne gegen die Schweizer. Statt nur unter sich zu spielen haben die grossen vier Nationen in Europa die Schweiz entdeckt. Und kommen gerne in die verlottertsten Hallen der Schweiz. Das Schweizer Eishockey ist auf dem bisherigen Höhepunkt angelangt. Nur konnte der charismatische Trainer die (zu)hohen Erwartungen an der Weltmeisterschaft im eigenen Land nicht erfüllen. Die Folge daraus war eine öffentliche Demontage des Trainers. Vor allem initiiert durch Artikel in der Boulevardpresse, welche den sofortigen Rückzug und die Vertragsauflösung von Krueger forderte. Dass dabei ein ehemaliger Spieler der Nationalmannschaft federführend war, entbehrt keiner gewissen Ironie. Man könnte nun fast geneigt sein zu sagen, dass dies eine späte Rache des Journalisten an Krueger ist. Denn unter Krueger kam derjenige nicht mehr viel zum Einsatz.

Auch andere Medien schossen gegen Krueger. So die „Berner Zeitung“ und „Der Bund“. Oder die „Le Matin“ und teilweise auch die Pendlerzeitung „20 Minuten“. Die Frage stellt sich nun, ob so viele andere Journalisten auch irren können? Um dies schlüssig zu beantworten muss man die teilweise missglückte Kommunikation der letzten Jahre von Ralph Krueger verfolgen. Seine Analysen waren in etwa immer dieselben. Die Sätze wirkten auf einmal nicht mehr frisch und spontan. Sie wirkten einstudiert. Abgedroschen. Vor allem an Pressekonferenzen sah man den wahren Ralph Krueger ab der Saison 2005 nicht mehr. Er flüchtete in eine Art innere Emigration. Abgestumpft von den immer gleichen Fragen der Journalisten. Traf man den Nationaltrainer jedoch zu einem Interview von Angesicht zu Angesicht, sah und spürte man seine Leidenschaft wieder. Das „Feu Sacre“ war zurück. Man fühlte, ja man spürte seinen Willen, das nächste Mal alles besser zu machen. Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und diese nicht mehr zu wiederholen. Und dennoch gab es einen Punkt, in welchem Ralph Krueger unnachgiebig blieb. Und genau dieser Punkt war es denn auch, welche die Medien bei jedem neuen Aufgebot wieder ins Spiel brachten. Oder wenn der Trainer keinen Erfolg hatte. Diese Wunde, diese Beharrlichkeit des Neinsagens zu einem Spieler war denn auch eine der Konstanten, welche Ralph Krueger stets begleitete und an ihm haften blieb. Abzulegen vermochte er dies nicht. Und wollte er auch nicht.

Nun ist also die Zeit von Krueger nach den kommenden Olympischen Spielen abgelaufen. Er nimmt seinen Hut und geht, mehr oder weniger, freiwillig. Er sucht sicherlich eine neue Herausforderung. Diese könnte durchaus die Stelle des Nationaltrainers aus Deutschland sein. Denn dort, so vermuten auch viele Experten aus Deutschland, liegt eine neue grosse Aufgabe für Krueger. Der DEB und die DEL liegen im Dauerstreit. Uwe Krupp, der eigentlich der Heilsbringer gewesen wäre, kann seine Erfahrung, seinen Willen nicht durchbringen und steckt mit der Nationalmannschaft in einem Dilemma. Da käme ein Trainerwechsel vor den Heimweltmeisterschaften nicht ungelegen. Und so würde sich der neue Kreis dort öffnen, wo ein alter Begann. Mit einer Weltmeisterschaft zu Hause und mit einem möglichen Überraschungserfolg. Und wer weiss, vielleicht wird Ralph Krueger eines Tages dann aus der alten Heimat endlich die Genugtuung erfahren, welche ihm in den letzten drei Jahren verwehrt geblieben ist.