Philippe Bozon in Lugano vorgestellt

Von Maurzio Urech

Der Franzose Philippe Bozon, der Nachfolger des am Montag entlassenen Kent Johansson, leitete heute morgen zusammen mit Bertaggia sein erstes Training, bei dem Hnat Domenichelli krankheitshalber fehlte, und stellte sich anschliessend der Presse.

Als erstes wollten wir von Bozon wissen, welches seine Prioritäten seien.

Als erstes will ich mit jedem Spieler ein Einzelgespräch führen, ich habe schon mit verschiedenen Leuten im Umfeld des Vereins gesprochen und habe ein ziemlich klares Bild der aktuellen Situation. Von den Spielern möchte ich nicht nur wissen, was sie selber dazu zu sagen haben, sondern ich werde auch meine Vorstellungen und Ideen mitteilen, was ich von jedem einzelnen erwarte. Logischerweise werde ich in dieser kurzen Zeit nicht alles auf den Kopf stellen, das Spielsystem wird beibehalten, jeder Spieler wird mehr in die Verantwortung genommen. Wichtig ist, dass wir für die zwei wichtigen Spiele vom Wochenende bereit sind.

Mit was für einem Gefühl kehren Sie nach Lugano zurück?

Ich habe immer ein gutes Verhältnis zu allen hier in Lugano gehabt, und immer wieder wurde gesagt, dass ich früher oder später nach Lugano zurückkommen werde. Ein Verein, der für mich immer wichtig war und es auch immer noch ist. Ich werde mein bestes geben damit, dieser Verein wieder Erfolg hat. Diese Aufgabe ist für mich eine grosse Ehre.

Sie hatten ja immer das Ziel eines Tages in der NLA zu coachen. Ihren ersten Job treten sie ausgerechnet in Lugano an. Ein Verein, der in den letzten Jahren viele Trainer kommen und gehen sah. Sicherlich keine leichte Aufgabe?

Das ist eine grosse Herausforderung und gleichzeitig eine riesige Motivation für mich. Hier kann man viel erreichen. In diesen Job lege ich alle meine Energie ohne über das Morgen nachzudenken. Ich will alles für den Erfolg tun. Ich wartete schon seit längerer Zeit darauf eine Chance zu erhalten. Im Sport kann man nie im voraus planen, doch plötzlich erhält man eine Chance. In den Gesprächen mit Herrn Habisreutinger ging es darum, ob ich diese Herausforderung annehmen würde. Die Antwort war ja. Natürlich sind wir uns bewusst, dass wir unter Druck stehen, doch dies ist für mich kein Problem, denn ich kenne je diese Situationen aus meiner aktiven Zeit.

Wie hätten Sie sich als aktiver Spieler verhalten wenn ein neuer Coach gekommen wäre, ohne eine grosse Erfahrung?

Nun als Spieler habe ich immer versucht auf dem Eis mein Maximum zu geben um meinem Team zum Sieg zu verhelfen. Auch wenn ich Probleme mit dem Trainer hatte, ich ging immer mit dieser Mentalität aufs Eis, also hätte sich auch nichts daran geändert wenn ein Coach mit wenig Erfahrung gekommen wäre. Ich hoffe es gelingt mir diese Einstellung auch an die jetzige Mannschaft weiterzugeben. Jeder muss sein bestes geben, denn nur als Mannschaft können wir Erfolg haben.

Von der aktuellen Mannschaft kennen Sie nur Julien Vauclair und Andy Näser, mit denen Sie noch gespielt hatten. Konnten Sie sich in diesen Tagen ein paar Spiele auf Video ansehen um die Spielweise der Mannschaft kennen zu lernen?

Ich hatte die Mannschaft schon bei Ihrem Spiel in Genf gesehen und in diesen Tagen habe ich effektiv ein paar Spiele auf DVD gesehen, habe mir weitere Meinungen eingeholt und ich glaube ich habe ein klares Bild von den Schwächen der Mannschaft erhalten. Für die nächsten Spiele werden wir punktuelle Korrekturen vornehmen, es gibt sicherlich noch viele Details, die verbessert werden können, doch das wichtigste ist jetzt, dass wir alle auf die nächsten vier Spiele fokussiert sind, die wir gewinnen wollen. Nachher während den Olympischen Spielen haben wir genügend Zeit um weiter am System zu feilen.

Sie wohnen ganz in der Nähe von Genf in Frankreich. Am Sonntag bestreiten Sie praktisch ein Heimspiel.

Am Sonntag in Genf wird es sicherlich ein ganz spezielles Spiel für mich sein. Sicherlich mit Emotionen verbunden. Doch zuerst gilt es sich 60 Minuten auf das Spiel zu konzentrieren und versuchen dies zu gewinnen. Nachher werde ich genügend Zeit haben meine Freunde und Verwandten zu begrüssen.

Sandro Bertaggia, mit dem Sie zusammengespielt haben, ist Ihr Assistent. Ein Vorteil für Sie?

Mit Sandro hatte ich schon in den letzten Jahren einen regelmässigen Austausch. Dies aufgrund unserer Funktionen in den Junioren von Lugano und Genf. Diverse Male hatten wir davon gesprochen, dass es schön wäre einmal zusammen arbeiten zu können. Jetzt hat sich diese Möglichkeit ergeben und ich glaube es ist wichtig zu zeigen, dass wir als Einheit auftreten - nicht nur als Staff - und in die gleiche Richtung arbeiten. Dies soll der Mannschaft als Beispiel dienen, denn nur alle zusammen können wir Erfolg haben.

Sind Sie überrascht dass der HC Lugano mit dieser Mannschaft nur auf dem achten Platz steht?

Ich habe heute morgen der Mannschaft gesagt, dass wenn man das Kader diverser Mannschaften, die vor uns stehen mit unserem vergleichen, sehen wir, dass diese nicht mehr Talent haben als wir. Hier in Lugano habe ich eine Mannschaft mit viel Talent, aber das schöne am Sport ist ja, dass es nicht genügt eine gute Mannschaft auf dem Papier zu haben. Es spielen noch weitere Faktoren, wie als Einheit auftreten zu können, und dies versuchen wir in diesen Tagen der Mannschaft klarzumachen.

Noch zwei Fragen zum Abschluss. Wissen Sie schon mit welchen Ausländern sie morgen antreten werden und ist die Verpflichtung von Ville Peltonen ein Thema?

Wir haben noch verschiedene Fragezeichen. Domenichelli war heute krank, dazu erwarten wir noch die Entscheidung des Einzelrichters für Helbling, je nachdem werden wir mit einem oder zwei ausländischen Verteidigern antreten, zum Thema Peltonen weiss unser Sportchef mehr. (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde vor dem Entscheid des Einzelrichters geführt.)

Roland Habisreutinger: Ville Peltonen ist ein Name, der von Tessiner Journalisten ins Spiel gebracht wurde. Doch man muss realistisch bleiben. Wir sind mit seinem Agenten in Kontakt. Jedoch aufgrund der Verträge in der KHL, sind es die Vereine, die entscheiden was passiert. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Peltonen in ein anderes Team innerhalb der KHL transferiert wird und er daher für diese Saison kein Thema mehr in Lugano sein wird. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass wir trotzdem noch bis am Sonntag auf dem Transfermarkt aktiv werden.