Nächstes Ost-West-Duell am Spengler Cup?

Von Martin Merk

Am Samstag, am Stephanstag, startet traditionell der Spengler Cup in Davos. Auch wenn es bei Festtagsstimmung nicht todernst um den Sieg gibt, gelten wiederum die Teams aus dem Osten (Dynamo Minsk) und Westen (Team Canada) als Favoriten.

Dynamo Minsk statt Dynamo Moskau – dies mag sich zwar auf dem ersten Blick als eine Abwertung des KHL-Vertreters anhören, dafür erhalten die Fans in Davos aber ein reichlich internationales Team der russischen Liga. Dynamo Minsk fällt als weissrussisches Team nicht unter der Ausländerbegrenzung und könnte vom Kader her genauso gut aus Finnland kommen. Zu den Teamstützen gehört denn auch ein alter Bekannter in der Schweiz: der Ex-Luganesi Ville Peltonen. Bislang hat der Gipfelsturm aber noch nicht geklappt.

„Es ist eine schwierige Saison für uns. Wir haben uns verstärkt und sind von besseren Ergebnissen ausgegangen“, sagt Wladimir Gontscharow, der Vizedirektor des Clubs. Auch durch einen viel Wirbel auslösenden Trainerwechsel – Glen Hanlon wurde entlassen und hat als Konsequenz auch die weissrussische Nationalmannschaft verlassen – erhofft man sich neuen Schwung.

Der Spengler Cup könnte dazu seinen Teil beitragen. Die Spieler kommen raus aus dem KHL-Alltag mit Einkasernierung und langen Reisen. In Russland verbindet man den Spengler Cup mit Weihnachtsferien in einem idyllischen Kurort. Die Ziele sind auch durch den Flugplan gesetzt. „Wir wollen am Finaltag in Davos bleiben und Silvester in Davos feiern, das ist ein wichtiges Fest für uns“, sagt Gontscharow. Dann würde die Chartermaschine erst am 1. Januar von Zürich nach Nowosibirsk fliegen, wo der raue KHL-Alltag mit einem Spiel am 3. Januar weitergeht. Falls das Finale verpasst wird, müssen die Spieler zur Strafe schon einen Tag früher los.

Wird Dynamo Minsk wie vor einem Jahr die Moskauer den Titel in den Osten bringen? Besonders motiviert dies zu verhindern ist das Team Canada. Die Kanadier werden nach der letztjährigen Niederlage die Trophäe wieder nach Kanada bringen wollen und stellten auch dieses Jahr wieder eine Mannschaft zusammen, die bis auf wenige Ausnahmen aus anderen Ligen einem All-Star Team der National League A entspricht. Und auch für die Kanadier und ihrem grossen Familienanhang in Davos wird es eine Festzeit sein, die gleichzeitig mit unbeschwertem Eishockey geniesst werden soll.

Doch auch der HC Davos würde sein Heimturnier liebend gerne gewinnen, befindet sich jedoch nach einem Sommer mit für Davoser Verhältnisse vielen Wechsel in einer Art Übergangssaison.

„Wir sind mit dem Saisonverlauf zufrieden und haben erstmals seit vielen Jahren einen Umbau in der Mannschaft“, sagt der Sportchef René Müller. „Wir wussten daher, dass es schwierig wird.“ Sorgen bereitet ihm vor allem die Abwehr, die nach dem Rücktritt von Marc Gianola und durch die U20-WM (Stoop, Untersander) um drei Akteure gekürzt ist. Hier hofft man auf einen positiven Einfluss der Verstärkungen Nick Naumenko und Armin Helfer in der Abwehr. Dazu kommen der Ex-HCD-Goalie Reto Berra sowie die Stürmer Noah Clarke, Paolo Duca und Juraj Kolnik.

Wieder mit von der Partie ist Energie Karlovy Vary (Karlsbad). Die Mannschaft aus der tschechischen Kurstadt hat letztes Jahr nach dem Spengler Cup den Turnaround geschafft und die Spitze der tschechischen Liga gestürmt – bis hin zum Meistertitel. Es wurde gar über eine Aufnahme in die russische KHL verhandelt, doch fehlte es am nötigen Kleingeld.

Einen Turnaround hat das Team auch beim diesjährigen Spengler Cup dringend nötig. Karlovy Vary enttäuscht derzeit mit dem 12. Platz in der 14 Mannschaften umfassenden Extraliga.

Als Vertreter aus Deutschland kommt dieses Jahr Adler Mannheim. Die Baden-Württemberger sind eher bescheiden in die neue Saison gestartet, bis sie ihrem Motto „ready to win“ doch noch gerecht wurden und zeitweise Zweiter hinter dem Serienmeister Eisbären Berlin waren. Derzeit fliegen die Adler auf Platz sechs, allerdings liegen zum zweiten Rang nur vier Punkte Unterschied.

„Wir haben einen neuen Trainer, 13 neue Spieler, der Prozess dauert und ist noch lange nicht abgeschlossen. Der Spengler Cup wird sicherlich eine Zwischenstation sein, um uns international zu bewähren“, sagt der Pressesprecher Matthias Fries. „Im Moment sind die Eisbären Berlin das Nonplusultra, aber wir sind ihnen auf den Fersen und auf ständig hohem Niveau. Das sind wir der Tradition in Mannheim schuldig und wir wollen auch unsere 2005 gebaute Arena füllen. Dafür sind wir zu Erfolg verpflichtet.“

Letztes Mal vermochten die Adler am Spengler Cup zu unterhalten und erreichten den dritten Rang. Star im Team ist der dunkelhäutige Torhüter Fred Brathwaite.

Der Spengler Cup wird zum letzten Mal mit dem altbewährten Modus mit fünf Mannschaften, jede gegen jede, und dem Finale der besten zwei Teams gespielt. Schon seit geraumer Zeit plant das Organisationskomitee und Fredy Pargätzi die Aufstockung.

„Wir planen ganz klar nächstes Jahr mit sechs Mannschaften. Man kann also davon ausgehen, dass es das letzte Jahr mit diesem Format und fünf Teams sein wird“, sagt Pargätzi und begründet die Modusänderung wie folgt: „Wir müssen reagieren, um die Tradition retten zu können. Das Meisterschaftsprogramm in den Ligen wurde intensiviert und dann müssen wir Teams finden, die die Reisestrapazen und viele Spiele in Davos auf 1700 Meter über Meer auf sich nehmen, daher brauchten wir ein neues Format. Wir verdienen mit dem neuen Format überhaupt kein Geld, sie wird uns am Anfang Geld kosten. Es ist eine Investition in die Zukunft des Spengler Cups.“

hockeyfans.ch wird auch dieses Jahr vor Ort vom Spengler Cup in Davos und von der U20-WM in Kanada Berichte und Fotos auf deinen Computer bringen.