John Slettvoll will seinen Spielern Geborgenheit geben. Foto: Thomas Oswald (Auf Bild klicken für MMS)



Slettvoll: Das wichtigste im Sport ist Geborgenheit

Von Pascal Zingg

Am 1. Dezember kam es in der NLA zum ersten Trainerwechsel der laufenden Saison. Die Rapperswil-Jona Lakers entliessen ob ihrer misslichen Situation Raimo Summanen und ersetzten ihn durch John Slettvoll. Die Massnahme zeigte Wirkung, Rappi konnte vergangenes Wochenende zwei Mal gewinnen und schaffte damit den Anschuss an den Strich. Slettvoll wurde seinem Ruf als „Magier“ sofort gerecht, doch stellt sich die Frage, was für Erfolge er mit den Rosenstädtern feiern kann.

Unrühmliches Ende in Lugano

Der Schwede John Slettvoll ist in der Schweiz wahrlich kein Unbekannter. Ende der 80er Jahre führte er das „Grande Lugano“ zu vier Meistertiteln. Nach seinem Gastspiel in Lugano war Slettvoll kurz in Herisau tätig, ehe er 2008 nach Lugano zurückkehrte. Rund ein Jahr später am 7. Januar 2009 fühlte er sich von der Geschäftleitung hintergangen, weil diese hinter seinem Rücken seinen ehemaligen Spielmacher Kenta Johansson für die Saison 09/10 verpflichtete. Am vergangenen Wochenende gab Slettvoll nun seinen Einstand mit den Rapperswil-Jona Lakers. Beim ersten Heimspiel traf er ausgerechnet auf den HC Lugano. Trotz einer langen Vergangenheit mit dem Verein wollte Slettvoll aber nichts von einer alten Liebe wissen: „Im Sport kenne ich keine Sentimentalitäten, meine einzige Liebe ist meine Frau.“ Trotzdem war es etwas Spezielles nach knapp einem Jahr auf sein ehemaliges Team zu treffen: „Ich hatte eine gute Zeit mit dem Team in Lugano. Es war daher schon speziell, das ich alte Freunde wieder treffen konnte.“ Auch gegen Kenta Johansson, der nun für ihn an der Bande steht, hegt Slettvoll keinen Groll: „Kenta und ich haben viel zusammen erlebt, wir haben die vier Titel gewonnen und sind bis heute in Kontakt geblieben. Einzig mit einigen Funktionären hatte ich mich in Lugano nicht mehr verstanden. Immer wieder stand in der Zeitung, dass man Kenta zu meinem Nachfolger machen würde. Ich habe dann die Leute der Geschäftsleitung gefragt, ob dies stimmt. Man hat mir versichert, dass dem nicht so ist. Schliesslich habe ich Kenta angerufen und er hat mir bestätigt, dass man ihn für die Saison 09/10 verpflichtet hat. Ab diesem Augenblick war für mich klar, dass ich nicht länger bei diesem Verein bleiben konnte.“

Perfekter Einstand mit Rapperswil-Jona

Viel wichtiger als seine Vergangenheit in Lugano war Slettvoll jedoch sein aktuelles Team. Nach den zwei Siegen gegen Ambrì und Lugano war er vollauf zufrieden: „Es war eine Freude zu sehen, wie wir gespielt haben. Ich war überrascht, wie gut wir bereits gespielt haben.“ Ob so viel Lob für das Team fragt man sich natürlich, wieso man denn aus Rapperswiler Sicht in ein solches Loch fallen konnte. Für Slettvoll ist klar, dass die Gründe auf der zwischenmenschlichen Ebene zu suchen sind: „Zwischen dem früheren Trainer und dem Team hat es nicht funktioniert. Es gibt ein wichtigstes Wort im Teamsport und im Sport überhaupt, das ist Geborgenheit. Wenn du nicht in Ruhe und Sicherheit arbeiten kannst, kannst du dich nicht weiterentwickeln. Vorher hatte man eine Ambiance, wo es dies nicht gegeben hat. Es ist immer das Gleiche, wenn du ein Team übernimmst, das viele Niederlagen hinter sich hat. Alle Spieler sind verunsichert und haben Angst Fehler zu machen. Es war also meine erste Aufgabe den Spielern zu erklären, dass ich hinter ihnen stehe und dass ich sie nicht an den Pranger stellen werde, wenn sie einmal einen Fehler machen.“ Slettvoll hat dann auch eine konkrete Vorstellung, was er von seinen Spielern erwartet: „Es ist wichtig, dass wir jeden Spieler mit dem gleichen Respekt behandeln, egal ob er nun Ausländer ist oder in der vierten Linie spielt. Ich messe die Spieler auch nicht an den Toren, sondern daran, ob sie ihre Rolle im Team übernehmen. Wenn jeder seine Rolle spielt und Verantwortung für das Team übernimmt, kommen die Tore von alleine. Da ist es dann auch egal, ob ein Ausländer oder ein Schweizer Spieler die Tore schiesst.“

Was bringt die Zukunft?

Nach dem erfolgreichen Wochenende stellt sich die Frage, welche Erfolge Slettvoll mit Rapperswil feiern kann. Er selber gibt sich bei dieser Frage bedeckt: „Ich habe gesehen, dass das Team etwas kann. Nun gilt es noch einige Details wie das Powerplay zu verbessern, dann werden wir sehen was diese Saison noch möglich ist.“ Klar ist, mit den Siegen gegen Ambrì und Lugano haben die Lakers zwar den Anschluss an die Playoff-Plätze geschafft, der Sprung über den ominösen Trennstrich blieb ihnen allerdings verwehrt. Will man diesen Sprung schaffen, muss man am Freitag in Langnau gewinnen. Doch Achtung, die Tigers haben von den letzten neun Direktbegegnungen deren acht gewonnen. Nach dem Strichknüller wird Slettvoll am Samstag gegen die ZSC Lions erstmals auf einen Gradmesser aus der Spitzengruppe treffen.