Liga nimmt Stellung zum Thema Gewalt

Von Roland Jungi

Nachdem die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) vorschnell die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen beim Thema Gewalt orientierte, reagierte die National League heute. Ihr klares Fazit daraus: „Ohne die Klubs geht’s nicht!“

Mit welchen Massnahmen will die National League das grosse Problem lösen? Hierzu haben die Verantwortlichen drei Grundsätze aufgestellt: 1. Die Gewalt im Umfeld von Sportveranstaltungen energisch und gemeinsam bekämpfen. 2. Bereits ausgearbeitete und umgesetzte Massnahmen im Profi-Eishockey weiterführen und optimieren. 3. Beschleunigung und Harmonisierung der Strafverfolgung.

Denis Vaucher, der scheidende Direktor der Liga, zeigte, auf welchen Ebenen bereits gehandelt wurde resp. wird. Seit neun Jahren existiert eine Reglement für Ordnung und Sicherheit, gleichzeitig wurde eine gleichnamige Kommission, unter Führung von Christoph Vögeli, installiert. „Die Zusammenarbeit mit den Klubs funktioniert bestens. Die Fan-Delegierten werden jedes Jahr zu einem zweitägigen Wiederholungskurs aufgeboten. Zudem ist es uns gelungen, dass bei Auswärtsspielen immer zwei Sicherheitsbegleiter mitreisen. Bei den Risikospielen können die Heimklubs weitere Sicherheitsleute anfordern.“ Fans, welche in angetrunkenem Zustand oder unter Einfluss von Drogen stehen, wird nach wie vor der Zutritt in die Stadien verwehrt. Die gastgebenden Klubs sind in der Pflicht, rigoros weitere Stadionverbote (bei Sachbeschädigungen, Randalieren etc.) auszusprechen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 279 Personen, vor der Saison noch 239, auf der schwarzen Liste. Beim Abbrennen von pyrotechnischem Material kennt die Liga kein Pardon: Null-Toleranz.

Fan-Card: gute Idee – Umsetzung schwierig

Die KKJPD hat die Idee der Fan-Card ganz energisch vorangetrieben. Dazu nahm Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions und Aufsichtsratsmitglied der Liga, Stellung: „Die Idee als solches finde ich gut, ist aber in der Umsetzung in der Praxis schwierig.“ Dieser verwies auch darauf, dass dazu ein grosser personeller Aufwand gemacht werden müsste, dies würde einige Klubs an die wirtschaftlichen und finanziellen Grenzen führen und damit würde die angestrebte Praktikabilität zum scheitern verurteilt. Zahner sagte auch, dass mit der Card spontane Spielbesuche verunmöglicht würden. Vor allem als ganz problematisch bezeichnete er die Einführung von Kombitickets. D.h. wenn z.B. ein im Unterland wohnhafter Fan des HC Davos ein Auswärtsspiel seines Teams sehen will, müsste dieser zuerst individuell nach Davos reisen, dort den Fancar oder Fanzug besteigen und nach dem Spiel über Davos wieder nach Hause fahren. Ein absoluter ökologischer Blödsinn.

Aufhebung Stehplätze, Alkoholverbot, Anspielzeiten

Zu den drei Schwerpunkten Stehplätze, Alkoholverbot und Anspielzeiten äusserte sich Marc Lüthi, der CEO des SC Bern. „Wir haben in der Schweiz eine Stehplatzkultur und ermöglichen unseren Fans zu vernünftigen Preisen, Hockeyspiele zu sehen und deshalb ist die Aufhebung dieser Kategorie nicht machbar. Es versteht sich von selbst, dass wir den Jugendschutz beim Alkohol ernst nehmen. Wir wollen keine Betrunkenen in den Stadien. Wenn wir vom SC Bern die Massnahmen der KKJPD umsetzen müssten, hätten wir die Pflicht, die ganze Stadt unter Alkoholverbot zu stellen! Ein staatlicher Eingriff bei den Anspielzeiten ist absolut sinnlos. Das Fernsehen wäre nicht bereit, zu Unzeiten unsere Spiele zu übertragen.“ Ferner sagte Lüthi, dass damit die friedlichen Fans für das Fehlverhalten einiger weniger Idioten bestraft würden.

Runder Tisch ist gefordert

Die Begeisterung der Clubs und Ligen für den Massnahmekatalog der Polizeidirektoren hält sich also in Grenzen. Um die Interessen aller Beteiligten in die richtigen Bahnen zu lenken, sind alle dazu verpflichtet, weiter an den von Bundesrat Ueli Maurer ins Leben gerufenen runden Tisch zu kommen, um sachbezogen die richtigen Schlüsse zu ziehen resp. die daraus nötigen Massnahmen zu ergreifen, die da sind: Keine Aktionen starten, welche nicht umsetzbar sind. Prävention und Repression sind unabdingbar. Praktische Umsetzung vor Ort betreiben und letztlich die Sicherheit in und um die Stadien mit konkreten, machbaren Lösungen durchsetzen.