Severin Blindenbacher gegen die USA. Foto: Thomas Oswald (Auf Bild klicken für MMS)



Blindenbachers neues Rezept

Von Martin Merk

Der Schweizer Nationalverteidiger Severin Blindenbacher ist mit dem Färjestads BK auf Erfolgskurs und einer der meist eingesetzten Spielern in der schwedischen Liga.

Mit 2 Toren und 3 Assists ist Blindenbacher der zweitbeste Verteidiger in der Scorerliste des Tabellenzweitens. Mit durchschnittlich 22:31 Minuten hat er zudem die zweitmeiste Eiszeit in seinem Team und ist damit die Nummer 15 der Liga.

Damit wird der 26-Jährige seinen Erwartungen gerecht. Letzte Saison hat er das Schaufenster Champions Hockey League mit den ZSC Lions eindrücklich zur Werbung in eigener Sache nutzen können in Schweden – und sich so für den Vertrag beim Team aufgedrängt, wo einst auch Martin Gerber und Marcel Jenni Meistertitel feierten.

hockeyfans.ch befragte ihn anlässlich des Deutschland Cups über sein Abenteuer im Norden.

Du spielst nun seit einigen Monaten in Schweden und warst nun wieder mit der Nationalmannschaft. Hat Schweden deine Spielweise ein bisschen verändert?

Vielleicht kleine Details, aber denke die sieht man kaum. Es sind zwei, drei positionelle Sachen. Ich musste mich an ein paar Sachen gewöhnen und ein paar Sachen dazulernen. Deswegen bin ich auch gegangen, damit ich mal etwas anderes sehe, eine andere Hockeykultur. Das bringt mich sicher weiter.

Welche Änderungen kannst du denn hervorheben?

Defensiv bin ich in einigen Situationen aktiver, man spielt mehr zusammen hinter dem Tor, oder dass man den Winkel öffnet, wenn der Verteidiger zur Mitte kommt. Es einfach so Kleinigkeiten, die aus einem einen besseren Hockeyspieler machen.

Als ihr mit dem ZSC nach Schweden ging, saht ihr ziemlich gut aus. Welches ist nun die bessere Liga?

Es ist einfach anders in Schweden. Sie sind taktisch sehr gut geschult, darauf legen sie sehr hohen Wert. Dadurch wird das Hockeyspielen nicht einfacher, sondern schwieriger. Die Spieler sind zum Teil individuell besser, sind länger am Puck und teils auch körperlich besser. Es macht Spass zum Spielen. Es war für mich am Anfang eine Herausforderung. Ich musste Sachen dazulernen, konnte aber auch Sachen zu meinem Vorteil nutzen, die man in der Schweiz macht.

Wie läuft es bei dir im Club? Ihr seid ja Zweiter, kamt bislang aber kaum an HV71 vorbei.

HV71 ist der Meisterschaftsfavorit, aber die Saison ist noch so lang und uns läuft es gut. Wir kämpfen jedes Spiel, sind eine super Truppe, hatten viele Abgänge und viele Neuzuzüge, müssen uns daher erst noch finden. Wenn wir so weitermachen, kommt es sicher gut diese Saison.

Wie kann man sich dein Leben in Karlstad vorstellen?

Es ist eine hockeyverrückte Stadt. Es weiss jeder Bescheid übers Hockey. Es läuft nicht so viel, es ist relativ ruhig. Es ist idyllisch, schwedisch. Es ist nicht gerade ein Ausgangsvolk, es hat nicht 700 Beizen zur Auswahl. Sie sind lieber daheim und daran hab ich mich angepasst. Es lebt sich nicht schlecht. Ich bin teils alleine und möchte auch alleine sein. Es ist schön und ich kann mich 100 Prozent aufs Eishockey konzentrieren.

Was machst du gerne, wenn du neben dem Hockey alleine daheim bist?

Ich koche viel, das ist ein Hobby von mir. Ich verbringe viel Zeit in der Küche. Zum Glück habe ich eine riesige, schöne Küche. Ich habe eine Schwedischlehrerin, die zweimal pro Woche kommt. Ich bin viel draussen, vor allem jetzt im Herbst. Es ist sehr schön hier, am grössten See Schwedens.

Hast du auch schon mit der schwedischen Küche experimentiert?

Nein, nein, das überlasse ich den Schweden. Ich bin froh, wenn ich meine eigene Küche habe.

Wir kommen ja nun auch den Olympischen Spielen näher. Was bedeutet Vancouver 2010 für dich, und ist es schon im Hinterkopf?

Ja, sicher, es ist natürlich ein Ziel von mir. Es war schon ein super Erlebnis in Turin und ich denke Vancouver wird unvorstellbar. Das kann man nicht vergleichen mit irgendwelchen anderen Turnieren. Ich freue mich extrem darauf und gebe alles, damit ich dorthin kann.

Was kann die Schweiz in Vancouver erreichen bei der Gruppenkonstellation?

Das liegt noch etwas weit weg, aber ich weiss, dass wir eine gute Truppe haben und wir konnten ja letztes Mal zwei grossen Nationen ans Bein pinkeln. Wieso also nicht auch diesmal? Alle sind vier Jahre älter und reifer. Mal schauen, was rauskommt.