


In Zug hat man gelernt. Nochmals will niemand zu hohe Versprechungen machen. Versprechungen, die gewaltigen Druck auf die Mannschaft ausüben können, sobald sich eine Baisse breit macht.
Nach einer durch Höhen und Tiefen geprägten Saison setzen die Zuger die Latte tiefer und streben das Erreichen der Playoffs an. „Wir hatten eine gute Vorbereitung. Der Fahrplan stimmt und wir können es kaum erwarten, da anzuknüpfen, wo wir letzte Saison aufgehört haben“, sagte Michael Kress auf die Frage, ob das Gefühl schon wieder da sei. Die Angewöhnungszeit ist jetzt vorbei. Sorgte die neue Trainingsführung Doug Sheddens im letzten Jahr für teils getrübte Mienen, wussten die Spieler nun wie ihnen geschieht.
Experiment Jussi Markkanen
Der Torhüter war letztes Jahr nicht immer unumstritten. Mit Weibel, Berra, Hermann und Zurkirchen standen gleich vier verschiedene Goalies zwischen den Pfosten. Wirklich zufrieden war man aber mit keinem. So suchte man nach einer komplett neuen Lösung und entschloss sich, das Experiment eines ausländischen Puckfängers einzugehen. Jussi Markkanen war der Wunschkandidat Sheddens und wurde bereits während der Saison als Option gehandelt. Dass es aufgehen kann, bewiesen unlängst der ZSC oder Fribourg-Gottéron. Doch was, wenn Markkanen dem enormen Druck „es allen zeigen zu müssen“ nicht gewachsen ist? Was, wenn er sich verletzt? Für Verteidiger Kress nicht unbedingt ein Problem: „Mit Sandro Zurkirchen haben wir einen guten Backup. Schon letzte Saison bewies er, dass er bereit ist, wenn er gebraucht wird.“ Das Team vertraut Zurkirchen – und dieser seinen Vorderleuten. Wollen die Zuger aber eine konstante Saison spielen, müssen sie unweigerlich eine klare Nummer eins haben. Mit dem 34-jährigen Finnen Markkanen wurde diese zumindest auf dem Papier gefunden.
Patrick Fischers Erben
Die Integrationsfigur schlechthin beim EVZ, Patrick Fischer, beendete am Ende einer schwierigen Saison aufgrund von Motivationsproblemen seine Karriere. Wer tritt nun sein Erbe an? Für seinen Namen konnte man mit Patrick Fischer II die bestmögliche Option verpflichten. Ein Vollblut-Stürmer gegen einen Verteidiger. Klar also, dass andere die Lücke schliessen müssen. Es wird sehr schwer sein, ihn ein Stück weit vergessen zu machen. Denn, wer (nur) in die Fussstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren. Zudem setzt man auf einen ausländischen Goalie und verliert somit neben den erwähnten Big-Points Fischers, auch diejenigen einer ausländischen Offensiv-Kraft. Beton mischen ist aber nicht das erklärte Ziel. Auf die Frage nach dem Spielsystem sagt Michael Kress: „Als wir dies in der vergangenen Saison versuchten, ging so einiges schief. Wir riefen im Dezember darum das altbewährte „kanadische Spiel“ wieder ein und schafften es mit einer Serie von 12 Siegen aus den letzten 16 Spielen in die Playoffs. Und genau da wollen wir anknüpfen.“
Ausgleich des Verlustes oder Verstärkungen?
Durch die Abgänge von Isbister, Harrison und Fischer ging viel Aggression und Wasserverdrängung verloren. Es wird der Job von Wesley Snell und Thomas Rüfenacht sein, an der Bande aufzuräumen. Letzterer bewies nicht zuletzt in der Ligaqualifikation im Fight mit Thomas Nüssli, dass er einiges in den Fäusten hat. „Unter dem Strich“, so hält Michael Kress aber fest, „ist die Situation im Schweizer Eishockey sehr eng. Es sind gute Leute gegangen, aber auch gute Spieler zu uns gestossen. Wir werden bestimmt wieder schnelles, attraktives Eishockey sehen. Und wenn wir da weitermachen wo wir aufgehört haben, auch erfolgreiches.“