


In einem ist man sich in Rapperswil einig - die letzte Saison war eine einzige Katastrophe. Die Rosenstädter blamierten sich von A bis Z und wurden zum zeitweiligen Gelächter der Liga. Der einzige Grund, dass man sich der ganz grossen Schmach eines Abstieges entziehen konnte, waren schliesslich die Geschicke des neuen Trainers Raimo Summanen, der zumindest die totale Blamage in den Playouts verhindern konnte. Doch auch Summanen ist klar: So wie letzte Saison kann es in der am Lido nicht weiter gehen. Er erklärt darum das primäre Saisonziel: „Wir wollen besser sein als letzte Saison.“
Investitionen schüren Erwartungen
Während sich Summanen gegenüber der Presse eher zurückhält, drückte sich VR-Präsident Walter Villiger an der Saison-Pressekonferenz deutlicher aus: „Mittelmass genügt nicht mehr!“ Kaum waren seine Worte verklungen, relativiert ihn der VR-Delegierte Bruno Hug aber gleich wieder und gab die Playoffs als Saisonziel bekannt. Es stellt sich die Frage: Herrscht Uneinigkeit im Verwaltungsrat? Fakt ist, der Verwaltungsrat hat trotz Wirtschaftskrise das Budget um 800 000 Franken erhöht. Laut Villiger war dies nötig, um in Sachen Budget wieder ans NLA-Mittelfeld anschliessen zu können. Mit dem Anschluss soll es am oberen Zürichsee endlich wieder besser laufen. Es ist klar, dass Villiger den Druck der Sponsoren im Rücken spürt, denn die neue Marke Lakers ist mittlerweile nichts Spezielles mehr. Die schlechten Resultate haben sie auf den harten Boden der früheren SCRJ-Realität zurückgeschmettert und auch der Bonus der neuen Halle zählt mittlerweile nicht mehr. Die Lakers sind also zum Erfolg verpflichtet. Auf der anderen Seite tut Bruno Hug aber auch gut daran, die allgemeinen Erwartungen herunter zu schrauben, denn das Team stellen er und Reto Klaus zusammen. Sollten die Rapperswiler die Erwartungen auch in diesem Jahr nicht erfüllen, werden sie in der Kritik stehen.
Die Frage wie gut die Rosenstädter letztlich sind, hängt von drei Fragezeichen ab:
1. Die Goaliefrage
Die Lakers haben das Luxusproblem, dass sie drei Goalies haben, die NLA-Niveau aufweisen. Bereits seit mehreren Saisons kann man auf Stammtorhüter Marco Streit zählen, daneben ergatterte sich Simon Züger letzte Saison einen weiteren Platz im Team der „Seebuben“. Kurz vor Saisonbeginn kam nun noch Daniel Manzato dazu. Wie der Verwaltungsrat zu Protokoll gibt, ist Manzato ein Zukunftsversprechen und war auf längere Sicht eine wichtige Investition. Mit dem überraschenden Transfer wagten die Rapperswiler zwar einen Blick in die Zukunft, doch stiessen sie Stammtorhüter Marco Streit vor den Kopf. Für einige Experten ist dies kein Problem, da Manzato sowieso um Welten besser sei als Streit. Doch ist das wirklich so? Der 25-jährige Manzato gilt zwar als Talent, hat aber in seiner Karriere noch nicht viel erreicht. In der Schweiz konnte er sich nur bei den Schwanzclubs Ambri und Basel beweisen, währenddem er sich in Nordamerika nicht einmal in der AHL durchsetzen konnte. Eines der grossen Fragezeichen ist also, wie stark Manzato wirklich ist. Auf der anderen Seite steht Streit, der seit vielen Jahren einen seriösen Job macht, jedoch von vielen unterschätzt wird. Nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass sich die Lakers im letzten Frühling nicht länger in den Playouts abmühen mussten.
2. Die Verteidigung
Die Rapperswiler Verteidigung Ausgabe 08/09 kann man knapp mit einem Wort umschreiben: katastrophal. Es musste also etwas geschehen um die Defensive zu stabilisieren. Die Herren vom oberen Zürichsee holten sich deshalb den Österreicher Thomas Pöck von den New York Islanders, sowie Florian Blatter und Andreas Furrer vom HC Davos. Die Rolle von Pöck ist sonnenklar: als einziger ausländischer Verteidiger hat er die Defensive zu dirigieren und zu stabilisieren. Es stellt sich die Frage, ob Pöck dieser Rolle gerecht werden kann, schliesslich ist der Sohn des ehemaligen österreichischen Nationaltrainers gelernter Stürmer und wurde erst in Nordamerika während seiner College-Zeit zum Verteidiger umfunktioniert. Immerhin: Pöcks Vorgänger, der Schwede Sanny Lindström, genügte den Erwartungen der Rapperswiler gar nicht, Pöck dürfte es also nicht allzu schwer haben, Lindström vergessen zu machen. Neben Pöck kommen zwei Verteidiger vom Meister Davos. Das bekannte Sprichwort sagt bekanntlich „Offence wins games, defence wins championchips.“ So schlecht können also Blatter und Furrer nicht sein, wenn sie vom Meister kommen. Ohne Zweifel ist man aber auch bei den Davosern nicht, schliesslich waren es gerade die zwei, die sich beim Meister immer mal wieder einen haarsträubenden Fehler erlaubten.
3. Michel Riesen
Es ist unbestritten: Michel Riesen ist eines der grössten Talente, die das Schweizer Eishockey jemals hervor gebracht hat. Zusammen mit Reto von Arx bildete er in den letzten Jahren das wohl gefährlichste Schweizer Duo der Liga. Der Ruf einer Tormaschine eilt dem gebürtigen Bieler voraus. Doch fragt man sich: Wer ersetzt in Rappi den Sturmpartner Reto von Arx? Coach Raimo Summanen gibt eine klare Antwort: „Michel braucht keinen Reto von Arx! Riesen ist einer der komplettesten Schweizer Spieler, er hat eine sehr gute Übersicht und natürlich einen guten Torriecher“, schwärmt der finnische Trainer weiter. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass Riesen den Charaktertest in der NHL nicht bestanden hat und erst im „perfekten“ Umfeld Davos aufgeblüht ist. Ob ihm Rappi ein ähnliches Umfeld bieten kann wird sich zeigen. Immerhin hat er mit Loïc Burkhalter einen guten Kumpel im Team, der ihm bei der Integration helfen sollte.
Die Rolle der Ausländer
Obwohl die Ausländer die wichtigsten Teamstützen darstellen, wurde nach der miserablen letzten Saison nur einer ausgetauscht. Wurde damit ein Fehler in der Transferpolitik begangen? „Nein“, sagt Raimo Summanen, „die Ausländer sind zwar wichtige Teamstützen bei allen NLA-Teams, doch bin ich überzeugt, dass gerade die Schweizer Spieler den Unterschied zwischen den Vereinen ausmachen.“ Summanen ist sich dabei bewusst, dass er trotz des Misserfolgs von letzter Saison auf gute Ausländer zählen kann. Der Kanadier Stacy Roest konnte sich auch letzte Saison an der Spitze der Scorerliste festbeissen. Roest gilt als exzellenter Vorbereiter, vielleicht gerade der richtige Sturmpartner für Michel Riesen. Neben Stacy Roest macht Niklas Nordgren einen soliden Job. Der schwedische Stürmer fällt dem gemeinen Zuschauer zwar meist nicht sonderlich auf, ist aber ebenfalls ein Topscorer und vielleicht einer der meistunterschätzten Ausländer der Liga. Neben den beiden hatte Christian Berglund eine sehr schwierige Saison. Der schwedische Schillerfalter, war einst der allmächtige Held, der die Lakers erstmals in den Halbfinal schoss. Nach seinem Abstecher zum SC Bern konnte er sich unter Samuelsson nicht entfalten und auch Raimo Summanen scheint nicht gerade sein Freund zu sein. Es ist deshalb fraglich, ob es Berglund noch einmal gelingt so auf zu trumpfen, wie einst in seiner ersten Rappi-Saison.
Fazit
Schaut man den Lakers heute zu, so stellt man fest, dass sie um einiges weiter sind als noch vor einem Jahr, trotzdem haben sie in der Vorbereitung eine negative Bilanz. Von fünf Spielen konnte man nur einziges gewinnen. Bei so vielen Fragezeichen wagen dann auch die Spieler keine Prognose. „Ich habe letzte Saison viel gesagt und nichts ist eingetroffen, diesmal werde ich mich hüten über unser Potential zu sprechen“, meint ein vorsichtiger Sebstien Reuille. Reuille betont jedoch, dass die Mannschaft geschlossener sei als noch im letzten Jahr. Mit viel Teamgeist und Kampf wolle man deshalb das Ziel Playoffs erreichen.
hockeyfans.ch ist der Meinung, dass sich Rappi sowohl in der Defensive wie auch in der Offensive verstärkt hat. Mit diesem Substanzgewinn sollten die Lakers zumindest um einen Playoffplatz mitspielen können. Stechen alle Trümpfe, liegt vielleicht sogar eine Halbfinalqualifikation drin. Dies würde wohl auch von den Investoren goutiert, denn Mittelmass genügt bekanntlich nicht mehr!