

|
Lausannes als gejagtes Team |
Für Lausanne endete die Saison 2008/09 wie es viele erwartet haben: Mit dem NLB-Titel, aber ohne den Aufstieg. Nun wagen es die Waadtländer erneut, doch in der NLB sind sie das gejagte Team und die Jäger und nicht nur der LHC hat über den Sommer aufgerüstet.
Auch dieses Jahr wird Lausanne sich nicht zurücklehnen können, um das Ticket zur Ligaqualifikation zu erhalten. Teams wie La Chaux-de-Fonds, Sierre oder Visp werden ihre Ansprüche ebenfalls geltend machen wollen.
Wie vor einem Jahr dürfte auch 2009/10 deutlich werden, wie diversifiziert die Clubs zwischen Vollprofitum und Amateurhockey sind. Während der LHC so ausgerüstet ist wie ein hinterer NLA-Club und sich Vollprofis leistet, treten die letztjährigen Playoff-Verpasser Basel, GCK Lions und Young Sprinters beinahe mit einer besseren Juniorenmannschaft an – verstärkt um die maximal zwei einsetzbaren Ausländer und wenige Routiniers.
Auch dieses Jahr werden die Ziele der Teams deutlich unterschiedlich sein. Denn egal, wie viele Teams sich für einen Aufstieg bewerben würden, in der heutigen Zeit sind die Anforderungen an Geldgeber und Infrastruktur so hoch, dass hinter Lausanne kaum ein Club für die NLA vorbereitet zu sein scheint. Für viele Clubs wird es deshalb darum gehen, um die Ehre und um die Gunst der Zuschauer zu kämpfen. Beziehungsweise für die "Farmteams" GCK Lions und Young Sprinters, Spieler im Hinblick auf eine mögliche NLA-Karriere auszubilden.
hockeyfans.ch wagt eine Prognose und stellt die 12 Teams vor.
| hockeyfans.ch - Prognose 2009/10 | |
| 1. | Lausanne |
| 2. | La Chaux-de-Fonds |
| 3. | Visp |
| 4. | Sierre |
| 5. | Ajoie |
| 6. | Olten |
| 7. | Langenthal |
| 8. | Thurgau |
| 9. | Basel |
| 10. | GCK Lions |
| 11. | Young Sprinters |
Lausanne HC
Steter Tropfen höhlt den Stein – nach diesem Motto wagt sich der Lausanne HC ein weiteres Mal an das Unternehmen Aufstieg und nahm erneut einige Wechsel im Team vor. Das Fan-Potenzial wäre zwar da in die NLA, ist man sich in der Schweiz einig, doch bei den letzten beiden NLA-Ausflügen in den vergangenen 15 Jahren scheiterte es an Geld, Management und sportlichem Können. Dieses Jahr versucht man es mit Jonathan Roy vom HCC sowie temporär Mike Maneluk (Langenthal) als zusätzliche Ausländer zu Alexandre Tremblay. Drei bis vier schmerzhafte Abgänge gab es zwar auch zu verzeichnen, doch der LHC holte den einen oder anderen Akteur mit Potenzial zum NLB-Spitzenspieler, darunter auch eine Horde von Genf-Servette, das die Lausanner gerne als Erzrivalen in der NLA sähe. Einerseits die Routiniers Olivier Keller und Igor Fedulov, andererseits durchgefallene Jungspieler wie Gaëtan Augsburger, Jérôme Bonnet, Toni Bezina und Ralph Stalder sowie vielleicht noch den jungen Torhüter Benjamin Conz als Alternative zu Michael Tobler.
HC La Chaux-de-Fonds
Der HC La Chaux-de-Fonds zeigte eine starke letzte Saison. Gegen den späteren Meister Lausanne lag er in der Qualifikation nur zwei Punkte zurück und führte im Finale gar zwischenzeitlich. Schon während der Saison wurde die Stimmung jedoch durch die Abgangsabsichten der beiden Ausländer getrübt, welche nun für die grössten Konkurrenten antreten. Dominic Forget zog es nach Visp, Jonathan Roy spielt neu für Lausanne. Nach Jahren der Stabilität im Team kam die Transferzeit für den Trainer Gary Sheehan fast einer Herzoperation zugleich. In den vergangenen Jahren hatte es der HCC jedoch verstanden, aus dem kanadischen Québec preiswerte und wenig bekannte Stürmer zu holen, die auf NLB-Niveau einschlagen. Dieses Jahr hofft Sheehan, mit Kevin Cloutier und Benoît Mondou einen Glücksgriff gelandet zu haben. Denn nur so kann der HCC erneut für eine Finalteilnahme in Frage kommen.
EHC Visp
Der EHC Visp glänzt in seiner dritten Saison unter Trainer John Fust durch Konstanz und dürfte auch dieses Jahr wieder zu den besten Clubs der NLB zählen. Im Tor konnte man sogar zulegen. Nachdem Fabien Hecquet die Erwartungen nur bedingt erfüllte und oft dem einheimischen Reto Lory Platz machen musste, konnten die Oberwalliser Jonas Müller holen, der zuletzt die Nummer zwei beim SC Bern war. Auf den Ausländerpositionen erhofft man sich durch den während der letzten Saison von Lausanne verpflichteten Cory Pecker sowie den vom Konkurrenten La Chaux-de-Fonds geholten Dominic Forget Tore und Stabilität. Die wenigen Schweizer Abgänge (Botta, Brechbühl, Bucher, Masan) konnte man einigermassen kompensieren, so dass die Visper Fans auch diese Saison einiges erwarten können. Getrübt wurde die Vorfreude höchstens durch die letzte Testspielniederlage gegen Sierre in der Höhe von 2:7. Von den kantonalen Duellen gegen das wieder erstarkende Sierre wird auch der Gemütszustand beim Club abhängen, womit das Team vorgewarnt ist.
HC Sierre-Anniviers
Bob Mongrain führte den HC Sierre einst als Spieler in die NLA während seiner Zeit (1989-91) in der Sonnenstadt. Nun kehrt er nach fast 20 Jahren zurück und hat den Schweden Morgan Samuelsson als Trainer abgelöst. Nach sportlichen Turbulenzen und dem sechsten Rang in der vergangenen Saison verkörpert Mongrain somit die Hoffnung, dass es wieder aufwärts geht und in der Grabenhalle mehr gefeiert werden kann. Auch sportlich ist alles bereit: Nach seinem erfolgreichen Ausflug in Davos samt Meistertitel ist Lee Jinman wieder zurück, um mit Derek Cormier das altbekannte Bomberduo der Mittelwalliser zu bilden. Von Ambrì kommt das Stürmertalent Thomas Schena sowie Giacomo Beltrametti als Alternative zum einheimischen Goalie Martin Zerzuben. Und eine definitive Kampfansage an die Spitzenteams sind gleich drei Zuzüge, die zuletzt für den Titelverteidiger Lausanne spielten mit Bernie Sigrist, Federico Lardi und Olivier Schäublin.
HC Ajoie
Beim HC Ajoie läuft es in etwa so weiter wie in den vergangenen Jahren. Im Spielerkader kam es kaum zu grossen Änderungen, sondern eher zu wenig Kosmetik bei den Zuzügen und Abgängen. Auf der Trainerposition kehrt nun Stabilität ein, nachdem die Jurassier ein Jahr zuvor über Nacht ohne Trainer dastanden und in der Not Réal Paiement fanden. Er ist, wie es die Tradition in der Ajoie will, Franko-Kanadier – damit er keine Probleme hat, sich im beschaulichen Porrentruy zurechtzufinden. Was für den Trainer gilt, gilt auch für die Ausländer: Die beiden Frankokanadier James Desmarais und Stéphane Roy sind dem Club treu geblieben. Von ihnen werden Tore, Tore und Tore erwartet, um allfällig mangelnde Substanz im Kader wett zu machen. Letzte Saison ging dies auf mit einem knappen Erreichen der Top-4 und auch dieses Jahr macht sich der Eishockey-verrückte Ort Hoffnungen.
EHC Olten
Beim EHC Olten will man höher hinaus als der fünfte Rang. Dafür will man frischen Wind bringen und hat sich vom langjährigen Trainer und Torhüter Dino Stecher getrennt. Neuer Mann hinter der Bande ist der Kanadier Dan Ratushny, der zuletzt eigentlich als Anwalt in seiner Heimat tätig war. Mit ihm kamen auch zwei Ausländer mit den Kanadiern Jeff Campbell und Brent Kelly, die zuletzt für den dänischen Spitzenclub Herning tätig waren. Das kanadische Trio trifft auf eine Mannschaft, die ansonsten quasi unverändert blieb, jedoch neuen Wind erhalten soll, weil die Clubführung Abnützungserscheinungen unter Stecher feststellte. Damit bringt man nach einigen Jahren der Stabilität etwas Risiko ins Spiel. Sollte es aufgehen, müsste der nächste Schritt logischerweise die Halbfinalqualifikation sein. Anderenfalls wird man sich vielleicht bald nach dem fünften Rang sehnen. Die positiven Vorsaison-Resultate lassen aber eher Positives erahnen.
SC Langenthal
Der SC Langenthal will und muss nach der enttäuschenden letzten Saison einen Schritt vorwärts machen und hat sein Team tüchtig umgekrempelt. Bierwürfe gegen den Trainer Kevin Ryan sollen zukünftig der Vergangenheit angehören. Während der SCL über drei fähige Torhüter verfügt, wirkt die Verteidigung mit nur sechs Spielern allerdings gar dünn, wobei in der Abwehr der langjährige Langnauer Daniel Aegerter sein Comeback gibt. Besonders im Sturm schaut das Team stärker aus. Mit Yanick Bodemann (Zug), Simon Fischer (Biel) und Stephan Moser (Langnau) kamen gleich drei junge Hoffnungen aus der NLA zu den Oberaargauern. Grosse Hoffnungen macht man sich auch bei den Ausländern. Ash Goldie spielte zuletzt für Herlev in der höchsten Liga Dänemarks, während man mit dem Ex-Langnauer Cory Larose einen Spieler aus der AHL verpflichten konnte, der damit einen grösseren Leistungsausweis mitbringt als viele andere NLB-Ausländer.
HC Thurgau
Der neue HC Thurgau hatte letzte Saison seine Erwartungen einigermassen erfüllt. Die Playoffs konnten im Jahr eins nach der verrückten Burgener-Ära erreicht werden, das erhoffte Comeback der Zuschauermassen blieb mit einem Schnitt von 954 jedoch aus. Nach dem Umbau möchte man deshalb von Kreuzlingen ins zentralere Thurgau nach Weinfelden zurückkehren, wo der Club einst entstand und in den 90er-Jahren aufblühte. Der Trainer Erwin Kostner muss allerdings mit einem reduzierten Budget zurechtkommen. Viele Abgänge wurden nicht gleichwertig kompensiert, womit der Trainer gefordert ist, die auf dem Papier geschwächte Mannschaft einen Schritt nach vorne zu bringen und Euphorie zu entfachen. Auch bei den Ausländern spart man mit einem günstigen Übersee-Einkauf und wagt ein Experiment mit zwei jungen Zwillingen aus Kanada. Justin und Tyler Donati überzeugten als Junioren, schafften es aber auf Profiebene meist nicht über die Drittklassigkeit hinaus. Sie kamen nach dem plötzlichen Abgang des italienischen Nationalverteidigers Armin Helfer, der auch in Kloten aushalf und aus familiären Gründen ins Südtirol zurückgekehrt ist.
EHC Basel Sharks
Weg mit dem Baslerstab, her mit dem Hai – auch wenn es vielen Hardcore-Fans nicht passt. Die EHC Basel Sharks, wie sich der Club nun nennt, müssen denn auch bissig sein, um nach dem Verpassen im Vorjahr diesmal die Playoffs zu erreichen. Vor einem Jahr wurde die Mannschaft nach dem NLA-Abstieg aus einem Scherbenhaufen und mit nur einem gebliebenen Spieler aufgebaut. Dieser – der zum Polizist werdende Markus Wüthrich – ist nun ebenfalls weg, womit das Team eine Art "Vaterfigur" verliert. Denn auch wenn es erneut zu vielen Wechseln kam bei zehn Vertragsverlängerungen, ist das Gesicht gleich geblieben: eine bunt zusammengewürfelte Truppe von Talenten aus allen Landesteilen. Gespannt sein darf man etwa auf das Emmentaler Trio mit dem NLA-Stürmer Adrian Gerber und den Zwillingsbrüdern Marolf. Im Tor wird weiterhin der kleine aber flinke Luganese Ivan Mantegazzi eine wichtige Rolle spielen. Für den verletzten Center Patrick Westerback wurde temporär Magnus Gästrin aus der zweithöchsten Liga Schwedens verpflichtet. Als Star blieb Westerbacks Landsmann, Pasi Tuominen.
GCK Lions
Die GCK Lions wurden letzte Saison abgeschlagener Letzter – nicht zuletzt weil die „Baby-Lions“ noch unerfahrener waren als in den Vorjahren. Und auch dieses Jahr bedienten andere Clubs sich wieder beim ZSC-Farmteam. Der eine oder andere Spieler könnte mehr Eiszeit in der NLA erhalten, dazu haben sich wie desöfteren die SCL Tigers (Aurelio Lemm) und Lausanne (Stefan Schnyder) bei den GCK Lions bedient. Mit Flavio Streit und Rolf Badertscher verliessen zwei erfahrene Spieler den Club. Doch es gibt auch Lichtblicke: die halbe Mannschaft ist geblieben und an Erfahrung gewachsen. Einige Rückkehrer (Hendry, Hofer, Tiegermann) sind wieder da, Blaine Down wird ohne die europäischen Auftritte des ZSC mehr Zeit haben und mit André Signoretti kommt für die Verteidigung gar ein zweiter Ausländer. Als grösster Zuzug konnte der einstige ZSC-Spieler Claudio Micheli (zuletzt Ambrì) vermeldet werden, der seine Spielerkarriere im Schatten des Hallenstadions ausklingen lässt und zur wichtigen Figur im Team werden dürfte.
Young Sprinters HC
Die Young Sprinters, die auch dieses Jahr in der Funktion als Partnerteam von Ambrì, Bern und Fribourg am Leben erhalten werden, werden es auch dieses Jahr schwer haben, sich für die Playoffs zu qualifizieren. Vom letztjährigen Team ist nur ein kleines Gerüst, darunter der Tscheche Pavel Vostrak, geblieben. Letzterer wird neu durch den Slowaken Dusan Andrasovsky ergänzt. Der eine oder andere etablierte Spieler verliess die Neuenburger, während man allerdings auch einige etablierte Spieler verpflichten konnte. Um diese "eigene" Spieler soll ein Gerüst gebildet werden, das durch die Leihgaben der drei Partnerteams vervollständigt wird. Wichtig für den Trainer Mirek Hybler ist, dass nun auch der Torhüter aus den eigenen Reihen stammt mit dem langjährigen Chaux-de-Fonniers Sébastien Kohler. Noch grösser ist aber die Herausforderung neben dem Eis: Gelingt es dem Management des einstige NLA-Clubs, diese Saison mehr Massen anzuziehen als bloss 400 Fans?