

Nach vielen Jahren schafften es die Kloten Flyers diesen Frühling erstmals wieder ins Finale und mussten doch geschlagen vom Eis. Doch Helden stehen wieder auf – und nun streben die Flieger eine weitere, erfolgreiche Saison an.
Fast fünf Monate ist es her, als die Kloten Flyers ihre Saison 2008/09 beendeten. Die Flyers kamen so weit wie schon lange nicht mehr. Es war der 13. April, der den Klotenern noch allzu gut in Erinnerung bleibt. Im siebten und entscheidenden Spiel verlor das Team von Anders Eldebrink und Felix Hollenstein mit 1:2. Es war die grosse Chance, den Meisterpokal endlich wieder einmal ins Zürcher Unterland zu bringen. Doch vor heimischem Publikum gelang es den Fliegern nicht, den ebenbürtigen Gegner aus Davos zu schlagen und so waren die Flyers bei der Meisterfeier nur Statisten. Ein bitterer Moment für eine noch so junge Mannschaft wie es die Flyers sind.
Doch Helden stehen auch nach einer herben Niederlage wieder auf. Nun gehen die Kloten Flyers in ihre Jubiläumssaison, denn der Traditionsklub wird dieses Jahr 75 Jahre alt. Auch in dieser Saison ist wieder alles möglich für Kloten. Wenn man beim Verein allerdings nach den saisonalen Zielen nachfragt, gibt man sich bescheiden. „Das sportliche Ziel ist die Playoff-Qualifikation, danach ist bekanntlich alles möglich“, sagt der Trainer Alpo Suhonen, der Roland Habisreutinger als neuen Sportchef auf diese Saison neu ersetzt hat. „Wie es die Kloten Flyers schon immer getan haben, wollen wir auch in dieser Spielzeit wieder ein gutes Zwei-Weg-Eishockey spielen und unser gewohnt attraktives Offensivspiel aufziehen. Zudem möchten wir unsere vorbildliche Juniorenarbeit noch weiter verbessern“, gibt der Finne weiter bekannt. Doch eines ist klar: Nach einer Saison wie die letztjährige eine war für Kloten, gibt es für die Flyers eigentlich nur ein Ziel: Das Angefangene zu Ende zu führen, sprich den Meistertitel nach Kloten zu holen.
Curtis Brown, ein schmerzhafter Abgang
Um erneut ein Topteam in der kommenden Saison zu stellen, haben die Kloten Flyers ihr Kader auch dementsprechend ergänzt. Der schmerzhafteste Abgang dürfte der Kanadier Curtis Brown sein, der die Flyers in Richtung EHC Biel verlassen hat. Der defensive Center zeigte vor allem in den Playoffs, dass er enorm wichtig für ein Team sein kann. Obwohl Brown nicht unbedingt mit Skorerpunkten auf sich aufmerksam gemacht hat, dürfte der Kanadier den Flyers enorm fehlen. Als Ersatz für Brown wurde Grant Stevenson von den Chicago Wolves verpflichtet. Der Kanadier, der sowohl als Flügel wie auch als Center eingesetzt werden kann, spielte vergangene Saison mehrheitlich in der American Hockey League. In der NHL sammelte Stevenson für die San Jose Sharks in 52 Spielen 22 Scorerpunkte. Stevenson brachte es auch schon auf 30 AHL-Saisontreffer, ist also in der Offensive deutlich stärker als Curtis Brown, doch hat Stevenson nie die defensive Genialität wie Brown. Mit Thomas Walser verlässt ein weiterer Stammspieler die Kloten Flyers. Allerdings wird Walser nur auf Leihbasis zu den SCL Tigers geschickt. Ob der Stürmer, den Kloten letzte Saison überraschend gegen Damien Brunner von Zug verpflichtet hat, zu den Zürcher Unterländer zurückkehren wird, ist unklar.
Aus Nordamerika stösst Denis Hollenstein zu den Kloten Flyers. Der Sohn vom Assistenztrainer Felix „Fige“ Hollenstein beendet somit ein zweijähriges Gastspiel beim Juniorenteam Guelph Storm aus der Ontario Hockey League. Der bald 20-jährige Stürmer dürfte in Kanada wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Die Kloten Flyers hoffen bei ihm wohl auf eine ähnliche Entwicklung wie bei Roman Wick, der ebenfalls aus dem kanadischen Junioren-Eishockey nach Kloten zurückkehrte und wie eine Bombe einschlug.
Mit Bernie Sigrist ist dagegen ein weiterer Zuzug bereits in der Vorsaison durchgefallen. Mit dem B-Ligisten Sierre hat man einen Abnehmer für den Kanada-Schweizer gefunden.
Zusätzlich zu den Zuzügen stossen die beiden Junioren Fadri Lemm und Jeffrey Füglister zur ersten Mannschaft. Vor allem Füglister konnte in den Vorbereitungsspielen Akzente setzten und beeindruckte mit mehreren Scorerpunkten. Zudem haben die Flyers mit Michael Flückiger neben Rüeger und Sonder neu drei Torhüter im Kader.
Rüeger immer noch top?
Erste Voraussetzung für einen Meistertitel ist ein Torhüter, auf den man sich verlassen kann. Dass Ronnie Rüeger mit seinen 36 Jahren nicht mehr der jüngste ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch kann der Routinier nochmals eine so tolle Saison hinlegen wie die Vorhergehende? Fakt ist, Kloten will auch diese Saison auf Rüeger setzen. Mit den beiden Rückkehrer Manzato und Stephan hätten die Flyers gute Alternativen hinzufügen können, doch Kloten wählte keinen von beiden.
In den bisherigen Vorbereitungsspielen konnten die Kloten Flyers mehrheitlich überzeugen. Die letztjährige Torgefährlichkeit ist immer noch vorhanden und in der Defensive stand man weitgehend solide. Die Flyers kassierten nie mehr als zwei Gegentreffer. Es scheint als wären die Klotener bereit für den Saisonauftakt gegen die Lakers, wären da nicht die Verletzungssorgen in der Verteidigung. Marc Welti fehlt den Flyers für längere Zeit. Radek Hamr und Benjamin Winkler sind für den Saisonauftakt fraglich. Deswegen hat Kloten mit Kari Haakana einen fünften Ausländer unter Vertrag genommen. Der 35-jährige finnische Verteidiger, der zuletzt bei den Lahti Pelicans spielte, wird für zwei Monate die Defensive des Clubs verstärken. Er ist defensiv solide und soll das physische Element in die Klotener Hintermannschaft bringen. Zudem dient er als Absicherung, sollte noch ein weiterer Verteidiger verletzt ausfallen. Wenn Hamr allerdings wieder einsatzbereit ist, dürfte sich Haakana schnell auf der Tribüne wiederfinden. Doch zumindest bringt der Finne einen gewissen Druck auf Santalas und Stevensons Schultern, da der Konkurrenzkampf dadurch neu entfacht wird.
Kloten bereit für den Titel?
Kloten stellt diese Saison wiederum ein Topteam. Die jungen Spieler haben an Erfahrung gewonnen und wissen wie man mit schwierigen Niederlagen umgehen muss. Zudem haben die Flyers ausser Brown keine namhaften Spieler verloren und können mit den gleichen Schlüsselspielern wieder angreifen wie schon letzte Saison. Durch die starke vergangene Saison wurde auch die Euphorie in Kloten wieder neu entfacht. Die Flyers haben seit über zehn Jahren nicht mehr so viele Saisonkarten abgesetzt wie auf die nächste Saison hin. Die Vorfreude der ganzen Region ist riesig und so könnte auch der Heimvorteil zugunsten von Kloten fallen. Auch die Vorbereitung lässt die Herzen der Fans höher schlagen, wie Frederic Rothen gegenüber hockeyfans.ch bestätigt: „Wir haben bisher eine gute Vorbereitung gespielt und auch die Trainingseinheiten sind sehr intensiv.“ Und für Trainer Eldebrink ist es wichtig, dass das Team die Stabilität von letzter Saison auch in diese mitnehmen kann, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Kloten scheint also bereit zu sein um einen erneuten Anlauf zu nehmen, den Meistertitel nach 1996 wieder ins Zürcher Unterland zu bringen. Doch ist die noch sehr junge Mannschaft von Anders Eldebrink und Fige Hollenstein wirklich stark und erfahren genug, dass sie erneut um den Meistertitel spielen können?