
Diesen Anspruch hat die Mannschaft von Chefcoach Serge Pelletier sich in den beiden fast unglaublichen Saisons erspielt. Die Mannschaft ist um Kapitän Sandy Jeannin, MVP-Kandidat 2009, zu einer homogenen Einheit geworden. Vor allem die Tatsache spricht Bände, dass die Fribourger ihren Superstar Julien Sprunger weiter an die Saanestadt binden konnten, obschon dieser aus zahlreichen Richtungen, nicht nur aus der Schweiz, interessante Angebote auf dem Tisch liegen hatte. Neben dem Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft wissen die Freiburger einen weiteren grossen Trumpf in ihren Reihen: Torhüter Sebastien Caron: einer der besten seiner Zunft auf Schweizer Eis.
Weshalb aber hat Gottéron das Recht, die Messlatte für die am 11. September 2009 beginnende Meisterschaft so hoch zu schrauben? Der Grundstein dazu legte das Team in der Saison 2007/2008. Im allerletzten Moment qualifizierten sich die Fribourger auf Kosten von Altmeister Lugano für die Play-Offs. Im anschliessenden Viertelfinal gegen den übermächtigen, zum Teil sorglosen Titelaspiranten SC Bern wurden die Mutzen sang- und klanglos mit 4:2-Siegen aus dem Wettbewerb geworfen. Im Halbfinal scheiterte das Team an Servette. Der frankokanadische Chefcoach Pelletier liess sich Zeit, um die richtigen Schlüsse des Scheiterns zu ziehen. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass sich die Fribourger in der Meisterschaft 2008/2009, den Einzug in die Play-Offs nicht erst kurz vor Schluss der regular Season verdienten. Hier zeigte sich ganz deutlich die Überheblichkeit der ZSC Lions, dem späteren, bisher einmaligen Gewinner der Champion Hockey League. Die Zürcher liessen sich zu sehr von dem europäischen Klubwettbewerb ablenken und bekamen in vier absolut hochklassigen Spielen die Quittung dafür. Die Fribourger Paradelinie, Julien Sprunger, Andrei Bykov und Benjamin Plüss, sowie Torhüter Sebastien Caron, spielten die Zürcher Löwen an die Wand. In die Geschichtsbücher fand die letzte Partie Aufnahme. Die zum x-ten mal ausverkaufte „Patinoire St-Léonard“ wurde Zeuge einer nie für möglich gehaltenen Darbietung in der vierten Play-Off-Partie der Mannschaft von Chefcoach Pelletier. Nach 69:28 Minuten brachte Julien Sprunger mit dem alles entscheidenden Tor zum 3:2-Sieg in der Overtime die Halle zum explodieren. Im Halbfinal gegen den späteren Meister HC Davos lagen die Fribourger zwischenzeitlich bereits mit zwei Siegen in Führung, ehe die Bündner in einer begeisternden Aufholjagd die Serie noch zu ihren Gunsten drehen konnten.
Superstar Julien Sprunger fehlt zum Saisonstart
Wie sieht es im Personellen bei Gottéron aus? Nach seiner schweren Verletzung aus der WM-Partie gegen die USA wird Julien Sprunger vermutlich erst im Oktober ins Geschehen eingreifen können. Bis zum Saisonstart sollte Torhüter Sebastien Caron dem Team nach seinen Leistenbeschwerden wieder zur Verfügung stehen. Damiano Ciaccio, sein Ersatz, macht bis dato einen sehr guten Job. An einer kleinen Verletzung in Augennähe laboriert zurzeit Sandy Jeannin herum, sollte jedoch für das Startspiel gegen den SC Bern fit sein, dies gilt auch für Serge Aubin, dem neuen Ausländer bei Fribourg. Nach einer wahren Odyssee kehrt Verteidiger Michael Ngoy wieder ins Team zurück, wird aber erst im Verlauf der Saison seine ersten Einsätze bekommen.
Gute Integration der Neuen
Gefragt zu den neuen Spielern äusserte sich Trainer Pelletier wie folgt: „Damiano Ciaccio, Lukas Gerber, Marc Leuenberger, Haudegen Gaëtan Voisard und Serge Aubin haben sich schnell und gut im Team integrieren können. Die bisherigen Resultate in den Testspielen haben mir gezeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Ich musste aber auch zur Kenntnis nehmen, dass wir bis zum 11. September noch viel Arbeit verrichten müssen.“ Gefragt nach seinen konkreten Saisonzielen äusserte sich der Fribourger Cheftrainer wie folgt: „Wir haben nach den beiden letzten Saison schon die Pflicht, uns so schnell als möglich für die Play-Offs zu qualifizieren. Danach wird sich zeigen, ob wir über das Potential verfügen in die Halbfinals einzuziehen.“
Für Pelletier hat sich gezeigt, dass die Fribourger bei den Ausländern auf die richtige Karte gesetzt haben. Verteidiger Shawn Heins hat sich neben Torhüter Caron zur Lebensversicherung in der Abwehr hochgearbeitet. Marc Mowers, Robin Leblanc, Serge Aubin sowie Mike Knöpfli werden den Offensivpart neben der Paradelinie übernehmen müssen. Was deutlich auffällt: Fribourg verfügt über schlittschuhläuferisch gut ausgebildete Spieler, welche sich aber nicht zu schade sind, des öftern die Drecksarbeit zu übernehmen. Zu seinen Meisterschaftsfavoriten zählt Pelletier den Meister HC Davos und den SC Bern. „Zu den Play-out Kandidaten kann resp. will ich mich nicht äussern, da sich diese erst im Verlauf der Meisterschaft heraus kristallisieren werden!“, führte der 44-jährige Schweiz-Kanadier weiter aus.
Gottéron zum zweiten Mal mit Gewinn
In der Zeit der grossen Wirtschaftskrise grenzt dies beinahe an ein Wunder. Dank einer klar strukturierten Ausgabenstrategie konnten die Fribourger an ihrer Saisonschlusskonferenz am 2. Juli 2009 eine ausgeglichene Bilanz vorweisen. Nach Steuern wurde ein moderater Gewinn von 323 Franken ausgewiesen. Dank den Viertelfinalspielen in der vorletzten Saison gegen den SC Bern konnten Rückstellungen in der Höhe von 200'000 Franken realisiert werden. Mit einem Budget von 11 Mio. Franken zählen die Fribourger mittlerweile zu den fünf grössten der Liga. Verwaltungsratspräsident Daniel Baudin stellte an der vorerwähnten PK in Aussicht, dass weitere renommierte Firmen ins Boot geholt werden sollen. Die unermüdlichen Bemühungen seiner Crew zahlten sich aus. Mit der Firma Nestlé, einem der grössten Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie der Welt, ist die sportliche als auch finanzielle Zukunft der Fribourger gesichert. Bei den bereits verkauften Abos machte Fribourg einen gewaltige Steigerung. Über 5500 Dauerkarten gingen bereits über den Ladentisch, d.h. mehr als 1500 mehr als noch vor einem Jahr. Damit die Träume der Fribourger nicht schon frühzeitig platzen oder sich in Wohlgefallen auflösen, ist die Mannschaft um Pelletier angehalten, die dafür nötigen Punkte einzuspielen, um im Konzert der ganz Grossen des Schweizer Eishockeys mitzumachen. Die Unterstützung der Fans hat sich Gottéron längst erarbeitet.