
Der Meister aus Davos muss seinen Kader nach einigen namhaften Abgängen mächtig umbauen. Die Mannen um Kulttrainer Arno del Curto verlieren die drei teaminternen Topscorer der vergangenen Qualifikation, doch dem stehen einige viel versprechende Zuzüge gegenüber.
Bereits in der vergangenen Spielzeit zählte der HC Davos bei den "Experten" nicht zu den absoluten Topfavoriten, doch die Spieler um HCD-Leitwolf Reto von Arx haben mit ihrem unglaublichen Kraftakt ein Mal mehr bewiesen, dass der Titel eben doch nur über den HCD führt. Vier Meistertitel sowie zwei Finalniederlagen aus den vergangenen acht Jahren sprechen eine deutliche Sprache, doch erneut findet man den HCD weder bei den Experten noch bei den Buchmachern bei den absoluten Topfavoriten auf den Titel. Arno del Curto, auch bekannt als Meister des Understatements, solls recht sein.
Die drei besten Scorer sind weg
In der Tat ist es fragwürdig, ob der HCD in der Lage sein wird, die schwerwiegenden Abgänge kompensieren zu können, immerhin muss der Meister in der kommenden Saison mit Michel Riesen (zu den Rapperswil-Jona Lakers), Andres Ambühl (zu den New York Rangers) sowie Petr Sykora (zurück nach Pardubice) ohne die drei besten Scorer der vergangenen Qualifikationsrunde auskommen. Mit Robin Leblanc, Meisterschütze von 2007, verlässt zudem ein weiterer treffsicherer Spieler die Mannschaft.
Adäquater Ersatz ist auf Anhieb wohl nicht zu finden, doch Arno del Curto hat einige viel versprechende Transfers getätigt. Während Mathias Joggi und Gregory Sciaroni eher Investitionen in die Zukunft sind, wird von Daniel Widing ganz klar erwartet, in die Rolle von Riesen oder Sykora zu schlüpfen. Der 27-jährige Schwede erzielte in den vergangenen beiden Saisons in der schwedischen Elitserien jeweils 23 Treffer für Brynäs IF.
Abwehr wohl noch stabiler
Weit weniger kritisch scheint die Situation in der Verteidigung zu sein. Mit Florian Blatter, Andreas Furrer und Lukas Gerber verlassen drei Stammverteidiger den Verein, doch die Abwehr sitzt nach wie vor fest im Sattel. Beat Forster, während der vergangenen Saison zum HCD gestossen, ist nach eher unkonstanten Leistungen sicherlich zu einer massiven Leistungssteigerung fähig, zudem verstärken René Back sowie Nordamerika-Rückkehrer Tim Ramholt die Bündner Defensive.
Das Tor hütet weiterhin Leonardo Genoni, welcher durch den gewonnen Meistertitel sicherlich zusätzliches Selbstvertrauen tanken konnte. Obwohl er während der Finalserie zwischenzeitlich Reto Berra Platz machen musste, wird auch er wohl noch stärker sein wie letzte Saison.
Erfolgshunger, Champions Hockey League und "Heimvorteil"
Nach jedem weiteren Meistertitel den die Gebrüder von Arx, Gianola, Rizzi, Marha und Co. holen, stellt sich natürlich die Frage nach deren Erfolgshunger. Arno del Curto, der unermüdliche Antreiber mit dem Streben für das perfekte Eishockey, unterbindet jedoch solche Wohlstände bereits im Sommer, wo seine Spieler ein knallhartes Training absolvieren müssen. Der aus Siegertypen bestehende Kern der Mannschaft sowie die kontinuierliche Verjüngung sind weitere Argumente gegen den Erfolgshunger.
Dass die Champions Hockey League dieses Jahr nicht stattfinden wird, schmerzt wohl nicht nur den Kassier des HCD. Auch Trainer und Spieler haben sich auf den internationalen Vergleich gefreut, doch hätte die Doppelbelastung die Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung wohl beträchtlich gemindert.
Das definierte Ziel des Meisters ist ein Platz unter den ersten vier, also Heimrecht in der ersten Playoffrunde sowie Playoff-Halbfinal. Auf den Heimvorteil konnten sich die Davoser in der vergangenen Saison jedoch nicht verlassen. Während sie bei den Meistertiteln 2002, 2005 und 2007 unglaubliche 84.6% der Heimspiele gewinnen konnten, waren es beim jüngsten Meistertitel gerade mal 54.5%. Drei Playoff-Final-Auswärtssiege in Serie sowie die anhaltende Ungeschlagenheit in einem siebten Playoff-Spiel verdeutlichen jedoch, auf welchen Erfahrungswert die Bündner auch in Zukunft setzen können.
Fazit
Die Davoser Ausgabe 2009/2010 ist sicherlich schwierig einzuschätzen und könnte etwas an Qualität eingebüsst haben. Auf der einen Seite stehen schmerzhafte Abgänge zu buche, auf der anderen Seite haben einige Spieler enormes Steigerungspotential (Forster, Daigle, Bürgler, Stoop, Grossmann, Taticek) und könnten mit der zusätzlich übertragenen Verantwortung weiter wachsen. Die Konkurrenz aus Bern, Zürich, Kloten, Lugano und Fribourg ist sicherlich zum Teil stärker einzuschätzen, doch um Meister zu werden führt weiterhin kein Weg am HCD vorbei.