


Neben dem SC Bern hat der EHC Biel auf dem Trainermarkt mit der Verpflichtung von Kent Ruhnke als neuen Chefcoach für die grosse Sensation gesorgt. Damit haben sich die Seeländer „den“ Erfolgstrainer ins Boot geholt, um den möglichen Traum „Play-Offs“ wahr werden zu lassen. Auch bei Spielern wurden mit den Neuzuzügen von Sébastien Bordeleau, von den Mutzen, und Torhüter Reto Berra, vom Meister Davos, Qualität und nicht Quantität in die Bieler Eishalle geholt.
Wer kennt Meistermacher Kent Ruhnke noch nicht? Er wurde im Jahre 1983 als Spieler mit den Bielern Schweizer Meister. Nach seinem Wechsel ins Trainerfach zeigte der stets gutgelaunte am 18. September 1952 in Kanada geborene verheiratete Vater dreier Töchter auf, dass er auch auf seinem neuen Arbeitsgebiet fähig ist, ein Team ganz nach oben zu führen. Noch grösser war das Erstaunen in der Schweizer Eishockeywelt, dass er gleich zwei verschiedene Teams zu Meistern machte: im Jahre 2000 mit den ZSC Lions und 2004 mit dem SC Bern. Nach dem Abgang bei den Bernern setzte er beim damaligen B-Ligisten EHC Basel noch einen drauf und führte diesen 2005 in die National League A. Danach wurde es um den 1,86 m grossen Hünen still. „Eigentlich hatte ich mit dem Amt als Trainer abgeschlossen. Da Biel meine Lieblingsstadt in der Schweiz ist und ich zuvor den Verantwortlichen fünf Mal nein gesagt hatte, folgte ich nach reiflicher Beratung mit meiner Ehefrau dem Lockruf“, erklärt Ruhnke. Wie sieht dessen Saisonplanung aus? „Zu allererst muss ich eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen. Dank den guten neuen Spielern wurde mir die Arbeit dazu massiv erleichtert. Ich strebe den Ligaerhalt mit meiner Mannschaft an, obschon der „ominöse“ Strich auch in meinem Kopf herumgeistert!“ sagte Ruhnke und fährt fort: „Mit der Testphase darf ich zufrieden sein. Ich vertraue meinem Team voll und ganz und werde zu Beginn der Meisterschaft mit vier Blöcken durchspielen. Nur so sind wir in der Lage gegen Bern, Lugano, Davos und Kloten bestehen zu können, respektive den einen oder anderen unerwarteten Sieg feiern zu dürfen. Uns muss es aber gelingen, die in unserer Reichweite befindlichen Teams zu schlagen!“ Aus diesem Grund denkt er, könnten die Bieler am Ende der Qualifikation durchaus den achten Rang belegen.
Vom Punktelieferanten zum Punktejäger
Die Seeländer haben in den letzten zwei Meisterschaften eine grosse Gratwanderung hinter sich bringen müssen. In der Saison 2007/2008 krönten die Bieler den Saisonabschluss mit dem völlig verdienten Aufstieg in die höchste Spielklasse. Aber Achtung: In den Play-Offs hätte der Ehlers-Equipe das frühzeitige Aus gegen Ajoie gedroht und das gleiche wäre im Play-Off Final gegen La Chaux-de-Fonds passiert. Nur dank einer enormen Willensleistung folgten die legendären Liga-Quali-Spiele gegen den EHC Basel (5 Siege aus 64 Spielen!). Die Bieler setzten sich gegen den heutigen B-Klub mit 4:0-Siegen souverän durch.
Insgeheim rechnete alles im Umfeld der Bieler vor wenigen Monaten damit, dass ihre Lieblinge den undankbaren Weg in die Liga-Qualifikation antreten müssen. Die unterklassigen Waadtländer gingen 2:0 in der Serie in Führung, Biel konnte ausgleichen, ging gar in Führung, welche Lausanne wieder ausgleichen konnte. Beim denkwürdigen 5:1-Sieg unter Führung von Sportchef Kevin Schläpfer sicherten sich die Seeländer den Verbleib in der National League A. Dies sollte den Bielern in der neuen Saison kaum noch einmal passieren.
Mutiert Sébastien Bordeleau zum Bieler Publikumsliebling?
Der 34-jährige Stürmer Bordeleau könnte im Eisstadion der neue absolut unumstrittene Liebling der Massen werden. Dieses Prädikat hatte sich kanadisch-französische Doppelbürger beim SC Bern abgeholt und notabene weiss er, wie es sich anfüllt, Meister zu werden, dies zusammen mit Kent Ruhnke 2004. Aber auch bei Curtis Brown, von den Kloten Flyers, und Richard Jackman, vom schwedischen Zweitdivisionär Leksand, darf einiges erwartet werden. Joël Fröhlicher (zurück von den SCL Tigers), Torhüter Reto Berra vom Meister Davos, den beiden Kevins Gloor und Lötscher, Philippe Seydoux und Adrian Trunz darf vieles zugetraut werden, da alle beweisen wollen, nicht bei einem möglichen Abstiegskandidaten unterschrieben zu haben. Gemäss Chefcoach Ruhnke haben sich die Neuen bereits gut integriert.
Negative Zahlen geben zu Kritik Anlass
An der Pressekonferenz vom 1. September 2008 zeigte sich Verwaltungsratspräsident Andreas Blank noch zuversichtlich über den möglichen Ausgang der Finanzen für die Saison 2008/2009. Diesem Anspruch vermochten die Bieler allerdings nicht gerecht zu werden. Ganz im Gegenteil. Am 17. August 2009 musste der Öffentlichkeit ein massiver Verlust von über 930 000 Franken präsentiert werden. Dieser wurde durch die im diesem Frühjahr abgeschlossen Aktienkapitalerhöhung und weiteren Spenden gedeckt. Wie weiter, stellt sich die Frage. Erneut muss eine weitere Aktienkapitalerhöhung durchgezogen werden, um das strukturelle Defizit zu decken. Gemäss Blank liegen der AG verbindliche Zusagen von über eine Million Franken vor. An der Generalversammlung wurde mit Stéphanie Mérillat erstmals eine Frau in den Verwaltungsrat gewählt, welche gleich zur neuen Vize-Präsidentin ernannt wurde.