
Es ist der vielleicht grösste Umbruch in der Geschichte des HC Ambrì-Piotta. Die Ernennung von Filippo Lombardi als Präsident und die Verpflichtung von Benoit Laporte als Trainer und Sportchef. Sie sollen dem Club endlich die ersehnte Playoff-Qualifikation bringen. Die Hoffnungen ruhen auf treffsicheren Ausländern und frenetischen Fans.
Am 11. September ist es in der Valascia wieder so weit: Slapshots, Checks, Shorthander und Shutouts! Time for Ice Hockey! Der HC Ambrì-Piotta startet im ersten Spiel gegen den Erzrivalen HC Lugano zu einem weiteren Eishockeyabenteuer. Es startet aber auch eine neue Ära rund um den HCAP. Ein neuer Präsident und Vorstand hat neuen Wind in den Tessiner Traditionsclub gebracht. Die neue Crew hat innert kürzester Zeit das Unternehmen HCAP umgekrempelt. Die Finanzen konnten so gut wie möglich saniert, eine Aktienerhöhung erfolgreich abgeschlossen und Altlasten abermals abgetragen werden. Der neue starke Mann des HCAP, Ständerat Filippo Lombardi konnte bereits stolz verkünden, dass der Saisonkartenverkauf sehr gut angelaufen ist und das gesteckte Ziel von 3000 Jahresabos beinahe erreicht ist. Die Fans stehen wieder hinter ihrem Club. Welcher Club kann sich schon damit brüsten, 4500 fanatische Tifosi an die Spielerpräsentation zu locken?
In seiner fulminanten Rede hat Lombardi neuen Wind an allen Fronten versprochen. Neuen Wind an der Bande soll der 48-jährige Benoît Laporte bringen. Dies zum ersten Mal in der Clubgeschichte als Trainer und Sportchef zugleich. Der Franco-Kanadier Laporte gilt als harter, ehrlicher Arbeiter der auch unbeliebte Massnahmen wie Straftrainings, Degradierungen der Stars auf die Bank etc durchzieht. Laporte hat als Trainer bereits mehrfach bewiesen dass er in Lage ist, das Spielsystem einer Mannschaft gut zu organisieren. Da geht dabei es auch darum, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. "Ein Offensivspektakel ist gut und schön", sagte Laporte anlässlich der Medienpräsentation. "Aber Erfolg ist nur möglich, wenn wir dabei eine gute Defensivorganisation nicht vergessen. Mit Ambrì werde ich deshalb eher ein defensiv ausgerichtetes Hockey spielen.“
Parallel zum Headcoach wird Benoît Laporte in Ambrì auch als Sportchef amten. Dieser Trend hat sich in der NLA in den letzten Jahren bestens bewährt. In Davos hat Arno Del Curto als Coach und zugleich Sportchef in acht Jahren vier Titel geholt. Fribourg-Gottéron ist erst wieder ein Spitzenteam geworden, seit Trainer Serge Pelletier zusätzlich als Sportchef die Fäden zieht. In Genf hat es Trainer, Sportchef und Präsident Chris McSorley aus der NLB bis ins Playoff-Finale geschafft. Warum soll Ambrì nicht eine Playoff-Qualifikation mit Coach & Sportchef Benoît Laporte schaffen? Zum Assistenzcoach ernannt wurde Diego Scandella. Der 45 jährige Italo-Kanadier ist seit 2 Jahren in diversen Trainerfunktionen beim HCAP tätig.
Publikumsliebling Thomas Bäumle wieder zu 100% fit
Im Tor hat der HC Ambrì-Piotta wieder eine klare Nummer eins: Thomas Bäumle, der nach seiner schweren Verletzung sein Comeback gibt. Der Solothurner hat in den Vorbereitungsspielen gezeigt, dass er wieder 100% fit ist. Mit Bäumle steht bei Ambrì einer der besten Schweizer Torhüter zwischen den Pfosten. Kein Grund also, sich grosse Sorgen zu machen. Mit Lorenzo Croce verfügen die Leventiner über einen soliden Ersatzgoalie, der sicher den einen oder anderen Einsatz erhalten wird. Es sollte also nicht am Goalie liegen, falls man die Playoffs verpasst.
Die Verteidigung des HCAP hatte den Abgang von Urgestein Nicola Celio und Nick Naumenko zu verkraften. Die Leaderrolle Celios hat nun Rückkehrer Reto Kobach übernommen. Der Luzerner ist ein sicherer Wert und sollte die Ambrì Verteidigung weiter stabilisieren können. Anstelle von Nick Naumenko räumt sein Landsmann David Schneider in der eigenen Zone ab. Schneider ist ein relativ unbeschriebenes Blatt, hat aber in den Testspielen gezeigt, was in ihm steckt. Die Verteidigung sollte daher ein bisschen stärker sein als letzte Saison. Von Marc Gautschi erwartet man weitere Fortschritte und vom Junior Giacomo Casserini einige Teilzeiteinsätze. Die restlichen Verteidiger werden um die restlichen Stammplätze kämpfen. Die Ausländer David Schneider und Zdenek Kutlak werden von Benoît Laporte wohl viel Eiszeit erhalten. Es bleibt offen, ob David Schneider als Blueliner gefährlich genug sein wird um das Powerplay zu verbessern und für Tore zu sorgen. Obwohl Ambrìs Defensive in der Vorbereitung einen soliden Eindruck gemacht hat, bleibt die Verteidigung das grosse Fragezeichen.
Neuauflage des Atom Duos Erik Westrum und Kirby Law?
Der grösste Teil der Torproduktion aber wird wie bislang von den Ausländischen Stürmern abhängen. Diese Tore sollen die beiden wiedervereinten Stürmer Kirby Law und Eric Westrum produzieren. Der Kanadier spielte in der Schweiz bereits für Genf-Servette und zuletzt Freiburg. In 35 Spielen kam er dabei auf 7 Tore und 23 Assists. In der Leventina hofft alles auf eine erfolgreiche Reaktivierung des Atom Duos Erik Westrum und Kirby Law. Beim AHL-Team Houston Aeros hatten die beiden Sturmpartner in der Saison 2005/06 zusammen in 80 Spielen über 200 Skorerpunkte gesammelt. Law wurde Topscorer der AHL mit 110 Punkten (43 Tore, 67 Assists) und folgerichtig ins AHL-All-Star-Team gewählt. Noch mehr unter Druck kommen wird aber auch Erik Westrum. Er hat nun seinen Wunschpartner bekommen, muss aber auch gleichzeitig einiges aus der missratenen letzten Saison gut machen.
An schlechten Tagen gelingt das Toreschiessen den Ausländern aber auch nicht immer. Was geschieht, wenn die beiden treffsicheren Stürmer mal Ladehemmungen haben? Dann sollten die anderen Spieler wie Captain Paolo Duca, Alain Demuth oder Julian Walker in die Lücke springen und Verantwortung übernehmen. Neu dazu gekommen sind Roman Botta und Adrian Brunner. Sie kamen in den Vorbereitungsspielen regelmässig zum Einsatz. Stürmer Adrian Brunner ist schnell, wendig und technisch gut beschlagen und hatte eine gute NLB-Saison bei Ajoje. Ob es schon im ersten Jahr für die NLA reicht, wird sich zeigen. Eine Chance erhält auch Mauro Juri beim HCAP. Das 26-jährige Eigengewächs, Sohn des Ex Präsidenten Emilio Juri, machte die Vorbereitung mit Ambrì mit. Er wurde in den Vorbereitungsspielen ausgiebig getestet und könnte sich eventuell noch für einen Temporär-Vertrag empfehlen. Es gibt im aktuellen Kader sehr viele Stürmer und mit Joel Rossetti, Claudio Isabella und Alessio Moro eigene Nachwuchsspieler, die nun in die erste Mannschaft integriert werden. Es geht aber noch rund drei Wochen bis zum Saisonstart und die Testspielresultate dürfen nicht überbewertet werden. Aber es ist unübersehbar: Bei Ambrì hat sich in den vergangenen Testspielen ein Problem in der Offensive ergeben. Sechs Mal in Serie gelang dem HCAP nur ein mickriges Törchen. Definitiv viel zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen oder gar ein Playoff Platz zu ergattern.
Wird es dem HCAP diesmal zur Playoff-Qualifikation reichen?
Trotz vielen Fragezeichen im sportlichen Sektor ist Ambrì mit dieser Mannschaft durchaus in der Lage, die Playoffs zu erreichen. Viel wird von den Schlüsselspielern abhängen. Sind sie schon früh in Form und treffen regelmässig, kann der HCAP den Anschluss am Strich halten. Auch muss die Mannschaft vom Verletzungspech verschont bleiben. Verheerend wäre für die vielen Fans auf beiden Seiten des Gotthards, dass man schon im November abgeschlagen in den unteren Tabellenregionen anzutreffen ist. Denn der Zuschaueraufmarsch und dadurch die Matcheinnahmen würden darunter erheblich leiden. Ambrìs Kader der Saison 2009/10 ist breiter geworden, aber nicht erheblich besser. Benoît Laporte, der neue Trainer der Leventiner, hat einen schwierigen Job angetreten. Sein Spielsystem wird über Kampf und Kraft umgesetzt. Für den Franco-Kanadier ist ein guter Saisonstart wichtig. Gewinnt Laporte das erste Derby zum Saisonstart, hat er die Fans für die ersten Spiele auf seiner Seite. Anderseits drohen ihm bereits nach einigen Runden seitens der ungeduldigen Ambrì-Fans wohl die ersten Rauswurf-Transparente. Die genau gleichen Fans unterstützen aber auch ihren Klub mit Schlachtgesängen und Heissblütigkeit. Sie versuchen so, den Spielern das Letzte ab zu verlangen und zu Siegen zu pushen. Ob dies alles für die Playoffteilnahme reicht, wird man in einigen Monaten sehen. Es wäre zu hoffen dass für den Tessiner Dorfclub der neue Wind länger andauert als wenn der Nordföhn für ein paar Tage vom Gotthardpass hinunter stürmt.