Northeast Division: Viel Fortschritt gegenüber letzter Saison

Von Dennis Schellenberg

Die Northeast Division kommt stärker als noch letzte Saison daher. Die Bruins werden auch heuer wieder stark sein und Montreal und Toronto haben sich mächtig verstärkt. Und da wären dann auch noch Ottawa und Buffalo, die den anderen dreien auflauern.

Buffalo: Ein erfahrener Trainer kann viel bewirken

Letzte Saison mussten sich die Buffalo Sabres wegen zwei fehlenden Punkten frühzeitig in die Ferien verabschieden. Diese Saison versuchen es die Buffalo Sabres mit Konstanz. Dies gilt vor allem auf den Positionen des Staff. General Manager Darcy Regier und Headcoach Lindy Ruff sind beide seit elf Saisons dabei und starten im Oktober ihre zwölfte mit den Sabres. Die beiden weisen eine grosse Erfahrung auf und kennen ihr Team bestens. Und auch beim Kader herrscht eine gewisse Grundkonstanz, denn das Team wurde kaum verändert. Der einzige Abgang ist dieser von Jaroslav Spacek. Um den tschechischen Verteidiger zu ersetzten, wurde Steve Montador und Joey DiPenta verpflichtet. Teppo Numminen hat zudem seinen Rücktritt bekannt gegeben und schwächt somit die Verteidigung weiter. Maxim Afinogenov wurde ins Trainingscamp der Atlanta Thrashers eingeladen und wird auch dort die Saison verbringen. Dass Buffalo die Playoffs letzte Saison verpasste, hat auch mit der Verletzung von Ryan Miller zu tun, der wegen eines verstauchten Knöchels 13 Spiele fehlte und die Sabres in dieser Zeit vom sechsten auf einen nichtplayoff-Platz fielen. Auch im Sturm wurde das Kader nicht wirklich verstärkt. Einzig Mike Grier und Cody McCormick stossen zu den Sabres.

Hockeyfans.ch Prognose:

Obwohl viele behaupten, dass die Sabres die Playoffs erreicht hätten, wäre Miller nicht ausgefallen, wird es auch in dieser Saison wieder extrem eng am Playoffstrich. Die Verteidigung ist mit den Verlusten von Spacek und Numminen zu schwach und somit wird der ohnehin schon grosse Druck auf Ryan Miller noch grösser. Das Team von Lindy Ruff ist jung und unerfahren und könnte sich bei einem Rückschlag gehen lassen. Doch das Potenzial ist gross. Vanek, Roy und Pominville könnten die Sabres bei einer guten Saison praktisch im Alleingang in die Playoffs schiessen.

Ottawa: Von der „Last“ Heatley endlich befreit

11 Saisons lang waren die Ottawa Senators immer für die Playoff qualifiziert. Letzte Saison riss diese Serie, und zwar deutlich. Die Senators hatten eine katastrophale Saison. In einer eishockeyverrückten Stadt wie Ottawa liegt dies kein zweites Mal hintereinander drin. Dies weiss auch Headcoach Cory Clouston. Die erfreulichste Nachricht für das Team ist, dass man mit den San Jose Sharks endlich eine Abnehmer für Dany Heatley gefunden hat. Die Fans konnten die Geschichten rund um die „Seifenoper“ Heatley nicht mehr hören. Obwohl Heatley immer einer der besten Skorer im Team der Sens war, könnte der Abgang von Heatley für beide Parteien einen Neuanfang bedeuten. Zumal die Senators mit Cheechoo und Michalek zwei gute Spieler gegen Heatley bekommen haben. Der dritte grosse Namen unter den Zuzügen ist Alexei Kovalev. Der Altmeister kommt aus Montreal und bringt viel Erfahrung mit in die kanadische Hauptstadt. Damit macht Kovalev den abgewanderten Comrie ohne weiteres vergessen. Und auch die Torhüterposition ist komfortabler als noch letzte Saison. Mit Brian Elliott und Pascal Leclaire stehen zwei talentierte junge Torhüter zur Verfügung, falls sie verletzungsfrei durch die Saison kommen. Vor allem Letzterer gilt als verletzungsanfällig und Elliott könnte so schnell zur heimlichen Nummer eins werden.

Hockeyfans.ch Prognose:

Es wird definitiv eine heisse Saison für die Ottawa Senators. Eine Schmach wie in der vergangenen Spielzeit liegt nicht mehr drin. Das wissen auch die Spieler und Funktionäre und obwohl sich die Sens deutlich verstärkt haben, stehen die Spieler unter Druck, denn der Erfolgsdruck ist relativ hoch. Und Leistungsträger wie Kovalev, Alfredsson, Phillips oder Kuba werden auch nicht jünger. Doch ein Playoffplatz liegt für die Senators in Reichweite und danach ist bekanntlich alles möglich, vor allem wenn man wie die Sens ein starkes Publikum wie eine Wand hinter einem stehen hat.

Boston: Ist eine Steigerung überhaupt noch möglich?

Boston darf endlich wieder stolz auf die örtlichen Eishockeystars sein. Seit der Saison 06/07 hat sich das Team stetig verbessert und stellte letzte Saison ein absolutes Topteam. In der ersten Runde schickte man Montreal chancenlos mit 4:0 nach Hause. Danach schieden die Bruins allerdings tragisch aus. Im siebten und entscheidenden Spiel verloren die Bruins zu Hause gegen Carolina in der Verlängerung. Obwohl die Menschen in Boston stolz auf die Saisonleistung des Teams waren, wäre laut den Bostonians der Titel drin gewesen. Die neuen Boston Bruins treten mit viel Selbstvertrauen auf und zermürben die Gegner mit aggressivem Powerhockey. Und auch in dieser Saison werden die Bruins wieder ähnlich auftreten. Die beste Verteidigung der letzten Saison wird mit dem Zuzug von Derek Morris und den Abgängen von Montador und Hnidy etwa gleich stark bleiben. Die Bruins hoffen auf eine ähnlich starke Saison von Torhüter Tim Thomas. Als Backup steht der junge und viel versprechende Tuukka Rask für seinen Einsatz bereit. Im Sturm muss Coach Claude Julien allerdings auf Phil Kessel verzichten, der nach Toronto wechselte. Kessel erzielte letzte Saison 36 Tore in der regulären Saison und muss nun von anderen Spielern ersetzt werden, da die Bruins ausser Steve Begin keinen namhaften Zuzug zu vermelden haben. Ausserdem müssen die Bruins wieder auf Marco Sturm zählen können, der letzte Saison aufgrund einer Verletzung nur wenige Spiele bestritt.

Hockeyfans.ch Prognose:

Das Powerhouse der Liga wird auch in dieser Saison wieder vorne mitmischen. Die Playoffqualifikation dürfte kein Problem darstellen und danach könnten die Bruins weiter als noch letzte Saison kommen, da Boston in den vergangenen Playoffs Erfahrungen sammeln konnte. Auch die Chemie zwischen Alt und Jung stimmt im Team von Claude Julien. Doch ob Thomas seine grandiose Saison nochmals wiederholen kann, sei dahingestellt. Und die verletzungsanfälligen Sturm, Bergeron und Ference müssen fit bleiben.

Toronto: Mit Burke zurück zu alten Zeiten

Seit der NHL-Lockout Saison 04/05 konnten sich die Toronto Maple Leafs nicht mehr für die Playoffs qualifizieren. Dies ist ein Debakel für die Traditionsmannschaft aus Ontario. Noch nie in der über 80-jährigen Geschichte der Leafs hat die Mannschaft eine solche Durststrecke erleben müssen. Nun aber soll Schluss sein, denn die Leafs haben die Antwort auf Besserung gefunden – Brian Burke. Der General Manager, der die Anaheim Ducks zum Titel führte, gilt als einer der besten der Liga. Und Burkes Pläne sind erfolgsversprechend, denn er liebt das harte Element in seiner Mannschaft. Und bereits in seiner ersten Off-Season mit dem Club war klar welchen Weg die neuen Leafs einschlagen werden. Mit Beauchemin, Komisarek, Orr und Exelby wurden vier physisch starke Spieler verpflichtet. Dass drei von ihnen Verteidiger sind, ist keine Überraschung, bekamen die Leafs doch letzte Saison am meisten Gegentore. Die drei neuen Verteidiger werden den Abgang von Kubina mehr als nur vergessen machen. Im Sturm konnte man die Talente Newbury und Williams nicht halten, ebenso nicht wie Torhüter Justin Pogge. Doch mit Tyler Bozak und Nazem Kadri stehen zwei neue Talente in den Startlöchern und für Pogge hat man Gustavsson und MacDonald geholt. Die beiden neuen Torhüter sind beide noch relativ jung und könnten Stammtorhüter Vesa Toskala die Show stehlen. Burkes Verhandlungsgeschick brachte den Leafs Stürmer Phil Kessel ein. Der Amerikaner erzielte letzte Saison 36 Tore, wird Toronto aber noch bis etwa November verletzungsbedingt fehlen.

Hockeyfans.ch Prognose:

Die neuen Leafs sind talentiert, böse und nochmals böse. Burkes Handschrift ist bereits nach wenigen Monaten zu sehen und dies kann nur gutes für Toronto bedeuten. Die Fans können endlich wieder gutes Eishockey sehen, und dies nicht nur vom Gästeteam. Trotzdem wird es schwer für die Mannschaft von Ron Wilson, denn die vielen Neuverpflichtungen müssen sich zuerst integrieren. Vor allem die Verteidigung hat sich deutlich verändert. Und auch auf der Torhüterposition ist unklar, ob die drei Goalies genug gut sind, um die Playoffs zu erreichen. Die Konkurrenz sollte allerdings gewarnt sein, denn die Leafs stellen einen deutlich besseren Gegner als noch letzte Saison.

Montreal: Besser oder einfach anders?

In diesem Jahr feiert das älteste NHL-Team, die Montreal Canadiens, sein 100-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten wurden mit dem NHL Allstar-Game und dem NHL Entry Draft, welches beides in Montreal stattfand, getoppt. Doch das Ausscheiden in der ersten Runde gegen Boston war ein herber Dämpfer für die Fans. Zumal man gleich mit einem klaren 4:0 heimgeschickt wurde. Die Habs sind gut in die Saison gestartet, doch nach dem Allstar-Game funktionierte nicht mehr viel und die Canadiens konnten sich mit Ach und Krach in die Playoffs retten. In diesem Jahr soll dies nicht mehr geschehen und darum wurde die halbe Mannschaft ausgewechselt. Die Neuzugänge Gomez, Cammalleri, Gionta, Gill, Mara, Moen und Spacek zergehen den Fans auf der Zunge. Doch nicht alle sind mit den Transaktionen glücklich. Viele Fans beschweren sich, dass die neuen Canadiens keinen Charakter mehr besitzen. Denn so lang die Liste der neuen Spieler ist, so lange ist auch die der Abgängen. Die Habs verlieren Identitätsfiguren wie Higgins, Komisarek, Kovalev, Koivu oder Francis Bouillon. Dazu kommen: Lang, Schneider, Tanguay und Dandenault die auch nicht mehr bei Montreal unter Vertrag stehen. Einzig auf der Torhüterposition teilen sich nach wie vor Halak und Price den Platz des Nummer eins Torhüters. Dahinter ist Sanford neu zum Team gestossen. Dies lässt die Canadiens-Fans weiter skeptisch sein, denn Price hatte keine gute Saison und Halak war für den Nummer-eins-Posten (noch) nicht bereit. Obwohl bei einer dermassen hohen Anzahl von neuen Spielern eine Integrierungsphase notwendig ist, zeigten sich vor allem Gomez, Gionta und Cammalleri in einer bestechend guten Form in den bisherigen Vorbereitungsspielen.

Hockeyfans.ch Prognose:

Diese Montreal Canadiens haben das Potenzial zu einer Spitzenmannschaft, keine Frage. Nur schon die drei „grossen“ Neuen: Gomez, Gionta, Cammalleri sind absolute Topverstärkungen und können viel bewirken, doch die Frage ist: Wie schnell werden die Canadiens als Team funktionieren? Fakt ist, dass sich Price und Halak steigern müssen und die jungen Kostitsyn-Gebrüder und die anderen Jungtalente eine genauso erfolgreiche Saison wie die letzte spielen müssen. Aber falls die Canadiens schnell zueinander finden und die Saison verletzungsfrei abläuft, müssen die anderen Titelfavoriten gewarnt sein.