NHL Northwest Division: Nur Vancouver und Calgary konkurrenzfähig?

Von Dennis Schellenberg

hockeyfans.ch schaut auf die neue NHL-Saison voraus – Conference für Conference, Division für Division, beginnend im Westen. Die Northwest Division, eine der „kanadischen“ Divisionen, stellt mit Vancouver und Calgary zwei starke Teams. Edmonton und Minnesota wollen den beiden Teams aber den Schneid abkaufen. Für Colorado wird es wohl eine weitere Aufbau-Saison geben.

Vancouver: Auf dem richtigen Weg

Als Mike Gillis am 23. April 2008 als neuer General Manager der Vancouver Canucks vorgestellt wurde, verkündete der 50-Jährige eine radikale Veränderung und bald kommenden Erfolg. Und er hielt sein Wort, vor allem bei den Veränderungen. Langzeit-Kapitän Markus Näslund und Brendan Morrison wurden wegtransferiert und mit Mats Sundin hat Gillis einen Altstar an Board geholt. Weiter wurden während der Off-Season die Verträge mit den beiden schwedischen Zwillingen, Daniel und Henrik Sedin, verlängert. Kanadas Nationaltorhüter Roberto Luongo erhielt zudem einen Rentenvertrag über 12 Jahre. Doch der Erfolg blieb den Canucks vorerst noch verweht. Zwar konnte man sich letzte Saison für die Playoffs qualifizieren, doch gegen die Blackhawks zog man bereits in der ersten Runde den kürzeren. Auf die nächste Saison hin bastelte Gillis weiter an seiner Mannschaft. Aus Detroit kam Mikael Samuelsson. Weil Vancouver mit Mattias Ohlund den Abwehrchef verloren hat, wurde die Defensive mächtig aufgestockt. Mathieu Schneider, Christian Ehrhoff und Brad Lukowich sind die drei neuen grossen Namen. Auf der Torhüterposition dürften die Canucks gut besetzt sein. Und falls Luongo verletzt ausfallen sollte, steht Neuverpflichtung Andrew Raycroft als Back-up bereit. Auch Talent ist in der Mannschaft von Alain Vigneault genügend vorhanden. Die jungen Raymond, Hansen und Edler können auf gute Leistungen in der letzten Spielzeit zurückblicken und mit Cody Hodgson und Sergei Shirokov stehen zwei sehr talentierte junge Spieler zur Verfügung.

Hockeyfans.ch Prognose:

Obschon die Defenisve enorm verstärkt wurde, hat man die Offensive zu wenig ergänzt. Zwar wurde mit Samuelsson das Offensivpotenzial weiter verbessert, doch mit der Anzahl an erzielten Toren stand man letzte Saison mit 243 Treffern nur auf Rang 11. Ein weiteres Problem könnte die Abhängigkeit der Sedins sein, die über 20 Punkte mehr als der drittbeste Skorer der Canucks erzielt hatte. Doch mit den Vancouver Canucks ist nächste Saison auf jeden Fall zu rechnen. Läuft es auch Alexandre Burrows und Pavol Demitra in der kommenden Saison wieder gut, liegt viel drin.

Calgary: Viel Wechsel, kein Fortschritt?

Zum 30-jährigen Vereinsjubiläum wollen die Calgary Flames wieder voll angreifen. Am liebsten in ähnlichem Stil wie sie es in der Saison 03/04, als die Flames erst im Final an Tampa Bay scheiterte, getan haben. Doch General Manager Darryl Sutter steht vor einer schwierigen Mission. Die Calgary Flames müssen auf insgesamt 171 Skorerpunkte verzichten. In Namen sind das: Mike Camalleri, Jordan Leopold, Wayne Primeau, Todd Bertuzzi, Adrian Aucoin und Jim Vandermeer. Vor allem der Abgang von Cammalleri dürfte den Flames schmerzen. Doch Sutter schaute dem Transfermarkt nicht tatenlos zu und verpflichtete wichtige neue Teamstützen. Wichtigste Neuverpflichtung ist Jay Bouwmeester, der neue Abwehrchef der Flames. Er soll neben Dion Phaneuf und Robyn Regher den Druck von Torhüter Miikka Kiprusoffs Schultern nehmen. Die Lücke von Cammalleri und Bertuzzi konnte man mit Nigel Dawes und Fredrik Sjöström zwar nicht füllen, doch Sutter erhofft sich von Glencross, Bourque und Moss eine weitere tolle Saison, so dass die Lücken in der Offensive geschlossen werden kann. Einzig auf der Torhüterposition hat man nichts verändert. Miikka Kiprusoff, der in 76 Saisonspielen plus Playoffs agierte, wirkte oft ausgelaugt. Sein Back-up McElhenney war seiner Aufgabe, Kiprusoff zu entlasten, nicht würdig. Und es ist zu bezweifeln, dass er es in dieser Saison besser machen wird.

Hockeyfans.ch Prognose:

In Calgary gab es viele Neuerungen. Auch an der Bande steht mit Brent Sutter ein neues Gesicht. Gut möglich, dass die Flames am Anfang grössere Schwierigkeiten habe werden auf Touren zu kommen. Zudem muss Kiprusoff wieder zu alter Stärke zurückkehren. Doch das Kader ist tief und die Flames sind auch in diesem Jahr wieder als Playoffkandidat mehr oder weniger gesetzt.

Colorado: So schlecht wie noch nie

Acht Jahre ist es her als die Colorado Avalanche den Stanley Cup Sieg feiern konnten. Doch nach der regulären Saison im vergangenen Frühjahr schlossen die Avs als drittschlechtestes Team der Liga ab. Praktisch alles lief schief und die Konsequenzen waren schnell gezogen. Der Headcoach, sowie der General Manager wurden ausgetauscht. Joe Sacco (Headcoach) und Greg Sherman (GM), die Neuen, haben eine lange und schwierige Saison vor sich. Doch die bitterste Nachricht für Team und Fans dürfte der Rücktritt von Spielerlegende Joe Sakic sein. Neben Sakic hat Colorado auch die Lücken von Ryan Smyth, Tyler Arnason und Publikumsliebling Ian Laperriere zu füllen. Im Austausch für Smyth kamen die beiden Verteidiger Kyle Quincey und Tom Pressing von Los Angeles. Weil Torhüter Raycroft auch nicht mehr bei den Avalanche spielen wird, konnte man Craig Anderson verpflichten, der mit Peter Budaj das Torhüterduo bilden wird. Anderson, der bei Florida im Schatten von Vokoun stand, bestritt letzte Saison immerhin 31 Spiele und weil Budaj eine schlechte Saison hatte, könnte Anderson sogar die neue Nummer eins bei den Avs werden. Doch der schlechteste Sturm der vergangenen Spielzeit wurde kaum verstärkt. Da kommt der diesjährige Topdraft Matt Duchene genau richtig. Doch der 18-jährige Kanadier, der Chancen auf den „Rookie of the Year“ hat, wird den Unterschied (noch) nicht ausmachen können.

Hockeyfans.ch Prognose:

Colorado schloss in der letzten Saison so schlecht ab wie noch nie seit die Franchise in die Rockies gezügelt ist. Und kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Zu viele Schlüsselspieler sind weg und die Neuverpflichtungen können diese Lücken kaum schliessen. Zudem kommt hinzu, dass Joe Sacco keine Erfahrung als Trainer in der NHL aufweisen kann. Und auch das Torhüterduo Anderson/Budaj scheint nicht genug gut zu sein. Mit dem derzeitigen Kader stellen die Colorado Avalanche definitiv kein Spitzenteam und auch um einen Playoffplatz zu erreichen dürfte es wohl ein kleines Wunder benötigen.

Edmonton: Comrie und Khabibulin sollen es richten

Gerne erinnern sich die Edmonton Oilers Fans an die Saison 05/06, in der sich die Oilers erst im siebten Spiel des Finals gegen Carolina geschlagen geben musste. Obwohl man die Playoffs als letzte Mannschaft noch erreichte und keiner mit den Oilers gerechnet hatte, überraschte Edmonton die ganze Eishockeywelt und kämpfte sich mit Herzblut hervorragend in die Finalspiele. Doch seit diesem Erfolg hat Edmonton grosse Probleme, ein ähnliches Kunststück zu wiederholen. Denn die Kanadier konnten sich seit der Saison 05/06 nicht mehr für die Playoffs qualifizieren. Dies soll sich nun ändern und mit Pat Quinn steht nun ein erfahrener Coach an der Bande der Oilers. Die anderen beiden wichtigen Zuzüge sind Nikolai Khabibulin und Mike Comrie. Der russische Torhüter, der aus Chicago zu den Oilers stösst, wurde aufgrund der vielen Gegentore in der letzten Saison verpflichtet. Zudem brauchten die Oilers nach den Abgängen der beiden Goalies, Roloson und Garon, unbedingt einen neuen Torhüter. Mit Mike Comrie keehrt ein Eigengewächs zurück nach Edmonton. Comrie, der zuletzt eine schwache Saison bei den Islanders und Senators bestritt, hofft in Edmonton auf einen Neuanfang. Neben Roloson verliessen auch Kyle Brodziak und Ales Kotalik die Oilers diesen Sommer. Beide werden ein Loch hinterlassen, das die Oilers mit Comrie und Jordan Eberle stopfen wollen. Letzterer, ein erstrunden Pick des letzten Drafts, hatte in der vergangenen Saison in neun Spielen für die Springfield Falcons (AHL) neun Punkte erzielen können, und wird wohl den Sprung in die erste Mannschaft dieses Jahr schaffen.

Hockeyfans.ch Prognose:

Mit Khabibulin und Comrie stossen zwei echte Verstärkungen zu den Oilers. Zudem werden Jungstars wie Cogliano, Gagner und O’Sullivan viel Eiszeit geniessen können und so ihr Spiel weiter verbessern. Doch Spieler wie Abwehrchef Sheldon Souray oder Captain Ethan Moreau müssen verletzungsfrei durch die Saison kommen, wollen die Oilers die Playoffs endlich wieder einmal erreichen. Dennoch gehören die Oilers definitiv zu den erweiterten Playoffkandidaten und sie haben ja bereits schon ein Mal bewiesen, dass sie die komplette Liga auf den Kopf stellen können.

Minnesota: Offensiveres Denken ein Muss

Aufgrund drei fehlender Punkte verpassten die Minnesota Wild letzte Saison die Playoffs. Zum Teil auch, weil Topskorer Marian Gaborik wieder einmal eine lange Zeit verletzungsbedingt fehlte. Doch auf den „Problemfall“ Gaborik reagierte man nun in Minnesota und hat den Slowaken zu den New York Rangers ziehen lassen. Allerdings scheint man im State of Hockey auf verletzungsanfällige Spieler zu stehen, denn mit Martin Havlat wurde genau ein so anfälliger Spieler wie Gaborik verpflichtet. Der zweite namhafte Zuzug ist Kyle Brodziak aus Edmonton. Der Center konnte immerhin 27 Punkte in der vergangenen Saison erzielen. Zudem wurde auf der Torhüterposition Wade Dubielewicz unter Vertrag genommen. In den letzten Jahren sorgte vor allem die defensive Einstellung des Vereins für Gesprächsstoff. Die Wild stellten letzte Saison mit 197 Gegentoren die zweitbeste Abwehr der Liga. Doch das grösste Problem liegt in der Offensive. Minnesota erzielt zu wenig Tore. Der interne Topskorer, Mikko Koivu, konnte lediglich 67 Punkte erzielen. Und der Sturm wurde auf diese Saison hin nicht wirklich verstärkt. Dafür gibt es auf der Trainerposition eine Veränderung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Franchise wird ab kommender Saison nicht mehr Jacques Lemaire hinter der Bande stehen. Todd Richards wird sein Nachfolger werden.

Hockeyfans.ch Prognose:

Letzte Saison verpassten die Minnesota Wild die Playoffs nur knapp. Zudem wurde das Team von Verletzungssorgen geplagt. Auch in dieser Saison stellen die Wild wieder ein konkurrenzfähiges Kader. Doch Minnesota muss offensiver spielen, um die Playoffs zu erreichen. Brodziak und Havlat sollen dies nun definitiv umsetzen. Und Minnesota verfügt über ein breites Kader und ist deshalb ein Playoffkandidat. Vielleicht fehlt den Minnesota Wild aber einen klaren Leader im Team.