Kloten Flyers die Besten?

Von Martin Merk

Spieglein, Spieglein an der Wand, welches ist das beste Eishockey-Team im Land? Darauf eine Antwort zu finden ist zwar eigentlich noch zu früh, doch eine kurze Betrachtung der ersten Wochen Eiszeit kann nicht schaden. Zuvordest stehen dabei die beiden Finalisten vom letzten Frühling: Die Kloten Flyers eine Nasenlänge vor dem HC Davos.

Testspiele zu analysieren. Man kann es als Unfug bezeichnen. Denn noch sind wir acht Monate davor entfernt, einen Captain die NLA-Trophäe in die Luft stemmen zu sehen, Spieler mit Bier und Champagner duschen zu lassen in Zigarren-verqualmten Garderoben und den Trainer sagen zu hören, dass er schon von Anfang an an seine Jungs geglaubt hat und was für einen Charakter das Team bewiesen habe.

Nun sind schon über zwei Wochen lang Testspiele ausgetragen worden, welche hockeyfans.ch als exklusives Medium abdeckt. Wir haben uns erlaubt, die Leistungen genauer unter die Lupe zu nehmen und eine Rangliste zu erstellen, die wir eigentlich gar nicht als repräsentativ bezeichnen wollen. Zu unterschiedlich sind die Vorbereitungen. Und dann die Ausreden mit den Verletzten, mit dem intensiveren Training als beim Gegner und so weiter und so fort.

Doch am Ende gewinnt bekanntlich, wer im Gewinnen am erfolgreichsten ist, und selten, wer die meisten Ausreden liefert, oder? Darum schauen wir uns doch mal wagemutig die nicht immer vielsagenden Spielausgänge an und stellen fest: Wie im Frühjahr sind Davos und Kloten in bester Form. Und diesmal sehen wir Kloten sogar eine Nasenlänge voraus.

1. Für die Kloten Flyers ging es traditionell nach Schweden. In den zwei Wochen davor waren die Flieger auf Schweizer Eis erfolgreich. Vor heimischem Publikum wurden Biel (6:0) und der slowakische Extraliga-Club Banska Bystrica (6:1) weggefegt, gegen Lugano gab es dafür eine 1:2-Niederlage im Penaltyschiessen.

2. Arno Del Curtos Mannen zeigten sich bislang stark. Auch wenn es zuletzt eine Niederlage im Penaltyschiessen gegen Liberec absetzte. Die mit dem Ex-NHL-Verteidiger Tim Ramholt (offiziell noch nicht unter Vertrag genommen) antretenden Bündner bestachen mit ihren Siegen über Lugano und Metallurg Magnitogorsk.

3. Genf-Servette mit seinem neuen Torhüter Tobias Stephan zeigte sich bislang mittelprächtig. Bei der traditionelle Teilnahme an den Hockeyades im Vallée de Joux gab es nach einer Startniederlage gegen Metallurg Magnitogorsk (3:5) einen 6:3 gegen Lausanne und im Spiel um Platz drei setzte sich Servette gegen Pardubice mit 3:1 durch.

4. Der SC Bern wartet zwar weiterhin auf seinen ersten Sieg seit dem Viertelfinal-Out gegen Zug, mit drei KHL-Gegnern wurde die Messlatte vom Management aber auch hoch angesetzt. Beim 1:5 gegen Atlant Mytischtschi gab es für Martin Gerber den ersten Sieg. Gegen Dynamo Moskau verlor Bern erst im Penaltyschiessen im wohl besten Spiel des Sommers auf Schweizer Eis.

5. Der HC Fribourg-Gottéron zeigte sich bislang noch nicht konstant. Gegen die B-Ligisten Ajoie (3:2) und Lausanne (7:8) präsentierten sich die Drachen nicht in NLA-Verfassung. An den Hockeyades gegen Pardubice (6:2) und im Finale gegen Metallurg Magnitogorsk (3:4 n.P.) dafür schon eher.

6. Auf dem Eis läuft es den SCL Tigers halb so schlimm wie dahinter. Das gönnen wir den Langnauern, müssen sie doch von den Medien im Bernbiet schon genug einstecken. Nach einem sieglosen Start in die Vorsaison gegen Barys Astana (1:3) und den NLB-Club Visp (4:4) trotzten die Emmentaler den Turbulenzen mit Siegen gegen das slowakische Banska Bystrica und das tschechische Litvinov, jeweils mit 3:2.

7. Der EHC Biel startete mit einer bedenklichen 0:6-Niederlage in Kloten in den August. Kent Ruhnke wird dieses Spiel wohl als Warnung und Motivationsspritze einsetzen für eine Weile. Seither sind die Bieler in drei Spielen gegen den B-Ligisten Sierre (10:3) sowie den tschechischen Teams Litvinov (4:4) und Liberec (3:1) jedenfalls unbesiegt.

8. Der HC Lugano startete mit einem 2:4 in Davos in die Testspielzeit und besiegte dafür den Vizemeister Kloten auswärts mit 2:1 im Penaltyschiessen. Es folgte ein Trainingslager in der Heimat des neuen Trainer Kenta Johansson, wo es gegen Brynäs und Frölunda Niederlagen absetzte.

9. Der EV Zug hat in der Vorsaison bislang noch nichts Besonderes vorzuweisen. Nach einem unspektakulären 2:1-Sieg beim B-Ligisten Langenthal ging es ins Südtirol zum Dolomiten-Cup. Nach einem 6:0 gegen eine Auswahl junger Italiener kam es im Finale zum Showdown gegen die Kölner Haie mit Lars Weibel. Und Weibel, bis vor kurzem der EVZ-Goalie, behielt die Oberhand – 5:4 für die Deutschen. Das Tor in allen drei Spielen hütete bislang der junge Sandro Zurkirchen. Jussi Markkanen wartet nach einer Verletzung im Training auf seinen ersten Einsatz.

10. Die ZSC Lions bestritten bislang erst zwei Spiele mit zwei Gesichtern. Gegen Gerbers Atlant Mytischtschi erwiesen sich die Zürcher nach ihrem CHL-Triumph erneut als Russenschreck, dafür ging die Nacht der Champions mit einer 1:8-Niederlage gegen die Eisbären Berlin gründlich in die Hosen.

11. Der HC Ambrì-Piotta liess mit einem 3:2-Sieg gegen den KHL-Club Barys Astana aufhorchen, doch die Hockeyades in Le Sentier waren ein Debakel. 1:6 gegen die Tschechen aus Pardubice, 1:6 gegen Metallurg Magnitigorsk und selbst im Kampf um den letzten Platz gegen den B-Ligisten Lausanne (1:3) setzte es eine Niederlage ab. Ambrì wird wohl auch dieses Jahr nicht zu den Playoff-Favoriten zählen.

Ohne Wertung: Die Rapperswil-Jona Lakers bringen derzeit keine Farbe ins Spiel. Als einziger Club verzichteten die Eisblauen bislang auf Testspiele. Im einzigen Vorsaison-Heimspiel wartet für die Fans dafür am Samstag Dynamo Moskau als Gegner. Dann haben auch die Lakers gewisse kompetitive Anhaltspunkte.