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Draft: Schweiz braucht mehr Talent |
Am 26. bis 27. Juni werden wieder die besten Nachwuchsspieler der ganzen Welt gekürt. Dann nämlich, wenn der diesjährige NHL Entry Draft in Montréal über die Bühne geht. Es wäre wohl keine Überraschung, wenn kein Schweizer Pick gezogen wird, aber wie sehen die Chancen der Schweizer Junioren wirklich aus, um gedraftet zu werden? Hockeyfans.ch sprach mit dem einzigen Schweizer Scout, Thomas Roost.
"Während der U18-WM in Fargo hatte ich die intensivste Zeit. Ich musste viele Spiele abdecken um letztlich mitzuhelfen, die Spieler für die europäische Rangliste vom Central Scouting Bureau zu erstellen, bei dem ich verantwortlich bin für die Schweizer und Deutschen", sagt Thomas Roost. Er ist bei Central Scouting Europe angestellt - dem von der NHL in Auftrag gegebenen Scouting Service. Nachdem die jungen Spieler beobachtet wurden, wird eine Rankingliste erstellt, welche die NHL-Clubs als Hilfe für den Draft gebrauchen. "Während Juniorenweltmeisterschaften beobachte ich vor allem auch die anderen europäischen Spieler und vergleiche sie mit den Spielern aus meinem Territorium." Seine Arbeit ist getan, wenn die Listen fertig erstellt sind und die NHL will, dass dies jeweils noch vor Ende der U18-WM geschieht. Am Draft selber ist er nicht mehr vor Ort.
Tavares gilt als Favorit
Die Islanders, welche den ersten Spieler ziehen können, werden sich wohl ziemlich sicher die Rechte an Supertalent John Tavares sichern. Entgegen den entstandenen Gerüchten würde Tavares gerne für die Isles spielen, wie er selber eingestanden hatte. Hinter ihm, ist das Rennen offen. Neben dem schwedischen Abwehrhünen Victor Hedman lauert vor allem Center Matt Duchene. Doch wie beurteilt Thomas Roost die Chancen der Schweizer Spieler in Bezug auf einen frühen Pick?
Wenig Schweizer Lichtblicke
"Die Schweizer Chancen stehen schlecht. Sie müssen sich vorstellen, es befinden sich 200 europäische Spieler auf dieser Liste, gedraftet werden allerdings nur etwa 20", erklärt Roost. Servette-Torhüter Benjamin Conz wurde aufgrund seiner Erfahrungen, die er in der vergangenen Saison sammeln konnte, hoch gehandelt. "Ich bin mir nicht sicher, ob es für ihn reichen wird. Da er an der U18-WM nicht überzeugen konnte, fiel er in der Liste nach unten." Gewisse Chancen rechnet sich Roost auch noch für GCK-Stürmer Reto Schäppi und den Berner Alain Berger aus. "Sie könnten eventuell spät gezogen werden." Roost gefällt Schäppis grosse Reichweite und seine Puckkontrolle entlang der Bande und in den Ecken. "Doch er muss noch konstanter werden", sagt Roost. Knapp nicht unter den besten 100 Spielern auf europäischem Eis befinden sich Luca Camperchioli, Romain Loeffel und Tristan Scherwey.
Niederreiter grösste Schweizer Hoffnung
Der aus heutiger Sicht beste Schweizer Draftkandidat ist HCD-Stümer Nino Niederreiter. Allerdings ist der Bündner ein so genannter "Underager" und damit noch nicht draftberechtigt. "Er ist für den diesjährigen Draft zu jung, er wird erst nächstes Jahr zur Verfügung stehen. In meinen Augen hat Niederreiter aus heutiger Sicht 2.-Runden-Potenzial. Doch im CHL Import Draft wird er bereits dieses Jahr ziemlich sicher gezogen. Es ist sehr gut möglich, dass er nächste Saison nach Nordamerika geht." Im Gegensatz zu Niederreiter ist Lukas Flüeler ein "Overager", will heissen, auch der Lions-Schlussmann könnte am diesjährigen Draft noch gezogen werden. Auch ein weiterer "Overager", der Berner Etienne Froidevaux, hat Aussenseiterchancen. Doch wegen ihres Alters stehen die Chancen, trotz einer starken Saison, nicht gut.
"Schweizer Spieler brauchen mehr Talent"
Auch dieses Jahr stehen wieder nur wenige Schweizer Spieler im Draft zur Verfügung, währenddessen Länder wie Schweden oder Russland gleich reihenweise Nachwuchsspieler stellen. Woran liegt das und was benötigen Schweizer Spieler, um sich in Nordamerika durchsetzen zu können? "Sie brauchen mehr Talent, d.h. im Bereich Puckkontrolle, Schusstechnik und Skating gibt es Defizite. Der Abstand zu Ländern wie Schweden, Russland, Kanada und USA ist leider wieder sehr gross geworden." Bei dieser Prognose ist zu hoffen, dass die Schweiz im nächsten Jahr mit Niederreiter und anderen Talenten besser dasteht, als in diesem Jahr. Aber wer weiss, vielleicht ist ja einem NHL-Scout ein Schweizer aufgefallen, mit dem Central Scouting nicht unbedingt gerechnet hat.
Europäische Feldspieler:
1. (1.) Victor Hedman (V, Modo, Schweden)
2. (2.) Magnus Pääjärvi-Svensson (S, Timrå, Schweden)
3. (3.) Jacob Josefson (S, Djurgården, Schweden)
4. (8.) Oliver Ekman Larsson (V, Leksand, Schweden)
5. (5.) Tim Erixon (V, Skellefteå, Schweden)
Ferner:
54. (48.) Reto Schäppi (S, GCK Lions)
63. (56.) Alain Berger (S, Bern)
67. (62.) Etienne Froidevaux (S, Bern)
70. (70.) Patrick Geering (V, ZSC Lions)
86. (76.) Lukas Stoop (V, Davos)
91. (86.) Grégory Sciaroni (S, Ambrì)
95. (95.) Pascal Berger (S, Bern)
101. (-) Luca Camperchioli (V, GCK Lions)
107. (98.) Romain Loeffel (V, Fribourg)
120. (-) Tristan Scherwey (S, Young Sprinters)
128. (110.) Roman Schlagenhauf (S, Kloten)
141. (147.) Mauro Jörg (S, Lugano)
154. (136.) Simon Moser (S, Langnau)
155. (137.) Dino Wieser (S, Davos)
159. (140.) Ryan McGregor (S, GCK Lions)
192. (-) Manuel Zigerli (S, Basel)
193. (-) Sven Ryser (S, GCK Lions)
Europäische Torhüter:
1. (1.) Robin Lehner (Frölunda, Schweden)
2. (2.) Mikko Koskinen (Espoo, Finnland)
3. (4.) Juraj Holly (Chomutov, Tschechien)
Ferner:
4. (3.) Lukas Flüeler (ZSC Lions)
8. (6.) Benjamin Conz (Servette)
Nordamerikanische Feldspieler:
1. (1.) John Tavares (S, London, OHL)
2. (2.) Matt Duchene (S, Brampton, OHL)
3. (3.) Evander Kane (S, Vancouver, WHL)
4. (5.) Brayden Schenn (S, Brandon, WHL)
5. (4.) Jordan Schroeder (S, University Minnesota, WCHA)
Nordamerikanische Torhüter:
1. (8.) Matthew Hackett (Plymouth, OHL)
2. (4.) Olivier Roy (Cape Breton, QMJHL)
3. (1.) Edward Pasquale (Saginaw, OHL)