



|
Bärtschis Reiz für eine neue Herausforderung |
Nach drei Jahren beim SC Bern kehrte Patrik Bärtschi zurück in seinen Heimatkanton. Er unterschrieb einen Mehrjahresvertrag bei den ZSC Lions und freut sich auf eine neue Aufgabe.
Wie letzte Saison wird es für Bärtschi eine Saison voller Herausforderungen. Mit dem SCB verlor er das erste Spiel eines NLA-Teams gegen ein NHL-Team, den New York Rangers, gleich mit 1:8, verliess das Eis aber mit einer 1:0-Bilanz. Diesmal tritt er mit den ZSC Lions als europäischer Clubmeister im Victoria Cup gegen die Chicago Blackhawks an. Es folgt eine NLA-Saison mit dichtem Kalender und einem Ziel, das er mit rund 40 Spielern teilt: die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver.
Der bald 25-Jährige stammt aus einer Hockeyfamilie. Sein Vater Urs Bärtschi spielte für Biel und Kloten, wo Patrik und sein Bruder Deny (Biel) durch den Nachwuchs bis in die NLA gingen.
Patrik Bärtschi, 2001 Silbermedaillen-Gewinner an der U18-WM und 2003 Topscorer der U20-WM zusammen mit dem Russen Igor Grigorenko (Salawat Julajew Ufa), war hinter Ivo Rüthemann und Martin Plüss der effizienteste Stürmer mit Schweizer Pass beim SC Bern. Doch in den Playoffs, in denen sich Bärtschi eine Hirnerschütterung zuzog, patzte der SCB wie auch die ZSC Lions. Zeit also für eine Wiedergutmachung.
hockeyfans.ch traf Bärtschi in der Zürcher Altstadt, um über die neuen Herausforderungen zu sprechen.
Willkommen zurück in Zürich. Wo hältst du dich in der Stadt denn gerne auf?
Ich bin gerne am See bei der Rentenanstalt, aber auch im Niederdorf und der Langstrasse.
Du siehst wohl einige alte Kollegen wieder öfters?
Da sind schon einige, wie mein Bruder Deny, oder Romano Lemm. Mit denen ist man ja aufgewachsen. Es kommt mir gar nicht so vor, als ob wir lange auseinander gewesen wären.
Wobei das Kommunizieren über Distanz heute ja sowieso einfacher ist mit den neuen Medien.
Ja, man kann viel mehr kommunizieren. Man macht es sich auch viel einfacher und plant viel weniger im Wissen, dass man ja das Handy hat. Das ist manchmal nicht so gut ist.
Was würdest du als deine Karrierehighlights bezeichnen?
Sicher die U18-WM, wo wir Silber gewonnen haben, und danach die Finalteilnahme mit Bern, auch wenn es knapp nicht reichte. Die Weltmeisterschaften sind auch ganz etwas Spezielles.
Wie ist es mit dem damaligen U18-Team. Gibt es da noch viele Kontakte oder "Klassentreffen"?
Das halbe Team ist ja noch unterwegs in der Nati, und wir sind durch das damalige Erlebnis sicher irgendwodurch verbunden. Wir waren ja drei Jahre zusammen als Team. Schon am Anfang hiess es vom Coach, dass wir eine Medaille gewinnen würden. Die Gegenspieler wie ein Ilja Kovalchuk, Mikko Koivu oder Jiri Hudler waren auch eindrücklich. Man sah, dass sie Ausnahmespieler sind.
Du wurdest damals auch viel beobachtet. Ist der Traum NHL immer noch im Hinterkopf?
Ich war ja für den Draft auch noch dort für Tests, habe mich allerdings nie auf eine NHL-Karriere fixiert. Zudem ging damals gerade das Interesse an Schweizer zurück. Ich wurde auch spät gedraftet und sagte mir, dass ich einfach an mir weiterarbeiten muss. Danach war ich Topscorer an der U20-WM, schaffte den NLA-Durchbruch und in der Saison darauf die WM. Es kam Interesse aus der NHL, doch danach hatte ich die Hüftoperation. Nachdem alles so steil aufwärts ging. Mit 19 sagte der Arzt, er wisse nicht, ob ich je wieder Spitzensport machen kann. Das öffnete mir die Augen und das Interesse aus Nordamerika ging da auch zurück.
Einige deiner Klotener Kumpels hatten ja ebenfalls mit Hüftproblemen zu kämpfen. Denkst du, da wurde etwas falsch gemacht?
Die Ärzte sprachen bei mir von Überlastung im Wachstum. Es ist ein heikles Thema und ich mache da niemandem einen Vorwurf. Rückschläge gehören auch zum Sport und machen einen stärker.
Wie kam es zum Wechsel von Bern zu den ZSC Lions?
Der Wechselentscheid war sehr früh, das ist ein Problem in unserem System hier, daher wollte ich einen frühen Entscheid fällen. Bern war eine gute Zeit. Ich war erstmals weg aus meiner Umgebung. Für mich war es klar, dass ich früher oder später in die Region Zürich zurückkehren würde.
Ist das kein Problem für dich, als Klotener für den ZSC zu spielen?
Es ist wohl etwas anders, als wenn ich direkt wechseln würde. Aber die Zeit in Kloten ist für mich vorbei. Es ist lange her und daher ist der Wechsel für mich auch nichts Aussergewöhnliches.
Du wirst ja wieder im Victoria Cup, diesmal gegen Chicago, spielen. Wie war deine Erfahrung im Spiel mit dem SCB gegen die New York Rangers?
Im ersten Moment war es surreal. Man ist im Spiel und sieht dieses Team, das man sonst nur im Fernsehen sah. Es ist etwas anderes, als wenn man mit dem Nationalteam gegen solche Spieler spielt, schliesslich sind es die berühmten New York Rangers. Von Weltmeisterschaften her war ich es mir aber gewohnt, gegen solche Gegner zu spielen. Es war ein spezielles Erlebnis, auch wenn das Resultat so deutlich ausgefallen ist. Das Potenzial wäre da gewesen für mehr.
Wo waren denn aus Spielersicht die grössten Differenzen zwischen den Teams?
Schon zwischen einem NLA-Club und der Nationalmannschaft ist es ein grosser Unterschied, es läuft viel schneller, man muss direkt schiessen, passen. Auf dem kleinen Feld lernt man das schnelle Spiel noch besser. Ich finde, dass man in der Schweiz auf kleinen Feldern spielen sollte, es macht das Spiel intensiver, schneller, man ist immer in guter Schussposition. Die WM 2008 in Kanada machte am meisten Spass zum Spielen. Das lag aber sicher auch daran, dass ich dort erstmals so richtig spielen konnte. 2003 war ich noch sehr jung, dar war die WM fast schon wieder vorbei, als ich kam, und 2005 hatte ich nicht gross gespielt.
Hast du dich schon auf Chicago eingestimmt?
Ich hab mir ein Playoff-Spiel von ihnen angeschaut, da sind schon einige Spieler dabei, die man kennt. Aber so richtig Gedanken hab ich mir darüber nicht gemacht. Im Sommer brauche ich zwei Monate, um abzuschalten.
Wie ging es eigentlich nach der Gehirnerschütterung in den Playoffs?
Die Szene sah sehr schlimm aus, ich war jedoch bald wieder fit. Es war für mich vor allem enttäuschend, dass es gerade zu jenem Zeitpunkt (in den Playoffs) geschah. Es war schon etwas ungeschickt von ihm (Zugs Jay Harrison), das war an der Grenze.
Bern hat ja zweimal in Folge das Halbfinale als Favorit verpasst. Welche Probleme gibt es beim SCB?
Die Chemie stimmt eigentlich, sonst hätten wir nicht die Qualifikation gewonnen. Wenn man aber nicht in der Lage ist, in den Playoffs zu reagieren, kann es schnell gehen. Man erwartet viel in Bern, aber man erwartet auch viel von sich selbst. Das schlimmste als Sportler ist, dass es nun zweimal hintereinander war. Die Liga ist aber auch sehr ausgeglichen. In den letzten Jahren sind ja der Vierte und der Sechste Meister geworden.
Wieso fiel die Clubwahl auf die ZSC Lions?
Es war das Gesamtpaket, da schaut man alles an. Potenzial, Umfeld, die Finanzen sind sicher auch ein Thema.
Für deinen alten und deinen neuen Club verlief die Saison in der Champions Hockey League sehr unterschiedlich.
In Bern war es für uns schwierig, nachdem wir in Schweden gegen einen sehr starken Gegner einen Dämpfer kriegten, den es für unsere Region nicht vertrug. Man sah, wie wenig Leute an die Spiele kamen. Schlussendlich sind wir an der Effizienz gescheitert. Es kann sehr schnell gehen, und dann ist man nicht mehr in der Lage, es aus eigener Kraft zu schaffen.
Hast du die erfolgreiche CHL-Saison der ZSC Lions mitverfolgt?
Ich habe das aus der Ferne mitverfolgt und das letzte Spiel live im Fernsehen geschaut. Sie konnten sicher das Potenzial ausschöpfen, danach gelang es aber nicht mehr in den Playoffs. Aber es freute mich sicher, den Erfolg zu sehen.
Auf was freust du dich am meisten nächste Saison?
Auf eine neue Herausforderung. Man kommt in ein neues Umfeld, weiss nicht, wo man steht, muss sich den Platz erkämpfen. Das ist der Reiz als Sportler.
Ganz Ferien hast du ja nicht. Wie sieht das Sommertraining bei dir aus?
Es ist hockeyspezifisch. Krafttraining, viel für die Beine und den Rumpf. Es wird viel auf Schnelligkeit und Beweglichkeit trainiert, auch mit der Balance. Man wird auf den Winter vorbereitet.
Wie verbringst du den angenehmeren Teil der Sommerpause?
Während der WM konnte ich die Pause gebrauchen, machte kurze Zeit gar nichts. Ich werde für eine Woche nach Sardinien fliegen und habe noch verlängerte Wochenenden in Berlin und im Schwarzwald.
Siehst du deine Olympia-Chancen noch intakt, nachdem es mit der Heim-WM nicht geklappt hat?
Klar, da möchte ich dabei sein und meine Chance nutzen. Ich muss mich im Club positiv zeigen und alles geben, dann liegt es am Trainer, zu entscheiden. Ich glaube auf jeden Fall an meine Chance, auch nach der WM 2008. Und 2009 wurde ich ja als einer der letzten gestrichen, auch wenn das natürlich eine grosse Enttäuschung war. Ich hätte diese Saison gerne mit der WM abgeschlossen. Es ist für mich eine Ehre, für die Schweiz zu spielen.
Vor allem die Boulevardpresse fordert den Kopf von Ralph Krueger. Was hältst du davon?
Es ist immer wichtig, die ganze Sache zu analysieren. Ich kann zu dieser WM nicht viel sagen, da ich nicht dabei war. Ich habe ihn aber immer als aufgestellt erlebt. Man kann auch mit den gleichen Leuten einen Umschwung haben. Der Staff macht sicher sein Bestes um zu Erfolg zu kommen. Manchmal passt es halt nicht und man verliert gegen einen Gegner 2:1, den man sonst 2:1 besiegt. Manchmal muss man realistischer sein. Als Spieler kann man damit fast besser umgehen als andere.
Beim ZSC war ja das ausgelastete Hallenstadion immer mal ein Thema. Wie stehst du zur Halle, und den Gedanken über eine reine Eishalle?
Die Leute sind ein bisschen weit weg, aber ansonsten ist es sehr schön dort, auch zum Spielen. Nach anderen Möglichkeiten hält man ja wegen der Auslastung Ausschau. Aber irgendwie gehören der ZSC und das Hallenstadion zusammen.
Du hattest ja deinen ersten Wegzug nach Bern. Wäre auch das Ausland ein Thema?
Sag niemals nie! Allerdings bin ich jetzt in der Stadt, wo es mir am meisten gefällt. Es hat sich halt bislang nie etwas ergeben, aber ich bin ja nicht unglücklich.
Ein grosses Thema ist ja die Finanzkrise, gerade auch bei den Lohnkürzungen bei den SCL Tigers. Spricht man darüber in der Eishockey-Szene?
Nicht gross, aber Sport ist halt oft nicht ein profitables Geschäft. Es ist auf Leute angewiesen, die Spass daran haben. In Langnau ist es jetzt irgendwie gut gegangen. Das ist aber nicht selbstverständlich und man muss es schätzen, wenn es klappt.