Nur noch vier

Von Felix Waibel, Andreas Jakob - ehc-gegengerade.de

Die Eishockey-Saison neigt sich dem Ende zu. In den NHL-Playoffs um den Stanley Cup sind nur noch vier Mannschaften übrig. Zeit für die nächste Runde in der Vorschau.

WESTERN CONFERENCE FINALE
(2)
Detroit Red Wings
vs
Chicago Blackhawks
(4)




Die Protagonisten

Über die volle Distanz mussten die Red Wings gegen Anaheim – und das lag vor allem an zwei Ducks-Spielern. Jonas Hiller brachte Detroits Sturm in Serie zur Verzweiflung und Ryan Getzlaf lieferte die notwendigen Punkte. Dass es für Detroit dennoch reichte, war unterm Strich hochverdient. In jeder Partie lagen die Mannen von Mike Babcock nach Torschüssen weit im Vorteil, wirkten stets brandgefährlich und wiesen gleich drei torgefährliche Reihen auf. Einziger Schwachpunkt war – wie bereits in der Vorrunde – das Penalty Killing. Mit grossem Abstand waren die Red Wings das schlechteste verbliebene Team in dieser Kategorie. Da half auch der famos haltende Chris Osgood nicht weiter…

Als einziges Team in den Conference Finals hatten die Chicago Blackhawks bereits nach sechs Spielen ihren Gegner niedergerungen. Zu Gute kam den Blackhawks in der ebenfalls sehr engen Serie gegen Vancouver vor allem eines: Unbändiger Wille. Die jungen Wilden aus Illinois steckten nie auf und gewannen so zum Beispiel Spiel 5 noch in den letzten fünf Spieminuten. Bemerkenswert: Goalie Nikolai Khabibulin, in Runde 1 noch bärenstark, kam nur in zwei der sechs Partien auf eine Savequote von grösser 90%, musste insgesamt 18 Gegentreffer hinnehmen. Sowas ist in der Regel gegen ein Team wie Detroit tödlich…



Die 5 Go-to-Guys

Detroit

Chris Osgood: Hat seiner soliden Leistung aus Runde 1 (ein Shutout) eine ebenso starke zweite Runde folgen lassen. Hat fast die Vorjahresform erreicht.

Nick Lidström: Ohne Worte.

Niklas Krönvall: Weiterhin unglaublich souverän. Vorsicht ist geboten, wenn er die Zielscheibe auf dem Rücken eines Gegenspielers gefunden hat. Meistens rumpelt es dann gewaltig.

Johan Franzen: Spielt nun in einer Reihe mit Marian Hossa und ist seither Topscorer Detroits. Neben seinem bekannten Zwei-Wege-Spiel ist vor allem die Bullyquote von 57,9% exzellent.

Henrik Zetterberg: Hinter Franzen zweitbester Scorer. Spielt wieder mit Pavel Datsyuk in einer Reihe, vielleicht bringt dies den offensiv schwächelnden Russen wieder auf Trab?


Chicago

Nikolai Khabibulin: Wie bereits angedeutet, war Khabibulin nicht „der“ Hexer aus Runde 1. Damit die Hawks nicht überrannt werden, sollte er seine Leistungen steigern.

Duncan Keith: Die Aufgaben werden nicht leichter. Egal gegen wen er nun spielen muss, Keith kann daran nur wachsen.

Cameron Barker: Offensiv merklich abgekühlt, muss er die zweite Top-Reihe Detroits ausschalten. Schwierig genug.

Patrick Kane: Erledigte die Canucks mit sechs Treffern weitgehend alleine. Muss seine Treffsicherheit gegen Detroits Topverteidiger beibehalten.

Martin Havlat: Weiterhin Top-Scorer Chicagos, arbeitet auch ansprechend nach hinten. Anders geht es nun auch nicht mehr.



Junior-Power: Welcher junge Spieler/Rookie könnte besonderen Einfluss auf die Serie nehmen?

Detroit

Jonathan Ericsson: Weiterhin sehr ansprechende Playoffs. Seine Eiszeit ist mit der Rückkehr von Brian Rafalski merklich zurückgegangen. Dennoch: Man merkt nicht, dass er ein Rookie ist.

Chicago

Kris Versteeg: Ist nach starker erster Runde etwas abgekühlt, mit 3 weiteren Punkten aber immer noch in der Spitzengruppe der Blackhawks-Scorer.

Ein Blick auf die Statistik

Detroit
Chicago
289
Tore
260
240
Gegentore
209
25,5%
Powerplay
19,3%
78,3%
Unterzahl
80,6%
Playoffs
40
Tore
44
24
Gegentore
35
26,4%
Powerplay
29,4%
72,5%
Unterzahl
79,6%


Saisonergebnisse: Detroit vs. Chicago 6:5 (SO), 5:4 (SO), 4:0, 6:4, 2:4, 0:3


Gegengerade-Tipp

Der Saisonvergleich geht nach Detroit, welches vier der sechs Vorrundenspiele gewinnen konnte (1P Detroit). Die Torhüterwertung entscheidet wegen dem grösseren Hexerpotential Chicago für sich (1P Chicago). Die Verteidigungswertung geht nach Detroit, da die Red Wings viel erfahrener sind (1P Detroit). Selbiges gilt auch für den Sturm (1P Detroit).

Statistisch gesehen ist die Serie ausgeglichen: Detroit hat erheblich mehr Treffer erzielt (329 insgesamt), dafür aber auch deutlich mehr Gegentore geschluckt (je 1P Detroit und Chicago). Das Powerplay sieht wiederum die Red Wings vorn, während das Penalty Killing nicht als Stärke der Rothemden angesehen werden kann. (je 1P Detroit und Chicago).

Unterm Strich knapp: Detroit kommt auf 5 Punkte, Chicago auf 3.

Fazit: Natürlich hat Chicago mit der Vancouver-Serie eine kleine Sensation geschafft. Aber die Red Wings sind wesentlich offensivstärker bei nahezu vergleichbarer Defensive. Ich befürchte, dass man sich die Serie auch in der Ausführung „Stanley Cup Final 2008“ ansehen kann (seinerzeit gewann Detroit gegen Pittsburgh): Detroit in Fünf!





EASTERN CONFERENCE FINALE
(4)
Pittsburgh Penguins
vs
Carolina Hurricanes
(6)



Die Protagonisten

Pittsburgh hat eine atemberaubende Serie hinter sich! Gegen die nicht minder talentierten Washington Capitals bombten sich die Mannen von Coach Dan Bylsma in Spiel 7 den Frust der vergebenen Chancen aus der vorherigen Partie von der Seele und demontierten die Hauptstädter mit 6:2. Zuvor gestaltete sich die Serie äusserst eng: Nicht weniger als drei Spiele wurden in der Overtime entschieden, zwei weitere Partien wiesen am Ende nur ein Tor Unterschied auf.
Erfolgsgaranten waren bei den Penguins in erster Linie drei Akteure: Sidney Crosby spielte wie aufgedreht, Marc-Andre Fleury hielt (bis auf ein Tor in Spiel 7) was zu halten war und auch ein Namenloser drehte mächtig auf: Rob Scuderi frass mächtig viel Eiszeit gegen die Ovechkin-Reihe und überzeugte durchweg. Lediglich -1 war der Verteidiger nach den sieben Spielen – gegen Ovechkin ein überzeugender Wert.

Weniger spektakulär aber nicht minder spannend gestaltete sich die Serie zwischen Carolina und den Boston Bruins. Dennis Seidenbergs Team ging dabei zum zweiten Mal in Folge über die volle Distanz, diesmal jedoch mit umgekehrten Vorzeichen! Musste gegen New Jersey noch ein 2:3 Rückstand aufgeholt werden, gaben die Canes gegen den Vorrundenprimus beinahe noch einen 3:1 Vorsprung aus der Hand. Ausgerechnet Veteran Scott Walker (O-Ton seines ehemaligen Coaches Peter Laviolette: „Mit Haut und Haaren der tougheste Spieler der NHL“) schoss in Spiel 7 den Gamewinner. Ausgerechnet, da Walker in Spiel 5 Aaron Ward einen Faustschlag verpasst hatte, den nicht wenige als „sucker punch“ gewertet hatten. Schlappe 2.500 US-Doller Strafe musste Walker für die hinterhältige Gerade abdrücken. Ein Wermutstropfen blieb am Ende übrigens auch noch: Captain Rod Brind’Amour bekam einen Puck ins Gesicht und droht für den Finalauftakt auszufallen.



Die 5 Go-to-Guys

Pittsburgh

Marc-Andre Fleury: Solide Runde 2!

Sergei Gonchar: Nach dem bösen Kniecheck aus Spiel 4 der Capitals-Serie noch nicht wieder ganz fit. Alleine seine Anwesenheit im Powerplay bewirkte Wunder…

Rob Scuderi: Unauffällig, aber wahnsinnig effektiv. Eric Staal sollte sich das Schlägerblatt mit Sekundenkleber bestreichen, ansonsten poked Scuderi die Scheibe schneller weg, als Staal seine drei Brüder aufzählen kann…

Sidney Crosby: Boah! Unglaublicher Auftritt!

Evgeni Malkin: Nahm sich gegen die Caps weitgehend eine Auszeit, erzielte dennoch den wichtigen Game Winner in Spiel 5. Sollte wieder mehr bringen!

Carolina

Cam Ward: Keine Frage: Ohne ihren Goalie wären die Canes längst auf dem Golfplatz.

Dennis Seidenberg: Weiter starke Playoffs. Findet sich schon wieder an der teaminternen Spitzenposition bezüglich geblockten Schüssen sowie in der Spitzengruppe bei Checks und Eiszeit.

Tim Gleason: Genauso wertvoll weil teamorientiert wie Seidenberg. Nimmt bisweilen zu viele Strafen.

Eric Staal: Tore, Tore, Tore. Seine Aufgabe – auch gegen die Penguins.

Jussi Jokinen: Nachdem Defensivstürmer Nummer 1 Rod Brind’Amour auszufallen droht, muss Jokinen aus seiner limitierten Eiszeit weiter so viele Punkte machen.



Junior-Power: Welcher junge Spieler/Rookie könnte besonderen Einfluss auf die Serie nehmen?

Pittsburgh

Jordan Staal: War vorwiegend mit Alexander Ovechkin beschäftigt (-4…). Da die Caps ihn liessen, konnte Staal auch etwas für die Scorerwertung tun und ist mittlerweile bei 5 Punkten angekommen. Nach wie vor unverzichtbar im Penalty Killing.

Carolina

Anton Babchuk: Weiter eher Mitläufer als Schlüsselspieler. Sein Schlagschuss ist im Powerplay zwar nicht zu unterschätzen, aber dafür kommt zu wenig dabei raus. Erst ein Punkt aus 12 Spielen und mit -3 eine eher bescheidene +/- Bilanz.



Ein Blick auf die Statistik

Pittsburgh
Carolina
258
Tore
236
233
Gegentore
221
17,2%
Powerplay
18,7%
82,7%
Unterzahl
80,4%
Playoffs
45
Tore
33
38
Gegentore
32
19,7%
Powerplay
10,4%
81,6%
Unterzahl
90,7%


Saisonergebnisse: Pittsburgh vs. Carolina 4:1, 5:2, 1:2, 2:3 (OT)


Gegengerade-Tipp

Den Saisonvergleich ging unentschieden aus (je 0,5P Pittsburgh und Carolina). Die Torhüterwertung neigt das Pendel ebenfalls nicht zu Gunsten eines der beiden Teams (je 0,5P Pittsburgh und Carolina). Die Verteidigung der Penguins steht und fällt mit Sergei Gonchar, der ist nicht fit, ergo geht die Wertung an Carolina (1P Carolina). Den Sturm der Penguins ist indes wesentlich tiefer besetzt (1P Pittsburgh).

Der Blick auf die Statistik zeigt: Mehr Tore haben die Penguins erzielt (1P Penguins), weniger Gegentore gab es für Carolina (1P Carolina). Entsprechend verhält es sich auch mit den Special Teams: Vorrunde und Playoffs miteinander verrechnet waren die Pens im Powerplay besser, Carolina zeigte das effektivere Penalty Killing (je 1P Pittsburgh und Carolina).

Unterm Strich kommen beide Teams auf vier Punkte.


FAZIT: Die Serie hat das Potential, über sieben Spiele zu gehen. Je nachdem, ob Rod Brind’Amour fit wird, sind die Chancen der Canes einzuschätzen. Letztlich sollte sich der talentiertere Kader durchsetzen. Penguins in Sieben!