Simpson dämpft Euphorie

Von Martin Merk

Wenn die ZSC Lions heute um 17:30 Uhr Schweizer Zeit auf Metallurg Magnitogorsk treffen, wird den Zürchern alles abverlangt. Trainer Sean Simpson versucht aber die Euphorie zu bremsen. Die ZSC Lions seien immer noch der klare Underdog.

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„Wir müssen in Russland bereit sein auf alles. Das ist nicht ein Trip nach Helsinki oder Prag. Es waren vier Stunden Flug und Zeitdifferenz“, sagt Sean Simpson, um anzufügen, dass dann auch alles gut lief. „Die Eishalle ist super und auch das Training in der Trainingshalle war gut. Hier herrscht nun eine andere Kultur und die Jungs müssen für das bereit sein.“

Oliver Kamber etwa, der sich Sorgen um das Essen machte, hat sich ein Fresspäckli gemacht mit Schweizer Snacks und 2 Litern Wasser.

Verzichten muss Simpson in der Stahlstadt einzig auf Cyrill Bühler. „Nach diesem unfairen Schlag von Lindström“, ergänzt Simpson. „Dafür ist Blaine Down vom Farmteam GCK Lions wieder zurück. Er war eine Schlüsselfigur in einigen CHL-Spielen.“

Unheimlich wird Simpson einzig die Euphorie in der Schweiz und insbesondere in den Medien. „Langsam glauben alle, dass wir die Russen schlagen können. Wir müssen auf den Boden bleiben. Wir wissen alle, dass sie der grosse Favorit sind und wir die Underdogs. Der Gegner ist wie eine NHL-Mannschaft mit einem Budget von 60 Millionen Franken. Sie haben keine Schwäche!“

Das Wunder vollbringen will aber natürlich jeder. Wie das gehen soll, verrät Simpson natürlich nicht. „Aber wir haben einen Plan für diese zwei Spiele. In Russland wird es aber sehr schwer“, sagt er.

Die Anreise ist soweit so gut verlaufen. Um etwa 18:30 Uhr Ortszeit war die Maschine gelandet und im Gegensatz zu anderen Teams gab es für die Zürcher keine Schikanen bei der Visumkontrolle. Der von den Eisbären Berlin ausgeliehene Sicherheitsmann teilte den Behörden mit, dass 20 Journalisten an Bord sei und es nicht gut fürs Image sei, wenn das Team wie die Eisbären Berlin sechs Stunden warten müsse. Auch die Anwesenheit der IIHF-Delegation um Generalsekretär Horst Lichtner, und dass diese vom Metallurg-GM Gennadij Welitschkin persönlich abgeholt wurden, trug wohl einen Teil zur Beschleunigung bei.

Um etwa 20 Uhr Ortszeit konnte mit dem Training begonnen werden. Dieses fand in einer Trainingshalle fünf Autominuten entfernt statt. Nach einem Heimspiel gegen den SKA St. Petersburg am Montag mussten am Dienstag die Logos geändert und das Eis neu aufbereitet werden. Fürs heutige Warm-up zügeln die Lions aber in die schmucke, 7700 Zuschauer fassende Arena Metallurg.

Das Wetter bei -13 Grad ist nicht gerade angenehm, aber für die dortigen Winterverhältnisse eher als warm anzusehen. In der Arena selbst herrschen angenehme „Schweizer“ Temperaturen und auch vom sonstigen Geruch von Abgasen, Chlor (in der Trainingshalle) oder sonstigen Duftstoffen bleibt man dort verschont. So werden vor allem die Fans für einen Heimvorteil der Russen sorgen.

Das Spiel der im letzten KHL-Spiel von nur rund 3000 Fans besuchten Halle war innert einer Stunde ausverkauft.