Alexej Krutov beim CHL-Spiel auwärts gegen Linköping. Fotos: Dominik Zabel (auf Bild klicken für MMS)




Krutov: “Wir haben gute Chancen!”

Von Martin Merk

Der 24-jährige Stürmer Alexej Krutov kehrt mit den ZSC Lions in sein Vaterland zurück, um im Champions Hockey League gegen Metallurg Magnitogorsk zu spielen. Dabei möchte er zum Spielverderber für seine Landsleute werden.

Der Name Krutov ist unter den ZSC-Fans Kult schlecht hin. Vladimir Krutov kam einst, 1991, nach Zürich. Mit sechs Weltmeistertiteln, zwei Olympia-Goldmedaillen und einer verkorksten NHL-Saison im Gepäck. In der Sowjetunion bildete er mit Igor Larionov und Sergej Makarov eine legendäre Linie. Er war der physisch stärkste, aber wohl auch übergewichtigste Spieler im CCCP-Dress. Als er nach Vancouver ging, wurde er aber zum Flop und erhielt wegen seines Gewichts den wenig ehrenvollen Spitznamen Vladimir Crouton.

Bei den ZSC Lions war er unter den Fans eine Kultfigur. Und 2007 kam der Name mit seinem Sohn Alexej zurück. hockeyfans.ch unterhielt sich vor der Abreise mit dem 24-jährigen Flügel mit russischem Pass und Schweizer Lizenz.

Alexej, kannst du dich eigentlich an deine erste Zeit in Zürich zurückerinnern?

Klar, ich war da etwa sechs Jahre alt. Ich begann auf der Kebo Schlittschuh zu laufen und auf einem Aussenfeld. Ich ging dann mit meinen Freunden Schlittschuhlaufen. Meine Eltern dachten, das wäre besser als auf der Strasse rumzuhängen.

Und dann wollte dich 2007 plötzlich der ZSC holen. Wie war das für dich?

Ich war sehr interessiert. Es ist grossartig, dort zu spielen, wo mein Vater einst spielte. Ich erinnere mich an das alte Hallenstadion vor der Rennovation. Da war diese Radrennbahn, auf der ich als Kind immer rum rannte.

Wie ging es dann weiter?

Ich kam ohne Vertrag und war dann auf Probe. Und ich blieb. Es war unglaublich, wie wir letzte Saison den Meistertitel geholt haben, nachdem es zuerst nicht so gut lief. Es war eine super Zeit!

Das Niveau und der Spielstil musste aber für dich schon anderes gewesen sein im Vergleich zur russischen Superliga.

Ja, das Hockey ist überall anders vom Stil her. Und ich muss gestehen, dass es am Anfang nicht so mein Stil war. In Russland spielt man viel technischer und passt mehr. Es wird nicht so physisch gespielt wie in der Schweiz. Hier ist es eher kanadisch, alle versuchen, dich zu checken. Ich brauchte Zeit, um mich anzupassen, so ein, zwei Monate.

Konntest du dem Trainer viel über Metallurg erzählen?

Ich wüsste nicht, was ich ihm erzählen könnte. Er schaute die Videos an und weiss wahrscheinlich mehr über das Team als ich. Und ich weiss, dass auch Metallurg Videos von uns anschaut. Ich schaue ab und zu russisches Fernsehen hier. Sie sind nicht hochnäsig, denken nicht, dass es eine einfache Angelegenheit wird. Sie nehmen uns sehr ernst.

Am Mittwoch wirst du in Magnitogorsk auf der blauen Linie stehen und die russische Hymne hören. Eine spezielle Situation für dich?

Nein, das ist schon ok. Es ist eine sehr schöne Hymne. Ich bin zwar Russe, aber ich Spiele in der Schweiz. Es wird von dem her nicht allzu speziell sein.

Was macht eigentlich dein Vater nun? Siehst du ihn ab und zu?

Er arbeitet in Moskau in der Sportförderung. Ich sah ihn letztes Mal vor einem Monat, als ich kurz zu Besuch war. Vielleicht kommt er für das zweite Finalspiel in die Schweiz.

In der NLA hat es kaum mehr Russen. Vermisst du deine Heimat manchmal?

Es ist schon ok. Unser Team ist gut und ich bin meistens mit etwas beschäftigt mit meinen Freunden. Aber bevor ich schlafen gehe, ist es ab und zu schon langweilig, und da denkt man schon an die Leute, die man hier vermisst.

Was hast du deinen Teamkollegen eigentlich über die Stadt Magnitogorsk erzählt?

Sie fragen mich ab und zu aus, aber letztmals war ich vor zehn Jahren als Junior dort, seither hat sich bestimmt einiges verändert. Als Profi hatte ich nur einmal ein Heimspiel gegen sie. Es war mit Severstal Tscherepowets und wir gewannen, ich glaub 3:2.

Wie siehst du die Chancen, dass die ZSC Lions das Finale gewinnen?

Wir haben gute Chancen! Jeder bei uns versteht, was für eine erstaunliche Angelegenheit es für das Schweizer Eishockey ist, dass wir im CHL-Finale stehen. Es ist nur hart für uns, dass wir unser Heimspiel nicht im Hallenstadion austragen können.