Die ZSC Lions (hier mit Adrian Wichser am Puck) waren zu stark für Linköping. Foto: Dominik Zabel (auf Bild klicken für MMS)


Sieg am Mittwoch wäre historisch

Von Martin Merk

Die ZSC Lions empfangen am Mittwoch Slavia Prag zum Spitzenspiel. Beide Teams konnten sich in ihrer ersten Partie gegen den schwedischen Vize-Meister Linköpings HC durchsetzen. Die Zürcher mit einer 7:2-Sensation auswärts, die Prager 4:2 vor heimischem Publikum. Ob die ZSC Lions auch nach der Mittwochsrunde Tabellenführer bleiben? Dazu benötigt es, so sagen es die Statistiken, eine erneute Sensation. In elf Spielen gegen Clubs aus Tschechien oder der früheren Tschechoslowakei konnte noch kein Schweizer Meister gewinnen.

Am nächsten war "Grande Lugano" in seinen vier Versuchen zwischen 1987 bis 2000 dran. 1990 gab es ein 4:4 gegen Sparta Prag, 2000 eine 2:3-Niederlage nach Penaltyschiessen gegen denselben Gegner. Zwei weitere Spiele, gegen Pardubice und Kosice in den 80er-Jahren, gingen 4:5 verloren. So nah kamen Arosa, Zug, Fribourg und Davos nie dran. Und zu den Pionierzeiten des Europacups in den 60er- und 70er-Jahren war das Schweizer Eishockey derart schwach, dass ihre Meister schon gar nicht soweit kamen, scheiterten desöfteren schon gegen Teams aus Ländern wie Österreich oder der DDR, oder gaben wegen den Reisekosten forfait.

Zwei Punkte also lediglich für Lugano und das Schweizer Eishockey, dazu neun Niederlagen ohne Punkte. Fünf Mal war es Sparta Prag, das ungeschlagen blieb, zuletzt in der vergangenen Saison am European Champions Cup in St. Petersburg (6:4 gegen Davos). Für die ZSC Lions und Slavia Prag wird ein schweizerisch-tschechisches Duell in einem Ernstkampf dagegen für beide zur Premiere. Eine gute Gelegenheit also für eine Wende.


Die CHL ist die Zukunft des europäischen Eishockeys

Von Andreas Bernhard

Die Champions Hockey League (CHL) macht Spass! Das sieht man in Zürich-Leutschenbach zwar anders, doch in Zürich-Oerlikon und im restlichen eishockeyinteressierten Europa ist man begeistert von der neuen Klub-Europameisterschaft. Erstmals hat ein europäischer Klubwettbewerb Chancen, sich dauerhaft zu halten und zu entwickeln.

"Wir wollen Europa beweisen, dass wir die bestmöglichen Gastgeber sind und wir wollen in die Halbfinals vorstossen." Das liess ZSC Lions-Sportchef Peter Iten zum Beginn der CHL verlauten. Zu einem guten Gastgeber gehört auch, dass man möglichst viele Zuschauer ins Stadion lockt, um der neuen Liga ein würdiges Ambiente zu bieten. Deshalb sind die ZSC-Saisonkarten auch für die CHL gültig. Mit dem überraschenden Auswärtssieg gegen Linköping am letzten Mittwoch haben die Zürcher zudem einen wichtigen Schritt Richtung Halbfinale getan, wenn auch nur einen kleinen. Zumindest hat er dazu geführt, dass der Vorverkauf für das erste Heimspiel gegen Slavia Prag gut angelaufen ist.

Die ZSC Lions haben Europa gezeigt, dass sie bereit sind für diese Liga und dass sie alles daran setzen, erfolgreich zu sein. Trainer Sean Simpson liegt die CHL besonders am Herzen. Er hatte sich lange Jahre für die damalige EHL (European Hockey League) eingesetzt und hofft, dass das jetzige Format sich durchsetzen wird: "Es ist mir bewusst, dass viele Leute immer noch lieber ZSC Lions gegen Kloten Flyers oder SC Bern gegen SCL Tigers sehen als ZSC Lions gegen Linköpings HC oder SC Bern gegen Espoo Blues. Die Derbies werden den Fans ja gar nicht weg genommen. Die National League A verliert nicht an Bedeutung durch die CHL. Im Gegenteil: Nun ist die Meisterschaft und der Qualifikationssieg noch wichtiger als zuvor, da man jetzt an der CHL teilnehmen kann." Alle Topligen in Europa nehmen die Champions Hockey League sehr ernst. Alle wollen dabei sein. Das ist der grosse Unterschied zu den früheren Versuchen. Denn jetzt ist die Sache sehr professionell aufgezogen und auch finanziell wird es für die Teams interessant. Die ZSC Lions haben bisher 350'000.- Euro eingenommen (300'000 Euro Startgeld plus 50'000 für den Sieg gegen Linköping). Das Startgeld wurde bereits für die Organisation der Heimspiele und die Reisen nach Schweden und in die Tschechische Republik eingesetzt. Die 50'000.- Euro vom Mittwoch dürfen jedoch schon als Gewinn abgebucht werden. Total werden 10 Mio. Euro Preisgeld verteilt. 2.8 Mio. Euro davon gehen direkt an die Verbände und Ligen der teilnehmenden Mannschaften.

Johan Davidson, Stürmer bei HV71 Jönköping, nennt gegenüber CHL-TV noch einen weiteren Grund, wieso die CHL attraktiv ist: "Bisher haben die europäischen Teams nur Fans in ihrer Umgebung und vielleicht noch im Rest des Landes. Die CHL gibt allen die Möglichkeit, ihre Mannschaft in ganz Europa zu präsentieren. Dadurch können neue Fans gewonnen und neue Märkte erschlossen werden." Die ZSC Lions haben in Schweden auf jeden Fall beste Werbung in eigener Sache gemacht. Nach dem Spiel applaudierten nicht wenige Schweden den Zürchern auf deren Ehrenrunde durchs Stadion.

Im Fernsehen ohne Schweizer Beteiligung

Die Schweiz ist in dieser Saison Austragungsort der IIHF Weltmeisterschaft. Mit speziellen Aktionen will man die Bevölkerung langsam heiss auf diesen Grossanlass machen. Nach der Euro 08 hat man bereits wieder die Möglichkeit, die Schweiz einem breiten Sportpublikum zu präsentieren. Vor diesem Hintergrund wäre es noch wichtiger gewesen, wenn sich das Schweizer Fernsehen dazu entschlossen hätte, die Spiele der CHL in die heimischen Stuben zu bringen. Zumal vorzügliches Eishockey geboten wird. Das Fernsehen hat, trotz geschenkten Übertragungsrechten, dankend abgelehnt und beschränkt sich, wie bei einer Saison ohne WM im eigenen Land, auf die Übertragung einiger Spiele der Nationalmannschaft, des Spengler-Cups und der Playoffs. Von den CHL-Spielen des Schweizer Meisters und des Qualifikationssiegers werden lediglich Kurzzusammenfassungen gezeigt. Diese Haltung macht nicht nur Eishockeyfans im ganzen Land Sorgen sondern auch Sean Simpson: "Die CHL wird in ein zwei Jahren über die Bücher gehen und feststellen, wo ihr Produkt auf Interesse stösst und wo nicht. Es wäre jammerschade, wenn sie sich entscheiden würde, die Schweizer Clubs nicht mehr einzuladen." Nationaltrainer Ralph Krueger teilt diese Bedenken nicht: "Ich bin sicher, dass man die Schweiz dabei haben will und dass das Interesse an der CHL in der Schweiz steigen wird. Das ist ein Prozess, der jetzt ins Rollen kommt." Die Absage des Schweizer Fernsehens kann Krueger auch nicht verstehen: "Für mich kam das völlig überraschend. Wir haben in Linköping ein sensationelles Spiel gesehen. Schade, dass die ganze Schweiz keine Möglichkeit hatte, dem am Fernseher beizuwohnen. Zudem wird sich die Intensität ab dem Halbfinale noch erhöhen, dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob ein Schweizer Team dabei ist oder nicht. Es wird in jedem Fall super Eishockey zu sehen sein. Echte Leckerbissen. Ich hoffe sehr, dass die Schweizer Fans, in welcher Form auch immer, diese Spiele mitverfolgen können."

Ralph Krueger streicht die Wichtigkeit dieses Wettbewerbs für das Schweizer Eishockey heraus: "Das ist eine fantastische Liga. Die Spiele in der CHL geben dem Schweizer Eishockey und der National League einen zusätzlichen Schub. Für die teilnehmenden Clubs sind die internationalen Vergleiche sehr wichtig, um sich weiter entwickeln zu können. Das trifft natürlich noch entscheidender auf die Spieler zu, was wiederum der Nationalmannschaft zu Gute kommt."

Wichtiges Argument gegen die Expansionswünsche aus Ost und West

Die NHL und die neue russische Liga KHL drängen nach Europa und wollen grosse europäische Städte für sich gewinnen. Dagegen wollen sich die europäischen Landesverbände wehren, weil sie dadurch eine Schwächung ihrer eigenen Ligen befürchten. Mit der Champions Hockey League und der Gründung der Organisation Hockey Europe (hockeyfans.ch 21./22.10.2008) wurde nun die Grundlage geschaffen, das europäische Eishockey zu stärken und die eigene Identität zu wahren. An der CHL werden die Mannschaften und Verbände wachsen und ihr Niveau weiter steigern. In Kürze werden sich eurpäische Grossstädte über die nationale Meisterschaft für die CHL qualifizieren wollen und nicht mehr mit einem Engagement in der NHL oder KHL liebäugeln.