Kanadische Härte, deutsche Gründlichkeit oder slowakische Eleganz?

Von Urs Berger

Im vierten Teil unserer kleinen Serie über die Qualifikation in Nürnberg stellen wir die Frage: Wer hat das Potenzial diese zu gewinnen? Die kanadische Härte, die deutsche Gründlichkeit oder die slowakische Eleganz?

Der HC Kosice baut im Tor auf den Veteranen Miroslav Lipovsky. Der Schlussmann der Slowaken hat in den letzten Jahren immer einen Gegentoredurchschnitt von unter 2,5 Toren pro Spiel. Der bewegliche und reflexschnelle Torhüter ist kaum zu bezwingen. Er kann durchaus Spiele für das Team gewinnen. Aber auch für das Team verlieren. Die Verteidiger unterstützten ihn bei seiner Arbeit sehr gut. Diese spielt sehr körperbetont. Zudem ist sie sehr gross gewachsen und erfahren. Als Beispiel dient der 38-jährige Verteidiger Juraj Kledrowetz. Der ehemalige slowakische All-Star Verteidiger wiegt 94 Kilogramm bei einer Körpergrösse von 184 cm. Ein weiterer erfahrener Spieler ist der Tscheche Jaroslav Spelda. Seine Stärke ist die des Stay-at-Home-Verteidigers. Und er macht dies erfolgreich. In der letzten Saison kam der Tscheche auf eine Plus-31-Bilanz. Für die slowakische Liga ein guter Schnitt. Vor zwei Jahren spielte Daniel Babka im All-Star Team der Slowakei mit. Auch er ist ein Spieler, der lieber im eigenen Drittel spielt, als vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Nach zwei Jahren in der russischen Superliga wechselt Radek Philipp in die slowakische Extraliga. Dort will er wieder an die Leistungen vor dem Wechsel anknüpfen. Doch ob es ihm gelingen wird, wird sich weisen. Im Sturm hat der HC Kosice mit Peter Bartos einen wendigen, schnellen Spieler. Mit seiner Erfahrung aus der NHL konnte er bereits in den ersten Spielen in der Extraliga ein Ausrufezeichen setzen. Im letzen Spiel konnte der Slowake sogar einen Hattrick erzielen. Aus der tschechischen Liga zurück in die Slowakei kehrt Igor Rataj. Der wendige Stürmer kann die Verteidigung des Gegners Beschäftigen. Dennoch konnte er sich in der russischen Liga nicht durchsetzen. Auch Stanislav Gron konnte sich nicht durchsetzten. Doch er scheiterte in Nordamerika. Dort spielte er mehrheitlich in der AHL bei den Albany River Rats. Doch sein Drang in die Offensive, und seine Vernachlässigung der Defensive nutzte ihm nicht besonders. So kehrte er nach Europa zurück. Mit durchzogenem Erfolg konnte er sich nun in Tschechien und der Slowakei wieder ein Einkommen sichern und sich zu einem der besten Stürmer der Liga entwickeln.

Nürnberg und Bern – Kanadisch oder nicht?

Der SC Bern und die Nürnberg Ice Tigers spielen in etwa das gleiche System. Beide haben kanadische Verstärkungen in ihren Teams. Die Nürnberger verpflichteten für das Turnier ihren letztjährigen Teamcapitain Christian Laflamme. Dieser soll in der Verteidigung erneut für die nötige Stabilität verleihen. Denn diese war in den ersten beiden Spielen einer der Schwachpunkte der Nürnberger. Diese Niederlagen gegen die Eisbären Berlin oder die Frankfurt Lions konnten deshalb nicht dem Torhüter angelastet werden. Frederic Cassivi hielt meistens das, was er musste. Doch seine Vorderleute liessen den einen oder anderen Stürmer genug Freiraum, um das Tor zu erzielen. Anders sieht es beim SC Bern aus. Der Schweizer Vertreter spielt aus einer sicheren Verteidigung nach vorne. Ihre Angriffe sind schnell und schnörkellos. Das grösste Ärgernis in der Verteidigung ist Marc Leuenberger und mit Abstrichen auch Philipp Rytz. Beide neigen zum Hang, in den unmöglichsten Momenten Strafen zu generieren, welche nicht notwendig wären. Doch ob die beiden spielen werden, wird sich zeigen. Nicht umsonst verpflichtete der Geschäftsführer Sven Leuenberger in Richard Jackmann einen weiteren soliden und sehr erfahrenen Verteidiger. Seine Aufgabe? Die Defensive absichern und vorne das eine oder andere Tor erzielen. Ansonsten sollten bei den Bernern alle Verteidiger fit sein. Anders sieht dies bei Nürnberg aus. Dort fehlt Alain Nasreddine. Er wird sicher das Turnier verpassen. Verpassen werden das Turnier auch die Berner Ivo Rüthemann und Martin Plüss. Beide sind noch rekonvaleszent. Ob sie die Reise nach Nürnberg mitmachen oder nicht, ist noch nicht sicher. Die Nürnberger Ihrerseits haben im Sturm keine Abwesenden. So wird das Brüderpaar Brad und Greg Leeb in einem Sturm spielen. Dieses Paar könnte die Verteidiger der Gegner in Verlegenheit bringen. Ob dies auch der ersten Sturmreihe der Berner mit Simon Gamache, Christian Dubé und Patrick Bärtschi gelingen wird, wird sich weisen. Sicher ist aber, dass die Duelle auf der Torhüterposition bei allen Vergleichen auf einem hohen Niveau stattfinden werden. Wer dieses Duell entscheiden wird, wird in die Hauptrunde der Champions Hockey League einziehen. Wird dies der SC Bern sein? Denn als einziges Team ist Marco Bührer ein amtierender Nationaltorhüter.