ZSC-Goalie Ari Sulander konnte sich mehrfach im Penaltyschiessen auszeichnen. Foto: Tobias Schlegel (auf Bild klicken für MMS)



Playoffs im Ausland

Ein Blick über die Grenzen: Wie werden die Spielen in anderen Ligen entschieden, wenn es nach 60 Minuten unentschieden steht?

Nordamerika: In sämtlichen bekannten und unbekannten Ligen wird eine Playoff-Partie im Sudden Death entschieden. Die Spiele laufen normal weiter mit Spielabschnitten à 20 Minuten, bis ein Tor fällt. Der Rekord stammt aus dem Jahr 1936 liegt bei 176:30 Minuten. Die Detroit Red Wings besiegten die Montréal Maroons mit 1:0 in der sechsten Verlängerung.

Finnland/Schweden: In den beiden nordischen Top-Ligen wie auch in Norwegen lässt man die Playoffs traditionell nach dem Modus aus dem Eishockey-Mutterland spielen, also per Sudden Death. Die Winternächte im Norden sind ja ohnehin lange genug.

Russland: In der russischen Superliga werden die meisten Playoff-Spiele, sofern nicht nach 70 Minuten entschieden, im Penaltyschiessen entschieden. Einzige Ausnahme ist, wenn es zum Entscheidungsspiel kommt, dann wird auch in Russland Sudden Death gespielt mit Dritteln à 20 Minuten. Eine Kompromisslösung, die fast schon nach schweizerischer Manier ausschaut.

Tschechien: Nach zehn Minuten Verlängerung bei fünf gegen fünf Feldspieler folgt ein Penaltyschiessen. Dasselbe in der Slowakei, jedoch mit je vier Feldspielern.

Deutschland: In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war es bis 2007 üblich, wie bei uns nach einer torlosen Verlängerung mit dem Penaltyschiessen die Entscheidung zu erzwingen. Vor einem Jahr hat man auf den Sudden Death umgestellt und sogleich einen Europa-Rekord aufgestellt: 168:16 Minuten oder neun Dritteln dauerte die Viertelfinal-Partie Köln-Mannheim am 22. März 2008. Das Spiel begann um 17:30 und um Mitternacht beendete Philip Gogullas Tor die Partie.

IIHF: An den Turnieren des internationalen Eishockey-Verbands, ob auf Nationalteam- oder Clubebene, werden die Spiele im Penaltyschiessen entschieden, falls die reguläre Spielzeit und die Verlängerung mit je vier Feldspielern keine Entscheidung bringen. Im WM-Finale beispielsweise mit einer Verlängerung von 20 Minuten, im Viertelfinale, Halbfinale und im Bronze-Spiel 10 Minuten.


NLA-Clubs wollen den Sudden Death!

Von Maurizio Urech und Martin Merk

Nach dem Playoff-Finale gab es offene Diskussionen, ob es richtig sei, Playoff-Spiele im Penaltyschiessen zu entscheiden. Eine Umfrage von hockeyfans.ch bei den NLA-Clubs ergab, dass zehn von zwölf Clubs den Sudden Death-Modus wie in Nordamerika, in Nordeuropa oder in der DEL bevorzugen würden. Die Fernsehverträge verhindern jedoch, zumindest vorerst, eine Modusänderung.

Während dem diesjährigen, spannenden Playoff-Finale zwischen den ZSC Lions und Genf-Servette wurde unter den Kommentatoren offen darüber diskutiert, ob es wohl sportlich nicht fairer wäre, auch in der Schweiz die Spiele während den Playoffs wie in der NHL und einigen europäischen Ligen bis zur Entscheidung auszuspielen anstatt wie bisher üblich im Penaltyschiessen. Zwei Ex-Nationalspieler, Peter Jaks und Sandro Bertaggia, sprachen sich im Tessiner Fernsehen dafür aus, in Zukunft während den Playoffs neu im Modus "Sudden Death" (wörtlich: plötzlicher Tod) zu spielen. Gemeint ist damit eine Verlängerung die solange gespielt wird, bis ein Tor fällt.

Wir wollten mehr wissen und haben eine Blitzumfrage bei allen Club der National League A gestartet. Das Fazit scheint klar: 10 von 12 Clubs würden den Sudden Death bevorzugen. Und einig ist man sich, dass man fünf anstatt drei Schützen im Penaltyschiessen antreten lassen soll, sofern man an den Penaltys festhält. Trotz der Klarheit des Ergebnisses wird sich wohl wenig ändern: das staatliche Fernsehen lehnt den Sudden Death ab.

HC Ambrì-Piotta, Jean-Jacques Aeschlimann, Sportdirektor: "Ich glaube, es wäre sportlich fairer in den Playoffs die Entscheidung auszuspielen. Wenn man schon am Penaltyschiessen festhalten will, dann 5 Schützen und nicht 3 wie dieses Jahr."

SC Bern, Marc Lüthi, Geschäftsführer: "Im Prinzip wäre ich auch dafür, dass man in den Playoffs den Modus ändert, doch ich glaube kaum, dass dies realistisch ist, weil das Schweizer Fernsehen nicht damit einverstanden wäre. Jetzt weiss man ungefähr, wenn die Spiele beendet sind, mit dem Sudden-Death nicht."

EHC Biel, Daniel Villard, Geschäftsführer: "Ich bin ganz klar dafür, dass ab dem Spiel, wo eine Entscheidung fallen kann, keine Penaltys mehr geschossen werden sondern die Verlängerung bis zur Entscheidung gespielt wird."

HC Davos, René Müller, Sportchef: "Ich wäre dafür dass man wie in der NHL in den Playoffs zum Sudden-Death wechselt."

HC Fribourg-Gottéron, Serge Pelletier, Trainer " Ich bin ganz klar für den Sudden Death. Man könnte sich auch überlegen, ab der zweiten Overtime mit nur je vier Feldspielern zu agieren."

Kloten Flyers, Roland Habisreutiger, Geschäftsführer: "Ich finde man soll wie bisher weiterfahren, auch in den Playoffs Penaltyschiessen. Man könnte sich einzig überlegen, anstelle von 3 Schützen auf 5 umzustellen."

SCL Tigers, Christian Weber, Trainer: "Ich finde es persönlich sportlich fairer, wenn man sich dafür entscheiden würde in den Playoffs auf Sudden Death umzustellen."

HC Lugano, Luca Righetti, Generalsekretär: "Wir sind ganz klar für die Einführung des Sudden Death ab der ersten Partie in den Playoffs."

Rapperswil-Jona Lakers, Bruno Hug, Verwaltungsrat: "Man muss natürlich über eine eventuelle Änderung diskutieren. Ich wäre für die Overtime, aber sicherlich muss man wieder von den drei Penaltyschützen wegkommen, lieber wie vorher 5."

Genève-Servette HC, Hans Kossmann, bisheriger Assistenz-Trainer: "Es wäre sicherlich sportlich sinnvoller, wenn man auch in der Schweiz in den Playoffs auf Sudden Death umstellen würde. Falls man unbedingt am Penaltyschiessen festhalten will, 5 anstatt 3 Schützen."

ZSC Lions, Peter Zahner, CEO: "Ich wäre ganz klar dafür, dass man wie bisher die Entscheidung im Penaltyschiessen sucht. Diskutieren könnte man, ob es nicht sinnvoller wäre, auf 5 Schützen umzustellen. Sudden Death eventuell erst im Falle eines siebten alles entscheidenden Finalspiels."

EV Zug, Patrick Lengwiler, Sportmanager: "Auch wenn wir dies intern noch nie besprochen habe, wäre ich persönlich ganz klar für die Einführung des Sudden Death."

Noch zwei weitere Stimmen:

Ivano Zanatta, Ex-Trainer HC Lugano: "Ich bin ganz klar dafür, dass man auch in der Schweiz während den Playoffs bis zur endgültigen Entscheidung weiterspielt, ist sportlich gerechter und auch fairer."

Andreas Wyden, Verantwortlicher Ressort Sport TSI: "Ich glaube, man sollte alles beim Alten lassen, und im Gegensatz zu vielen glaube ich nicht, dass im Penaltyschiessen der Faktor Glück/Zufall entscheidend ist. Es gehört schon auch Geschick dazu."

Es ist natürlich schwer in der konservativen Schweiz, etwas an den Gewohnheiten zu ändern, doch erstens ist die aktuelle Formel mit den 3 Penaltyschützen mehr als sportlich fragwürdig. Die Umstellung auf den Sudden-Death-Modus würde auch für die Coaches einiges ändern, denn damit könnte man nicht mehr auf ein Penaltyschiessen spekulieren, sondern müsste sich Gedanken darüber machen, wie man es mit geschicktem Coaching fertig bringen kann, dass die eigene Mannschaft mehr Kraftreserven als der Gegner hat, nicht wie jetzt, wo man versuchen kann, sich ins Penaltyschiessen zu retten.

Wie man in der NHL gesehen hat, werden erst in der Overtime die "richtigen" Helden geboren, über diese Tore spricht man noch Jahrzehnte danach.

Natürlich gibt es noch das "Problem" mit den Fernsehanstalten zu lösen. Es würde mehr Flexibilität gefordert und wie in Nordamerika könnte man während den Playoffs an eine "Open Hockey Night" denken. Während etwas mehr als einem Monat im Jahr würde sicherlich ein ganz neues Hockeyfeeling entstehen, doch ist es leichter im bisherigen Trott weiterzufahren, als den Mut haben etwas neues einzuführen. Dabei würde der Sudden-Death-Modus mehr Spektakel und ganz neue Emotionen ins Spiel bringen.

Bei der National League verteidigt man den bisherigen Modus und denkt kaum, dass die Clubs auch formell für eine Änderung stimmen würden. "Das hätte keine Chance und wäre absolut unmöglich", sagt der Geschäftsführer Denis Vaucher, "wir hatten das anfangs Saison 2007/08 bereits einmal diskutiert und der Aufsichtsrat lehnte es ab. Zudem haben wir bis 2009 laufende Fernsehverträge." Vor allem bei der SRG SSR idée suisse würde derartige zeitliche Planungsunsicherheit wohl nicht ins Konzept passen. Vaucher hat aber auch sonst Zweifel: "Ist es denn sportlicher als das Penaltyschiessen, wenn man stehend KO die Verlängerung weiterspielt?" Die meisten Clubs antworten mit Ja, doch vorläufig wird sich wohl ohnehin wenig am Modus ändern.

Was meinen die hockeyfans.ch-Leser zur Diskussion? Mach mit bei der Fan-Umfrage und diskutiere mit im Hockeyforum.