Kanadas Nicolas Deschamps (auf Bild klicken für MMS)


Jakob Silfverberg lässt Oliver Baur fliegen (auf Bild klicken für MMS)



Rückblick auf Kasan 2008

Von Andreas Bernhard, Fotos von Christian Häusler

In Kanada beginnt in diesen Tagen die A-WM. Trotzdem wollen wir die vor kurzem im russischen Kasan zu Ende gegange U18-WM nochmals Revue passieren lassen. Hockeyfans.ch durfte die zukünftigen Stars bestaunen und feststellen, dass Russland zuhause nicht Weltmeister werden kann.

Die Ausrichter aus der tatarischen Hauptstadt Kasan haben uns durch ihre grosse Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfreut. Sie haben ihr Möglichstes getan, um eine gelungene U18-WM auf die Beine zu stellen. Angesichts der, für westliche Verhältnisse, besonderen Umstände, ist ihnen das gelungen. Die mit vielen Spielern aus dem obersten Bereich der Drafliste gespickten Teams haben den Zuschauern zum Teil hochstehendes Eishockey geboten.

Verdienter Weltmeister

Kanada hat während des ganzen Turniers konstant starke Leistungen gezeigt. Die Defensive um den Allstar-Goalie Jake Allen stand solide und in der Offensive waren sie mit allen vier Sturmreihen stets torgefährlich. Nach dem 9:2 Startsieg gegen Deutschland schlugen sie Dänemark nur mit 4:1 und verloren gegen die Russen 2:4. Doch sie waren bereit, wenn es darauf ankam. Vor dem Einlaufen zum Finalspiel gegen Russland feuerten sich die Spieler bereits an als würden sie kurz vor der entscheidenden Verlängerung stehen. Sie wussten, dass sie ihr bestes Eishockey zeigen und physisch bereit sein mussten, um den Final zu gewinnnen. Das war der grosse Unterschied zum Gastgeber Russland.

Gescheiterte Titelfavoriten

Die Schweden haben sich selbst um den Weltmeistertitel gebracht. Mit einer etwas besseren Chancenauswertung wären sie anstelle der Kanadier in den Final eingezogen. Die gleiche Schwäche kostete sie auch die Bronzemedallie. Sie schafften es nicht, über 60 Minuten konzentriert zu spielen. Die Schweden waren spielerisch die beste Mannschaft des Turniers und beendeten die Gruppenphase verlustpunktelos. Dass die Schweiz gegen Schweden die höchste Niederlage kassierte, verwunderte niemanden.

Die russische Mannschaft machte vor eigenem Publikum alles richtig. Sie gewannen alle Spiele, bis sie im Finalspiel an der Überheblichkeit und der Nervosität scheiterten. Nikita Filatov, möglicher No. 1 Draft, blieb völlig blass. Viacheslav Voinov, laut Centralscouting einer der besten europäischen Verteidiger, leistete sich haarsträubende Fehler, die allesamt zu Toren der Kanadier führten. Am Ende mussten sie sich gar von den eigenen Zuschauern demütigen lassen, die alle mit den Kanadiern die Tore sieben und acht und schlussendlich den Titel feierten.

Kämpferische Schweizer

Die Schweizer zeigten den Russen schon vor den Kanadiern die Limiten auf. Im letzten Vorbereitungsspiel zur Weltmeisterschaft bezwangen die jungen Schweizer die Russen mit 4:1. Dieses Resultat verlieh ihnen grosses Selbstvertrauen, das sie das ganze Turnier über nicht mehr hergaben. Die Spieler hielten zusammen, liessen sich durch Unannehmlichkeiten im Hotel oder bei der Verpflegung nicht beeindrucken. Sie halfen einander auf und neben dem Eis. Sie waren eine eingeschworene Truppe. Diese Eigenschaften zeichneten sie auch während den Spielen aus. In schwierigen Situationen gaben sie nicht auf sondern zeigten eine gesunde Reaktion. Vorallem ihre kämpferische Leistung stach hervor. Spielerisch stärkere Gegner wussten sie, durch konsequenten Körpereinsatz, zu beeindrucken. Mit einer besseren Chancenauswertung wäre in Kasan zwar mehr möglich gewesen, das vorgegebene Ziel, „Klassenerhalt“, wurde aber erreicht.