Finalduell am Abgrund

Von Martin Merk

Vier Klubs kämpfen um den Einzug ins Playoff-Finale. Mit dem HC Ambrì-Piotta und dem EHC Basel gibt es bereits zwei Finalisten - jedoch dort, wo niemand sein möchte: im Playout-Finale.

Die Tessiner müssen nach der 3:4 verlorenen Serie gegen die SCL Tigers eine weitere Serie gegen den Abstieg bestreiten und gelten in dieser als Favorit. Für den EHC Basel gehört die A2 ins Tessin zur favorisierten Reiseroute: Nach Lugano geht es nun am Fusse des Gotthards zu Ambrì. Während die Bebbi eine miserable Qualifikation zeigten, konnten sie gegen Lugano doch noch zeigen, dass sie auch mehr können. Für eine weitere spannende Serie sollte damit gesorgt sein. Vor einem Jahr siegte Ambrì, damals im Playout-Halbfinale, gegen den EHC Basel mit 4:3. Können die Biancoblù auch dieses Jahr vom Heimvorteil profitieren?


Können die ZSC Lions Reto von Arx und Co. stoppen? Foto: Michael Zanghellini (auf Bild klicken für MMS)



Grosses Ziel: Das Finale

Von Urs Berger

Ab heute spielen die beiden Klubs aus der Romandie untereinander um den Einzug in das Finale. Auf der anderen Seite duellieren sich die ZSC Lions und der HC Davos. Alle vier Klubs haben ihre Möglichkeiten, in die letze Runde der Meisterschaft zu gelangen. Hockeyfans.ch wagt eine Prognose.

Jede Prognose ging davon aus, dass der SC Bern um die Meisterschaft spielen wird. Doch dem ist seit dieser Woche nicht mehr so. Der grosse Favorit zahlte für seine Überheblichkeit Tribut und schied mit einer kämpferischen, aber nicht geschlossenen Teamleistung mit 2:4 aus. Fribourg konnte von dieser Situation profitieren und spielte sich in eine Euphorie. Dies nutzten die Drachen in allen vier Verlängerungen zu Ungunsten der Berner aus. Doch können sie dies gegen das defensiv sehr solid aufspielende Genf-Servette reüssieren? Damit würden sie das erste Mal seit der Saison 1993/94 wieder in einem Finale stehen. 14 Jahre nach den grossen Zeiten, als Andrej Khomutow und Slava Bykov die Regie führte. Und ein Präsident Namens Jean Martinet das Eis in der Patinoire St. Leonard gegessen hatte. Auch heute ist ein Name in der Aufstellung der Fribourger vertreten, der schon damals eine wichtige Rolle spielte. Genauer gesagt sind es zwei Namen. Andrej Bykow, der Sohn von Slava Bykov und Patensohn von Khomutovs, konnte in dieser Saison seinen Stern aufsteigen sehen. Mit ihm zusammen stieg ein weiterer Spieler am Horizont auf. Julien Sprunger, der auch letzes Jahr einer der Leader auf dem Eis der Freiburger war. Durch seine Präsenz und seine positive Einstellung in jedem Spiel konnte er das eine oder andere wichtige Tor in der Qualifikation schiessen. Auch wenn er in der Serie gegen Bern nicht alle Spiele bestreiten durfte, so war er doch immer in der Nähe der Mannschaft. Nach seiner Sperre kehrt er heute zurück.

Entscheiden die Torhüter die Serie?

Ein weiterer Baustein des Erfolges der Drachen war der kanadische Torhüter Sébastien Caron. Dieser hielt wie eine Mauer und stach dabei seinen Gegner, den gelernten Maurer Marco Bührer, klar aus. Doch wird dies auch gegen Servette reichen? Kann Caron an seine Leistung in der Serie gegen Bern erneut abrufen und die Stürmer der Calvinstädter zur Verzweiflung bringen? Denn diese werden sicher mit sehr viel Druck auf ihn und sein Tor einstürmen. Nicht umsonst sind die Ausländer der Genfer für das Spiel an der vordersten Front so wichtig. Der einzige Schwachpunkt, wenn man dem so sagen kann, ist der Schlussmann der Genfer. Kann Gian-Luca Mona seine Form so weiterziehen wie zuletzt oder wird er mit Fortdauer der Serie gegen Fribourg nachlassen? Denn dies kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Dennoch sind die Servettiens vor allem in einem Punkt den Drachen überlegen. Die Verteidigung um den gebürtigen Kroaten Goran Bezina ist eisenhart und lässt kaum Schüsse auf das Tor ihres Schlussmannes zu. So wird denn diese erste Play-off Serie zwischen diesen beiden Teams seit Bestehen dieser Formel neue Erkenntnisse geben. Eines steht jedoch schon jetzt fest. Egal wer diese Serie gewinnt, das Eishockey in der französischsprachigen Schweiz bekommt dadurch einen neuen Auftrieb, welcher durch die National League so gut wie möglich genutzt werden sollte.

Tipp: Genève-Servette HC - HC Fribourg-Gottéron 3:4


Mit einem klaren Verdikt sandten die Davoser den EV Zug im siebten und Spiel in die Ferien. Die Innerschweizer, welche mit 3:0 in der Serie führten, konnten die drei Matchpucks nicht verwerten und verloren zuletzt diskussionslos mit 4:0. Doch diese Serie hat viel Kraft gekostet. Dies kann durchaus ein entscheidender Faktor in der kommenden Serie gegen die ZSC Lions sein. Die Zürcher konnten sich sehr gut ausruhen und die eine oder andere Blessur auskurieren. Anders die Davoser, welche am Donnerstag das siebte Spiel bestreiten mussten. Vor allem die Torhüter müssen erneut eine starke Leistung bringen, um das eine oder andere Gegentor zu verhindern. Dort ist die Erfahrung auf Seiten der Zürcher zu sehen. Mit Ari Sulander steht ein ausgezeichneter Schlussmann zwischen den Pfosten, der so manche Play-off-Schlacht für sich entscheiden konnte. Auch die Verteidigung der beiden Mannschaften werden gefordert werden. Mit Severin Blindenbacher und Beat Forster verfügen die Zürcher über eines der härtesten Verteidigungspaare. Sie wissen was es heisst, auszuteilen, aber auch, was es heisst, einzustecken. Doch auch die Davoser Verteidigung kann austeilen und einstecken. Vor allem Jan von Arx und Marc Gianola können auch hier ihre Stärken ausspielen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Im Angriff werden die Davoser auf Reto von Arx, Alexander Daigle und Michael Riesen bauen. Genau über dieses Trio wird die Serie entschieden werden. Können die Zürcher die Davoser Paradelinie so in Verlegenheit bringen? Damit würden die Zürcher das erste Mal seit drei Jahren wieder im Finale stehen. Damals konnte man gegen die Bündner nicht reüssieren und verlor mit 1:4-Siegen das Finale. Diese Scharte will man natürlich vergessen machen. Dies geht über eine ausbalanciert Offensive, in welcher die Zürcher gut besetzt sind. Mit Adrian Wichser, Ryan Gardner und Peter Sejna habe auch sie ein Trio, welches nach vorne die wichtigen Akzente setzen könnte. Nicht vergessen darf man aber auch die Wasserträger in beiden Teams. Dort sind die Davoser mit den jungen Spielern im Vorteil. Denn diese sind hungrig, wollen einen erneuten Einzug in das Finale erreichen. Allen voran die Gebrüder Wieser, welche in diesem Jahr erneut Fortschritte machten und das Vertrauen von Trainer Arno del Curto gewinnen konnten. Anders sieht die Fraktion der Jugend bei den Zürchern aus. Nur gerade Aurellio Lemm ist unter 20 Jahre und wird wohl kaum von Trainer Harold Kreis in den Halbfinals eingesetzt werden. Auch die Trainer werden eine wichtige Rolle spielen in diesem Duell der Giganten. Es kann durchaus sein, dass auch diese Serie über die volle Distanz von sieben Spielen gehen wird. Eine Voraussage ist nicht einfach. Doch wir tippen auf einen 4:3 Sieg - für die Löwen.

Tipp: HC Davos - ZSC Lions 3:4