Yann Jauss beim Puckeinwurf am Skoda Cup. Foto: Christian Häusler (auf Bild klicken für MMS)



Jauss will sich nicht als Behinderter verstanden wissen

Von Roland Jungi

Wer den lebenslustigen, leider an den Rollstuhl gefesselten Bernjurassier Yann Jauss am Medianapéro anlässlich des Skoda Cups in Lausanne gesehen hat, war sich schlagartig bewusst, dass es neben dem Sport noch andere, viel wichtigere Dinge im Leben gibt, etwa den normalen Umgang mit behinderten Menschen im Alltag.

Was aber ist dem heute 30-jährigen, ehemaligen 3. Liga-Spieler widerfahren? Bei der Partie des HC Reuchnette, seinem damaligen Stammverein, gegen den HC Reconvilier blieb Jauss nach einem fairen Zweikampf auf dem Eis liegen. Da er seine Beine nicht mehr bewegen konnte, wurde dieser sofort ins Universitätsspital Zürich überführt. Hier folgte die brutale Diagnose: Bruch des 12. Rückenwirbels! Dies hiess für den Sportbegeisterten nach der Operation, dass er für immer auf den Rollstuhl angewiesen sein wird.

Jauss: Humor und Mut nie verloren

Bereits sechs Wochen nach dem schweren Eingriff am Rücken nahm Jauss die Rehabillitierungsphase auf. Seitdem hat dieser seinen Humor und seinen Mut nie verloren. Ganz im Gegenteil: Er hat sein Schicksal in die Hände genommen und diese harte Lebensprüfung mit dem nötigen Respekt in Angriff genommen. Vor allem das nachfolgende Zitat - übersetzt aus einem Artikel des Journal du Jura - müsste uns allen zu denken geben: "Ich habe in einem Buch eines armlosen Schwimmers gelesen, dass man mit seinem Handicap umgehen können und damit leben muss!"

Auf der anderen Seite wurde allen in der Eishalle von Tramelan das Schicksal von Pat Schafhauser, damaliger Crack beim HC Lugano, in Erinnerung gerufen. Dieser war bekanntlich der erste Eishockey-Spieler auf Schweizer Eis, welcher nach einem Sturz in die Bande im Dezember 1995 derart schwere Rückenmarksverletzungen erlitt, dass er danach für immer querschnittgelähmt ist und seine Karriere nach dessen schweren Unfall ein schlagartiges Ende fand. Jauss ist jetzt der Zweite.

Beat Villiger: Jauss strotzt vor Zuversicht

Im VIP-Raum der Patinoire du Malley herrschte eine beklemmende Stimmung, als Dr. Beat Villiger, Chefarzt des Paraplegikerzentrums in Nottwil und ehemaliger Klubarzt des HC Davos, Jauss auf ein Podium stellte. Dieser sagte: "Ich durfte Yann Jauss in Unispital in Zürich kennen lernen. Er hat mir dabei zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gemacht, dass er an seinem jetzigen Schicksal hadere. Yann Jauss strotz von einem unbändigen Lebenswillen und hat mir dies bereits mehrmals gezeigt." Dazu meinte Jauss: "Ich habe mittlerweile bestens gelernt, mit meiner körperlichen Behinderung zu leben. Ich bin mir aber auch bewusst, dass ich bis zum Lebensende immer auf Hilfe von anderen angewiesen bin."

Wer hat Yann Jauss geholfen, seinen Alltag ohne grössere Probleme zu meistern? Es ist nicht zuletzt die "Pat Schafhauser Stiftung". " Diese hat es mir ermöglicht, mich sehr schnell wieder in den Alltag zu integrieren. Damit ich mobil bleiben kann, hat mir die Stiftung den Umbau meines Autos bezahlt. Ich kann mich an dieser Stelle nur ganz herzlich für den Support bedanken!" sagt Jauss. Dass die anschliessende Frage- und Antwortrunde nur kurz ausfiel, wenn wundert's, war nur all zu verständlich. Alle Anwesenden wurde mit dem Auftritt von Yann Jauss ein Spiegel vorgehalten, welcher sagen will: "Wenn du den da drüben im Rollstuhl siehst, kannst du mit deiner Lebenssituation mehr als nur zufrieden sein!" Wenn immer möglich, besucht Jauss Meisterschaftsspiele des EHC Biel und ist da ein immer wieder gern gesehener Gast und Gesprächspartner.

Pat Schafhauser Stiftung wird neu positioniert

Nachdem vor einigen Jahren das All Star Weekend aufgegeben wurde, hat sich Swiss Ice Hockey und die Pat Schafhauser Stiftung (PSS) daran gemacht, eine Idee neu aufleben zu lassen! Gemäss Marc Furrer, Präsident der PSS, wird die Stiftung neu positioniert und man hofft daraus, diese im Umfeld des Schweizer Hockeys wieder stärker zu verankern. Man wolle eine intensivere Zusammenarbeit mit den entsprechenden Vereinen und die verstärkte Sensibilisierung der Eishockeyspieler im Präventionsbereich in den Vordergrund verstärken.

Die PSS wird im Jahre 2009 mit einer geplanten, nationalen Charity-Veranstaltung und diversen Aktivitäten im Umfeld des Eishockeys auf sich aufmerksam machen. Zudem werden jährlich zwei bis drei Kindercamps organisiert. Das erste Bewegungscamp für asthma- und herzkranke Kinder soll noch in diesem Herbst in Davos statt finden. An gleicher Stelle, anlässlich des Spengler Cup 2008, tritt die PSS als offizieller Charity-Partner auf.

Pat Schafhauser Stiftung c/o Schweizerische Eishockey Nationalliga GmbH, Haus des Sports, Talgutzentrum 27, 3063 Ittigen (Postadresse: Postfach 606, 3000 Bern 22); oder bei General Manager Marcel Wisler (079 / 303 25 38).