SCL-Stürmer Michel Zeiter. Fotos: Thomas Oswald (auf Bild klicken für MMS)



Soll der Halsschutz obligatorisch werden?

Von Andreas Bernhard

Der Unfall von Richard Zednik hätte mit einem Halsschutz möglicherweise vermieden werden können. Weshalb schützen die meisten Spieler ihren Hals nicht? hockeyfans.ch sprach mit Geri Büsser von den ZSC Lions, Michel Zeiter von den SCL Tigers und Dave Fitzpatrick von der IIHF.

Am 10. Februar verletzte sich Richard Zednik von den Florida Panthers im Spiel gegen die Buffalo Sabres schwer. Der Schlittschuh des vor ihm stürzenden ex-Kloten-Spielers Olli Jokinen traf ihn am Hals. Die Halsschlagader wurde dabei aufgeschnitten und beinahe durchtrennt. Dank einer sofortigen Notoperation hat Zednik den Vorfall überlebt. Er verlor zwei Liter Blut.

Dieser Vorfall löst, nicht zum ersten Mal, Diskussionen über einen Halsschutz aus, der solche gravierenden Verletzungen verhindern würde. In den Juniorenstufen und im Fraueneishockey ist ein Halsschutz Pflicht. Im Profihockey wird er empfohlen. Das bestätigte Dave Fitzpatrick, Sportdirektor des Internationalen Eishockeyverbands IIHF gegenüber hockeyfans.ch.

Kein Einzelfall

Dass sich ein Spieler an einer Schlittschuhkufe schwer verletzt, ist kein Einzelfall. Am 15. November 2001 erlebte das Schweizer Eishockey einen ähnlichen Unfall. Der für den EHC Chur spielende Schwede Johan Witehall verletzte beim Spiel der Churer im Zürcher Hallenstadion, ebenfalls im Fallen, Michel Zeiter. Auch Zeiter verlor sehr viel Blut und musste um sein Leben bangen. Als der Stürmer die Bilder von Richard Zednik sah, war sein eigener Unfall sofort wieder präsent: "Ich kann ihm natürlich nachfühlen und weiss, was er durchmacht. Ich bin sehr froh, dass er mit viel Glück überlebt hat."

Nach seiner Rückkehr aufs Eis trug Michel Zeiter für einige Zeit einen Halsschutz. Wieso jetzt nicht mehr? "Der Schutz hat mich immer wieder an den Unfall erinnert und ich wollte nicht mit negativen Gedanken aufs Eis. Ausserdem hätte der Halsschutz meinen Unfall nicht verhindert."

Der Halsschutz schützt nicht in jedem Fall

Geri Büsser, schon damals der Teamarzt der ZSC Lions, kann sich noch gut an die Szene erinnern: "Michel Zeiter wurde genau in der Kinnfalte vom Schlittschuh verletzt. Dort ist man auch mit einem Halsschutz ungeschützt." Trotzdem kann er nicht verstehen, dass ein Spieler ohne einen Schutz um den Hals das Eis betritt: "Für mich handelt jeder Spieler fahrlässig, der seinen Hals nicht schützt. Alle Zusammenstösse, bei denen der Hals ein paar Zentimeter unter der Kinnfalte getroffen wird, würden dann viel glimpflicher verlaufen." Würde er denn einen obligatorischen Halsschutz befürworten? "Ja, auf jeden Fall. Denn von sich aus machen das die Spieler nie."

Man kann mit einer Verbesserung der Ausrüstung bei einem Eishockeyspieler auch das Gegenteil bewirken. "Man rüstet die Spieler immer mehr auf, um sie besser zu schützen und erreicht manchmal genau das Gegenteil. Wir nennen das den Gladiator-Effekt", erklärt Dave Fitzpatrick von der IIHF. "Verschiedene Ausrüsterfirmen haben zum Beispiel dem Brustpanzer einen speziellen Rückenschutz hinzugefügt. Sie wollten damit auf die zum Teil harten Attacken von Verteidigern gegen Stürmer vor dem Tor reagieren. Das ist aber der falsche Weg. Die Spieler schützt man besser, indem man die bestehenden Regeln konsequent anwendet. Seitdem wir die sogenannte "Nulltoleranz" kennen und viel mehr Crosschecks vor dem Tor abpfeiffen, haben die Rückenverletzung stark abgenommen." Ein besserer Schutz senkt auch die Hemmschwelle des Gegenspielers. Häufig wird härter gespielt in der Meinung, der Gegner sei ja gut genug geschützt." Geri Büsser kennt dieses Phänomen: "In Kanada wurde eine Studie durchgeführt, die gezeigt hat, dass Spieler, die mit einem Gitter spielen ein höheres Risiko tragen, sich die Halswirbel zu verletzen, als Spieler, die nur mit einem Visier geschützt sind. Die Attacken gegen den Kopf häuften sich und wurden rücksichtsloser."

Schwer durchsetzbar

Auch ein Halsschutz könne dazu führen, dass die Spieler eher einmal den Stock ein wenig höher ansetzen, meint Dave Fitzpatrick. Zudem sei es nicht einfach, ein Obligatorium durchzusetzen: "Die Fans wollen schnelles, hartes, sauberes Hockey sehen. Sie wollen, dass ein Spieler, der einen anderen Spieler regelwidrig behindert, auf die Strafbank geschickt wird. Ich glaube nicht, dass wir uns viele Freunde schaffen, wenn wir eine Meisterschaft entscheiden, weil ein Spieler aufgrund eines nicht oder zu locker montierten Halsschutzes auf die Strafbank geschickt wird. Zudem müsste dieser Schutz auch kontrolliert werden und die Spieler verändern prinzipiell immer alles an ihrer Ausrüstung. Weil die Teile sie stören oder sie zu sehr schwitzen. Ein Ausrüstungsteil, das die Fabrik verlässt, findet sich kaum in dieser Ausführung an einem Profispieler." Wie können die Spieler denn vor lebensgefährlichen Verletzungen geschützt werden? "Ganz schützen können wir sie nie. Wir können aber alle Beteiligten für die Gefahren sensibilisieren. Richard Zednik hat überlebt, weil alle Betreuer, Ärzte und der Spieler selber sofort gewusst haben, in welcher Situation sie sich befinden. Zednik hat instinktiv mit seiner Hand versucht, die Blutung zu stoppen und ist zur Bank gefahren. Die Betreuer haben noch an der Bande damit begonnen, Zednik zu verarzten und haben ihn schnellstmöglich hospitalisiert. Diese schnelle und professionelle Reaktion wird auch in Zukunft Schlimmeres verhindern."

Der Halsschutz wird wohl, wie das Visier, nicht obligatorisch werden. Die IIHF wird aber darauf hinarbeiten, dass immer mehr Spieler ihren Hals schützen werden. Vor 15 Jahren war das Visier auch noch nicht so stark vertreten wie heute.