Spieler im Fokus: Andrej Bykov
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Agenten machen nur ihren Job

Von Urs Berger

In der Tschechischen Republik konnten wir mit dem Teammanager der Schweizer Juniorennationalmannschaft, Roberto Mazzetti, sprechen. Im Interview äusserte er sich über Spieleragenten und deren Rollen. Doch nicht nur dazu nahm der hauptberufliche Lehrer Stellung, der seit 11 Jahren der Mannschaftsleiter der Junioren Nationalmannschaft ist.

Roberto Mazzetti, wie wichtig sind die Vorbereitungsturniere der Junioren im Spätsommer hier in der Tschechischen Republik?

Diese Turniere sind für uns sehr wichtig. Hier können wir diejenigen Spieler testen, die danach nach Nordamerika gehen und uns in den letzten Turnieren in Europa fehlen werden. Diese Turniere geben Köbi Kölliker die Möglichkeit, noch einmal zu sehen, wie die Spieler auf dem Eis arbeiten und wer mit wem harmoniert.

Was ist ihre Aufgabe im Team?

Ich schaue, was die jungen Spieler neben dem Eis machen, wie sie sich verhalten und wie sie innerhalb des Teams harmonieren. Ich beobachte, wie sich die Spieler bei den Reisen verhalten und wie sich das ganze Team neben dem Eis entwickelt. Des Weiteren besorge ich die Tickets für die Eltern, welche die Spiele besuchen wollen. Zudem schaue ich, dass die Agenten oder Scouts nicht unsere Vorbereitungen stören. Die Spieler haben genügend Freizeit, sich ausserhalb der Teamtätigkeit mit Scouts und Agenten zu treffen.

Hat das diesjährige Team einen Star in ihren Reihen?

In diesem Jahr haben wir keinen solchen Spieler in den Reihen wie in den letzten Jahren. Doch wir hoffen natürlich, dass bestimmte Spieler sich weiter entwickeln. So etwa Andrej Bykow, Reto Suri und andere Spieler. Vielleicht "explodiert" ja noch einer, der im Team eine wichtige Rolle spielt und so zu einem Star wird. Doch dies wird sich weisen.

Was fehlt dem Team noch?

Wie schon bei der A-Nationalmannschaft haben wir ein Problem mit dem Toreschiessen. Wir hätten einen Spieler, der das Talent dazu hätte. Das Problem ist nur, ob er sich in die Mannschaft einfügen und ob er auf internationalem Niveau bestehen kann. Es genügt nicht nur offensive Werte zu haben. Es braucht auch international eine gewisse Ausgeglichenheit. Die Zukunft wird nun weisen, wie sich dieser Spieler entwickelt und ob er sich in Nordamerika durchsetzen kann oder nicht. Wenn er diese Entwicklung nehmen kann, dann wird dies gut für seine Zukunft sein. Ansonsten wird es nicht einfach werden. Denn es reicht nicht, nur offensiv stark zu sein. Es braucht auch defensive Arbeit.

Ist der frühe Zeitpunkt in der Saison nicht auch eine Gratwanderung für Köbi Kölliker und die Junioren?

Nein, nein, das ist keine Gratwanderung. Alle Topnationen trainieren bereits auf diesem Niveau. Die Spieler und die Trainer sind Profis in ihrem Geschäft und wissen, wie man sich auf solche Turniere vorbereitet. Um hier in der Tschechischen Republik in fünf Tagen vier Spiele zu bestreiten muss man bereits auf einem hohen Niveau sein. Dies sind alle teilnehmenden Mannschaften. Zu dem sollte es für die Klubs, bei denen die Junioren spielen, eine Ehre sein. Denn niergends bekommen die jungen Spieler das nötige Rüstzeug, um sich danach auch international in Szene zu setzen oder aber auch gute Erfahrungen für den Klub zu sammeln. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, dass sich ein Spieler verletzt. Doch die Spieler sind Profis genug, um dieses Risiko richtig abzuschätzen.

Wie ist das Interesse an Scouts in Tschechien an diesem Turnier?

Es sind schon einige Scouts anwesend. Diese sind meistens aus dem Land selber. Hauptsächlich jedoch Spieler aus dem eigenen Land oder der Slowakei. Eine Woche später sieht dies in Poprad und Piejestani dann wieder anders aus. Dort sind denn auch die Nordamerikanischen Scouts anwesend und beobachten die Spieler.

Wissen die Spieler, dass sie beobachtet werden oder teilen Sie ihnen dies mit?

Die Spieler sind sich bewusst, dass sie beobachtet werden. Dies muss man ihnen nicht speziell sagen. Jeder weiss, dass er beobachtet werden kann. Dies ist für jeden Spieler eine Ehre. Die Scouts oder die Agenten sprechen immer wieder mit den Spielern und so wissen sie denn auch, woran sie sind. Für die meisten ist es denn auch nichts neues, haben Sie doch auch schon an U18-Turnieren gespielt und wissen so, wie sie mit dieser Situation umgehen sollten.

Wie gross ist der Einfluss der Agenten auf die Spieler in diesem Alter?

Die jungen Spieler haben schon früh einen Agenten. Diese nehmen ihnen auch Arbeit ab. Er organisiert alles für den Spieler, knüpft Kontakte organisiert Flugtickets und besorgt die Arbeitsvisas für Nordamerika. Viele Spieler wissen nicht genau, was die Aufgabe der Agenten ist. So versucht denn auch der Agent zuerst seine Arbeit für sich gut zu machen und erst danach kommt der Spieler. Zudem wissen manche Eltern auch nicht, was genau die Aufgabe eines Agenten ist. So bekommt der Agent dann schnell einen gewissen Einfluss und Macht bei den jungen Spielern.